18 € Voll­stre­ckungs­kos­ten – und die (Rechts-)Beschwerde

Gemäß § 567 Abs. 2 ZPO ist die Beschwer­de gegen Ent­schei­dun­gen über Kos­ten nur zuläs­sig, wenn der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands 200 € übersteigt.

18 € Voll­stre­ckungs­kos­ten – und die (Rechts-)Beschwerde

Die Unter­schrei­tung die­ses Min­dest­be­schwer­de­werts führt auch zur Unzu­läs­sig­keit der Rechtsbeschwerde.

Die Rechts­be­schwer­de ist in einem sol­chen Fall unge­ach­tet ihrer Zulas­sung durch das Beschwer­de­ge­richt nicht zuläs­sig, weil bereits die zuvor ein­ge­leg­te sofor­ti­ge Beschwer­de nicht statt­haft war, weil der erfor­der­li­che Beschwer­de­wert nicht erreicht ist.

Die Wei­ge­rung des Gerichts­voll­zie­hers, Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung nach § 788 Abs. 1 ZPO mit­zu­voll­stre­cken, stellt eine Ent­schei­dung über Kos­ten im Sin­ne des § 567 Abs. 2 ZPO dar. Ent­schei­dun­gen über Kos­ten im Sin­ne des § 567 Abs. 2 ZPO sind nicht nur Kos­ten­grund­ent­schei­dun­gen und Ent­schei­dun­gen im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren (vgl. § 104 Abs. 3, § 107 Abs. 3 ZPO), son­dern auch Ent­schei­dun­gen im Zusam­men­hang mit der Bei­trei­bung von Kos­ten im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren gemäß § 788 Abs. 1 ZPO1.

Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat die Zuläs­sig­keit der sofor­ti­gen Beschwer­de, über die das Beschwer­de­ge­richt ent­schie­den hat, von Amts wegen zu prü­fen. Ein gül­ti­ges und rechts­wirk­sa­mes Ver­fah­ren vor dem Rechts­be­schwer­de­ge­richt ist nur mög­lich, solan­ge das Ver­fah­ren noch nicht rechts­kräf­tig been­det ist, weil die Anfecht­bar­keit der getrof­fe­nen Ent­schei­dung vom Gesetz aus­ge­schlos­sen ist2.

Der Beschwer­de­wert beläuft sich im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall auf Rechts­an­walts­kos­ten in Höhe von 18 € und erreicht daher den nach § 567 Abs. 2 ZPO erfor­der­li­chen Min­dest­be­schwer­de­wert nicht. Die­se Kos­ten bestehen in einer 0, 3‑Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3309 VV RVG nach einem Gegen­stands­wert von 237, 95 €, die sich bei Zugrun­de­le­gung der Gebüh­ren­ta­bel­le gemäß Anla­ge 2 zu § 13 Abs. 1 RVG auf 13, 50 € belie­fe. Nach § 13 Abs. 2 RVG beträgt die Min­dest­ge­bühr aller­dings 15 €. Hin­zu­zu­set­zen ist die Pau­scha­le für Ent­gel­te für Post- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen gemäß Nr. 7002 VV RVG in Höhe von 20% des Gebüh­ren­be­trags, die sich im Streit­fall auf 3 € beläuft.

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Die Unter­schrei­tung des Min­dest­be­schwer­de­werts gemäß § 567 Abs. 2 ZPO führt auch zur Unzu­läs­sig­keit der Rechtsbeschwerde.

Es besteht inso­weit kei­ne Bin­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts an die Zulas­sung gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO. Eine Ent­schei­dung, die vom Gesetz der Anfech­tung ent­zo­gen ist, bleibt auch bei irri­ger Rechts­mit­tel­zu­las­sung unan­fecht­bar. Die Bin­dungs­wir­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung umfasst bei der Rechts­be­schwer­de eben­so wie bei der Revi­si­on nur die Beja­hung der in den § 574 Abs. 3 Satz 1 und § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO genann­ten Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen. Die Zulas­sung des Rechts­mit­tels führt dage­gen nicht dazu, dass ein gesetz­lich nicht vor­ge­se­he­ner Instan­zen­zug eröff­net wird. Die gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO erfolg­te Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beru­fungs­ge­richt ist daher für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt nicht bin­dend, wenn die Rechts­be­schwer­de gegen die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung bereits nicht statt­haft ist. Eine nach dem Gesetz unan­fecht­ba­re Ent­schei­dung kann nicht durch Zulas­sung einer Anfech­tung unter­wor­fen wer­den. Dies gilt zumal dann, wenn schon das Rechts­mit­tel zum Beschwer­de­ge­richt nicht zuläs­sig gewe­sen ist3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. März 2020 – I ZB 50/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 09.08.2012 – VII ZB 86/​10, NJW 2012, 3308 Rn. 11 mwN; Zöller/​Heßler, ZPO, 33. Aufl., § 567 Rn. 44; Ball in Musielak/​Voit, ZPO, 16. Aufl., § 567 Rn.20[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2003 – IX ZB 369/​02 , NJW 2004, 1112, 1113 4]; Beschluss vom 09.06.2010 – XII ZB 75/​10, NJW-RR 2011, 142 Rn. 5; Beschluss vom 22.06.2010 – VI ZB 10/​10, NJW-RR 2011, 143 Rn. 4 f.; Beschluss vom 26.03.2015 – III ZB 80/​13, NJW-RR 2015, 1405 Rn. 11; Beschluss vom 27.10.2016 – III ZB 17/​16, NJW-RR 2017, 253 Rn. 2; Beschluss vom 20.02.2020 – I ZB 45/​19 Rn. 7, jeweils mwN; vgl. auch – zur Zuläs­sig­keit der Revi­si­on – BGH, Urteil vom 12.01.2017 – I ZR 198/​15, NJW 2017, 2337 Rn. 11; Urteil vom 19.03.2019 – XI ZR 95/​17, NJW 2019, 2162 Rn. 14, jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 01.10.2002 – IX ZB 271/​02, NJW 2003, 70; Beschluss vom 21.04.2004 – XII ZB 279/​03, BGHZ 159, 14, 15; Beschluss vom 11.09.2008 – I ZB 36/​07, NJW-RR 2009, 424 Rn. 13; Beschluss vom 09.02.2010 – VI ZB 59/​09, VersR 2010, 1241 Rn. 3; BGH, NJW-RR 2011, 142 Rn. 5; NJW-RR 2011, 143 Rn. 5; BGH, Beschluss vom 01.12.2010 – XII ZB 227/​10, NJW-RR 2011, 577 Rn. 6; Beschluss vom 29.11.2016 – VI ZB 23/​16, VersR 2017, 908 Rn. 6[]