Zweck­wid­rig ver­wen­de­te Bau­gel­der

Wird Bau­geld zweck­wid­rig ver­wen­det, ent­fällt ein ersatz­fä­hi­ger Scha­den des Bau­hand­wer­kers, sofern an ihn pflicht­ge­mäß geleis­te­te Zah­lun­gen anfech­tungs­recht­lich kei­nen Bestand gehabt hät­ten.

Zweck­wid­rig ver­wen­de­te Bau­gel­der

Wer­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge vor­ent­hal­ten, ent­fällt ein nach § 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 266a Abs. 1 StGB ersatz­fä­hi­ger Scha­den des Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers, wenn pflicht­ge­mäß geleis­te­te Zah­lun­gen anfech­tungs­recht­lich kei­nen Bestand gehabt hät­ten [1]. Die­se scha­dens­recht­li­chen Erwä­gun­gen sind auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt, in dem Bau­gel­der nicht an die Bau­hand­wer­ker aus­ge­kehrt wur­den, ohne wei­te­res zu über­tra­gen. Danach schei­det ein Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin aus, weil etwai­ge von der Schuld­ne­rin an ihn zur Til­gung sei­ner Bau­for­de­run­gen bewirk­te Zah­lun­gen nach Ver­fah­rens­er­öff­nung der Anfech­tung unter­le­gen hät­ten.

Die Anfech­tung etwai­ger bewirk­ter Zah­lun­gen wäre vor­lie­gend nicht mit Rück­sicht auf ein Vor­recht der Klä­ge­rin als Bau­geld­gläu­bi­ge­rin an einer feh­len­den Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung (§ 129 Abs. 1 InsO) geschei­tert.

Die von der Schuld­ne­rin ein­ge­zo­ge­nen Bau­gel­der sind man­gels etwai­ger fort­be­stehen­der Pfän­dungs­be­schrän­kun­gen (§ 36 Abs. 1 InsO) Bestand­teil der Insol­venz­mas­se (§ 35 Abs. 1 InsO) gewor­den. Die Bau­geld­for­de­run­gen, denen auf­grund ihrer Zweck­bin­dung gemäß § 851 Abs. 2 ZPO Pfän­dungs­schutz zukam [2], sind im Streit­fall durch Zah­lung an die spä­te­re Mas­se erfüllt wor­den. In die­ser Gestal­tung sieht das Gesetz kei­nen wei­te­ren Schutz vor [3]. Ist das Bau­geld aus­ge­zahlt und nicht auf einem beson­de­ren Treu­hand­kon­to ver­bucht, dann ist es der Pfän­dung durch ande­re Gläu­bi­ger aus­ge­setzt. Eine sol­che Pfän­dung durch Per­so­nen, die nicht Baugläu­bi­ger sind, ist zwar nicht im Sin­ne des Schutz­an­lie­gens des Geset­zes zur Siche­rung der Bau­for­de­run­gen. Der Gesetz­ge­ber hat aber kei­ne Siche­rungs­mög­lich­kei­ten vor­ge­se­hen, die ande­ren Gläu­bi­gern des Bau­geld­emp­fän­gers einen Zugriff auf das Bau­geld ver­weh­ren kön­nen. Es ist viel­mehr nach dem Gesetz grund­sätz­lich allein Sache des Bau­geld­emp­fän­gers, dafür zu sor­gen, dass das Bau­geld sei­ner Zweck­be­stim­mung zuge­führt wird [4]. Hat sich infol­ge der Zah­lung die Zweck­bin­dung des Anspruchs erle­digt, ste­hen die Mit­tel als Bestand­teil der Mas­se dem all­ge­mei­nen Gläu­bi­g­er­zu­griff offen [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2013 – IX ZR 220/​11

  1. BGH, Urteil vom 02.12.2010 – IX ZR 247/​09, WM 2011, 88 Rn.19 mwN, inso­weit in BGHZ 187, 337 nicht abge­druckt[]
  2. vgl. Jaeger/​Henckel, InsO, § 36 Rn. 25[]
  3. OLGR Hamm 2007, 159 f; Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, 2. Aufl., § 129 Rn. 106; Hmb­Komm-InsO/Lüd­tke, 4. Aufl., § 36 Rn. 17; Heid­land, ZIn­sO 2010, 737, 743[]
  4. BGH, Urteil vom 13.10.1987 – VI ZR 270/​86, NJW 1988, 263, 265[]
  5. BGH, Beschluss vom 08.11.2007 – IX ZB 221/​03, WM 2008, 87 Rn. 5[]