Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trä­ge und die Wirt­schafts­füh­rung eines Notars

Die Art der Wirt­schafts­füh­rung eines Notars gefähr­det die Inter­es­sen der Recht­su­chen­den bereits dann, wenn Gläu­bi­ger gezwun­gen sind, wegen berech­tig­ter For­de­run­gen gegen den Notar Zwangs­maß­nah­men zu ergrei­fen. Dies gilt auch dann, wenn sich schlech­te wirt­schaft­li­che Ver­hält­nis­se im Ein­zel­fall nicht fest­stel­len las­sen. Denn es ist bereits als sol­ches nicht hin­zu­neh­men, dass der Notar in eine der­ar­ti­ge Lage gerät1.

Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trä­ge und die Wirt­schafts­füh­rung eines Notars

Für die Vor­aus­set­zun­gen des § 50 Abs. 1 Nr. 8 2. Fall BNo­tO ist es des­halb auch unbe­acht­lich, wenn Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trä­ge nicht mehr zu Voll­stre­ckungs­maß­nah­men füh­ren, weil der Notar die zugrun­de lie­gen­den Ansprü­che zuvor befrie­digt hat2 7/​13, Rz. 12)).

Damit ist der Amts­ent­he­bungs­grund des § 50 Abs. 1 Nr. 8 2. Fall BNo­tO aber noch nicht erschöpft. Auch wei­te­re, das geschäft­li­che Ver­hal­ten betref­fen­de Umstän­de kön­nen die Amts­ent­he­bung recht­fer­ti­gen und eine Unzu­ver­läs­sig­keit des Notars in Bezug auf sei­ne Wirt­schafts­füh­rung begrün­den bzw. ver­stär­ken. Es ist unver­zicht­bar, dass der Notar – auch in einer wirt­schaft­li­chen Kri­se die für sein Amt erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit und Inte­gri­tät wahrt3. Des­halb ist bei der Wür­di­gung, ob eine ordent­li­che Wirt­schafts­füh­rung des Notars gege­ben ist, auch in Betracht zu zie­hen, ob der Notar etwa fal­sche oder unvoll­stän­di­ge Anga­ben gegen­über den Gläu­bi­gern oder den Gerich­ten gemacht, sons­ti­ge insol­venz­recht­li­che Mit­wir­kungs­pflich­ten ver­letzt oder die für die Kanz­lei­an­ge­stell­ten zu ent­rich­ten­den Sozi­al­bei­trä­ge vor­ent­hal­ten hat. Ein sol­ches geschäft­li­ches Ver­hal­ten kann eine unzu­ver­läs­si­ge Art der Wirt­schafts­füh­rung indi­zie­ren4 bzw. begrün­den oder ver­stär­ken5. Nicht von Bedeu­tung für das Vor­lie­gen des Amts­ent­he­bungs­grun­des des § 50 Abs. 1 Nr. 8 2. Fall BNo­tO ist, ob die Amts­füh­rung des Notars bereits Anlass zu Bean­stan­dun­gen gege­ben hat. Die Vor­schrift beinhal­tet einen abs­trak­ten Gefähr­dungs­tat­be­stand6.

Nach § 26 Abs. 2 VwVfG i.V.m. § 64a Abs. 1 BNo­tO hat der Notar die von ihm gefor­der­te Erklä­rung über sei­ne Wirt­schafts­ver­hält­nis­se im Rah­men der Prü­fung sei­ner Art der Wirt­schafts­füh­rung abzu­ge­ben. Die Ermitt­lungs­pflicht der Behör­de auf­grund des im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gel­ten­den Unter­su­chungs­grund­sat­zes endet, wo es ein Betei­lig­ter in der Hand hat, die not­wen­di­ge Erklä­rung abzu­ge­ben und Beweis­mit­tel vor­zu­le­gen, um eine sei­nem Inter­es­se ent­spre­chen­de Ent­schei­dung her­bei­zu­füh­ren (vgl. zu § 64a BNo­tO a.F. BGH, Beschluss vom 08.07.2002 – NotZ 1/​02, NJW 2002, 2791, 2792; s. auch Schippel/​Bracker/​Herrmann, BNo­tO, 9. Aufl., § 64a Rn. 3 f. und Eylmann/​Vaasen/​Starke, BNotO/​BeurkG, 3. Aufl., § 64a BNo­tO Rn. 5). Uner­heb­lich ist dabei, ob der Notar zur Mit­wir­kung und zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­pflich­tet war. Wenn er Aus­kunft gibt, muss die­se rich­tig und voll­stän­dig sein7. Der Grund­satz der Amts­er­mitt­lung im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren ent­las­tet damit den Notar wegen sei­ner unvoll­stän­di­gen Anga­ben nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. März 2014 – NotZ (Brfg) 17/​13

  1. BGH, Beschlüs­se vom 15.11.2010 – NotZ 6/​10, NJW-RR 2011, 642, Rn. 8 mwN; vom 26.11.2012 – NotZ(Brfg) 11/​12, BGHR § 50 Abs. 1 Nr. 8 Wirt­schafts­füh­rung 2, Rn. 5 f.; und vom 26.11.2012 – NotZ(Brfg) 10/​12, Rn. 11
  2. BGH, Beschluss vom 25.11.2013 – NotZ(Brfg
  3. BGH, Beschluss vom 15.11.2010 – NotZ 6/​10, NJW-RR 2011, 642, Rz. 9
  4. BGH, Beschluss vom 17.11.2008 – NotZ 130/​07, NJW-RR 2009, 783 Rz. 11
  5. BGH, Beschluss vom 15.11.2010 – NotZ 6/​10 aaO Rz. 9
  6. BGH, Beschluss vom 15.11.2010 aaO
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 10.03.1997 – NotZ 22/​96, DNotZ 1997, 894, 899