Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Mahn­ver­fah­ren

Im Mahn­ver­fah­ren ist die Bei­ord­nung eines Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten in der Regel selbst dann nicht gebo­ten, wenn der Geg­ner anwalt­lich ver­tre­ten ist.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Mahn­ver­fah­ren

Ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof. Bedürf­ti­ge Gläu­bi­ger soll­ten also zukünf­tig bes­ser direkt kla­gen.

Nach ganz über­wie­gen­der Ansicht in Recht­spre­chung und Schrift­tum ist im Mahn­ver­fah­ren regel­mä­ßig die Bei­ord­nung eines Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten nicht erfor­der­lich 1. Zur Begrün­dung wird aus­ge­führt, an der Erfor­der­lich­keit feh­le es, weil im Hin­blick auf den nach § 703c Abs. 2 ZPO maß­ge­ben­den stren­gen Form­blatt­zwang die Antrags­stel­lung regel­mä­ßig kei­ne Schwie­rig­kei­ten auf­wei­se 2.

Die­se Auf­fas­sung ist, so der Bun­des­ge­richts­hof, zutref­fend.

Nach § 121 Abs. 2 1. Fall ZPO ist im Ver­fah­ren ohne Anwalts­zwang ein Rechts­an­walt bei­zu­ord­nen, wenn die Par­tei dies bean­tragt und die Ver­tre­tung durch einen Rechts­an­walt erfor­der­lich erscheint, d.h. wenn Umfang, Schwie­rig­keit und Bedeu­tung der Sache Anlass zu der Befürch­tung geben, der Hilfs­be­dürf­ti­ge wer­de nach sei­nen per­sön­li­chen Fähig­kei­ten nicht in der Lage sein, sei­ne Rech­te sach­ge­mäß wahr­zu­neh­men und die not­wen­di­gen Maß­nah­men in münd­li­cher oder schrift­li­cher Form zu ver­an­las­sen. Die Not­wen­dig­keit der Bei­ord­nung des Rechts­an­walts hängt danach einer­seits von den per­sön­li­chen Fähig­kei­ten und Kennt­nis­sen gera­de des Antrag­stel­lers und ande­rer­seits von der Schwie­rig­keit der im kon­kre­ten Fall zu bewäl­ti­gen­den Rechts­ma­te­rie ab 3.

Für das Mahn­ver­fah­ren ist die Not­wen­dig­keit der Bei­ord­nung eines Rechts­an­walts regel­mä­ßig zu ver­nei­nen. Der Antrag auf Erlass eines Mahn­be­scheids erfor­dert im Hin­blick auf die For­ma­li­sie­rung des Antrags­ver­fah­rens kei­ne beson­de­ren Rechts­kennt­nis­se oder geschäft­li­chen Erfah­run­gen 4. Auch eine unge­wand­te Par­tei wird des­halb regel­mä­ßig in der Lage sein, sich die­ses Ver­fah­ren ohne anwalt­li­che Bera­tung nutz­bar zu machen 5.

Beson­de­re Umstän­de, etwa wenn die Par­tei in per­sön­li­chen oder geschäft­li­chen Ange­le­gen­hei­ten völ­lig unge­wandt ist 6, die eine ander­wei­te Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen könn­ten, hat die Rechts­be­schwer­de nicht auf­ge­zeigt. Ange­sichts der Tätig­keit des Antrags­stel­lers als Rechts­an­walt und Insol­venz­ver­wal­ter ist hier­für ohne­hin kein Raum.

Der Umstand, dass sich der Anspruchs­geg­ner durch einen Rechts­an­walt ver­tre­ten lässt, ist gleich­falls nicht geeig­net, die Bei­ord­nung eines Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten zu begrün­den.

Aller­dings ist nach § 121 Abs. 2 2. Fall ZPO ein Anwalt bei­zu­ord­nen, wenn der Geg­ner durch einen Rechts­an­walt ver­tre­ten wird. Die­se Bestim­mung, die Aus­druck des auf Art. 3 Abs. 1 GG gestütz­ten Grund­sat­zes der Waf­fen­gleich­heit ist 7, bezieht sich jedoch nicht auf das Mahn­ver­fah­ren, das ledig­lich eine for­ma­le Geg­ner­schaft auf­weist 8. Die Ent­schei­dung, ob für den Fall des Wider­spruchs die Durch­füh­rung des strei­ti­gen Ver­fah­rens bean­tragt wird (§ 696 Abs. 1 ZPO), kann jeder Antrag­stel­ler selbst tref­fen. Sie ist auch nicht vom Ver­hal­ten des Antrags­geg­ners abhän­gig. Der Wider­spruch bedarf kei­ner Begrün­dung, eine Erwi­de­rung des Antrag­stel­lers im Mahn­ver­fah­ren ist nicht vor­ge­se­hen. Zudem kann der Antrag auf Durch­füh­rung des strei­ti­gen Ver­fah­rens sei­tens des Antrag­stel­lers bereits im Mahn­be­scheids­an­trag gestellt wer­den, was in der Regel auch geschieht 9. Die kon­tra­dik­to­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung der Antrags­par­tei­en wird nicht im Mahn­ver­fah­ren, son­dern im nach­fol­gen­den Streit­ver­fah­ren aus­ge­tra­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Febru­ar 2010 – IX ZB 175/​07

  1. OLG Mün­chen MDR 1999, 301; LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 16.01.2008 – 7 Ta 251/​07; LG Stutt­gart Rpfle­ger 1994, 170; Zöller/​Geimer, ZPO 28. Aufl. § 121 Rn. 5; Völker/​Zempel in Prütting/​Gehrlein, ZPO § 121 Rn. 7; Hk-ZPO/Pu­kall, 3. Aufl. § 121 Rn. 8; Musiel­ak/­Fi­scher-ZPO, 7. Aufl. § 121 Rn. 12; Münch­Komm-ZPO/­Mot­zer, 3. Aufl. § 121 Rn. 13; Wie­l­goß NJW 1991, 2070, 2071; a.A. LG Bonn, Beschluss vom 22.09.2005 – 6 T 288/​05[]
  2. Wie­l­goß aaO[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 18.07.2003 – IXa ZB 124/​03, NJW 2003, 3136; und vom 10.12.2009 – VII ZB 31/​09, Rn. 9[]
  4. vgl. OLG Nürn­berg MDR 1997, 1068[]
  5. OLG Mün­chen aaO[]
  6. vgl. Wie­l­goß aaO[]
  7. BVerfG NJW 1988, 2597[]
  8. LG Stutt­gart, aaO[]
  9. Zöller/​Vollkommer, aaO § 696 Rn. 1[]