Kos­ten­ver­tei­lung in der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Jeder Woh­nungs­ei­gen­tü­mer kann gemäß § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG von der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft eine vom Gesetz abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung oder die Anpas­sung einer Ver­ein­ba­rung ver­lan­gen, soweit ein Fest­hal­ten an der gel­ten­den Rege­lung aus schwer­wie­gen­den Grün­den unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der Rech­te und Inter­es­sen der ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, unbil­lig erscheint.

Kos­ten­ver­tei­lung in der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Für die­sen Ände­rungs­an­spruch nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG ist die Kos­ten­mehr­be­las­tung des Woh­nungs­ei­gen­tü­mers maß­ge­bend, der eine Ände­rung des Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sels ver­langt.

An einer durch ergän­zen­de Aus­le­gung der Gemein­schafts­ord­nung zu schlie­ßen­den Rege­lungs­lü­cke zur Anpas­sung des Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sels an ver­än­der­te Ver­hält­nis­se fehlt es in der Regel, weil – abwei­chend zur frü­he­ren Rechts­la­ge [1] – der gesetz­li­che Anspruch jedes Woh­nungs­ei­gen­tü­mers auf Ände­rung des ver­ein­bar­ten Kos­ten­schlüs­sels nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG eine ange­mes­se­ne und inter­es­sen­ge­rech­te Rege­lung für die­se Fäl­le bereit­stellt.

Nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG kann jeder Woh­nungs­ei­gen­tü­mer die Anpas­sung der Ver­ein­ba­rung ver­lan­gen, wenn ein Fest­hal­ten an der gel­ten­den Rege­lung aus schwer­wie­gen­den Grün­den unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der Rech­te und Inter­es­sen der ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, unbil­lig erscheint.
Der Gesetz­ge­ber hat mit der Nor­mie­rung des bis­her aus § 242 BGB abge­lei­te­ten Anspruchs eines Woh­nungs­ei­gen­tü­mers auf Anpas­sung einer Ver­ein­ba­rung [2] auch den Schwel­len­wert her­ab­ge­setzt, bei des­sen Über­schrei­ten ein sol­cher Anspruch begrün­det ist [3]. Nach der Begrün­dung des Geset­zes­ent­wurfs soll bei den Kos­ten eine Ori­en­tie­rung an einer Ent­schei­dung des Kam­mer­ge­richts [4] nahe lie­gen [5], das einen Ände­rungs­an­spruch für gege­ben hält, wenn die Wohn­flä­che oder Nutz­flä­che von dem für die Kos­ten­ver­tei­lung maß­geb­li­chen Mit­ei­gen­tums­an­teil um mehr als 25 vom Hun­dert abweicht [6].

Für den Ände­rungs­an­spruch nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG ist allein die Kos­ten­mehr­be­las­tung des­je­ni­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mers maß­ge­bend, der die Ände­rung des Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sels ver­langt [7]. Der Zweck des Anspruchs aus § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG ist nicht die Ver­mei­dung der durch den bis­he­ri­gen Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sel bei einem ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ent­ste­hen­den Vor­tei­le, son­dern die Besei­ti­gung unbil­li­ger Här­ten bei dem die Ände­rung ver­lan­gen­den Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, die die­sem bei einem Fest­hal­ten an dem bis­he­ri­gen Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sel ent­stün­den [8]. Nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG sind näm­lich auch die Rech­te und die Inter­es­sen der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer zu berück­sich­ti­gen, wel­che die bis­he­ri­ge Rege­lung bei­be­hal­ten wol­len. Das Ände­rungs­ver­lan­gen muss auch unter die­sem Gesichts­punkt gerecht­fer­tigt sein. Schwer­wie­gen­de Grün­de, auf­grund derer das von ande­ren Mit­ei­gen­tü­mern gewoll­te Fest­hal­ten an der bis­he­ri­gen Rege­lung unbil­lig erscheint, lie­gen auf Sei­ten des die Ände­rung ver­lan­gen­den Woh­nungs­ei­gen­tü­mers aber nur dann vor, wenn die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Kos­ten­ver­tei­lung für ihn zu einer – einen gewis­sen Schwel­len­wert über­schrei­ten­den – Kos­ten­mehr­be­las­tung führ­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Juni 2010 – V ZR 174/​09

  1. zu die­ser BGHZ 160, 354 ff.[]
  2. Art. 1 Nr. 4 Buch­sta­be b des Geset­zes zur Ände­rung des Woh-nungs­ei­gen­tums­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 26.03.2007, BGBl. I, S. 370[]
  3. BT-Drs. 16/​887, S. 18, 19[]
  4. KG, NZM 2004, 549 ff.[]
  5. BT-Drs. 16/​887, aaO[]
  6. KG, aaO, 550; eben­so jetzt OLG Köln FGPrax 2008, 57[]
  7. vgl. OLG Mün­chen NZM 2008, 407, 408; Wen­zel in Bär­mann, WEG, 10. Aufl., § 10 Rdn. 158; Küm­mel in Niedenführ/​Kümmel/​Vandenhouten, WEG, 9. Aufl., § 10 Rdn. 41; Riecke/​Schmid/​Elzer, Fach­an­walts­kom­men­tar – Woh­nungs­ei­gen­tums­recht, 3. Aufl., WEG, § 10 Rdn. 194[]
  8. vgl. M. Schmid, ZMR 2010, 259[]