Münd­li­che Anwei­sung zur Fris­ten­kon­trol­le

Kann eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gewährt wer­den bei einer nicht befolg­ten münd­li­chen Anwei­sung des Rechts­an­walts an sei­ne Büro­an­ge­stell­te, eine Rechts­mit­tel­frist zu notie­ren? Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint dies:

Münd­li­che Anwei­sung zur Fris­ten­kon­trol­le

Der Bun­des­ge­richts­hof geht davon aus, dass ein der Antrags­geg­ne­rin zuzu­rech­nen­des Ver­schul­den ihres Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten nicht aus­ge­räumt ist, weil kei­ne hin­rei­chen­den Sicher­heits­vor­keh­run­gen zur Notie­rung der Rechts­be­schwer­de­frist (und Wie­der­ein­set­zungs­frist) getrof­fen wor­den sind.

Zwar darf ein Rechts­an­walt grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass sei­ne Büro­an­ge­stell­te, die sich bis­her als zuver­läs­sig erwie­sen hat, eine kon­kre­te schrift­li­che Ein­zel­wei­sung befolgt. Des­halb ist er im All­ge­mei­nen nicht ver­pflich­tet, sich anschlie­ßend über die Aus­füh­rung sei­ner Wei­sung zu ver­ge­wis­sern 1. Erteilt der Rechts­an­walt dage­gen ledig­lich eine münd­li­che Anwei­sung, eine Rechts­mit­tel­frist ein­zu­tra­gen, müs­sen aus­rei­chen­de Sicher­heits­vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen wer­den, dass die­se nicht in Ver­ges­sen­heit gerät und die Ein­tra­gung der Frist unter­bleibt 2.

Wenn der Rechts­an­walt kei­ne schrift­li­che Wei­sung erteil­te, hät­te er dem­nach sei­ne Ange­stell­te zumin­dest anwei­sen müs­sen, die Frist sofort zu notie­ren, damit sie nicht wie­der in Ver­ges­sen­heit gera­ten konn­te. Eine dem­entspre­chen­de Wei­sung hat die Antrags­geg­ne­rin aber in ihrem Wie­der­ein­set­zungs­an­trag nicht dar­ge­legt.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 4. Novem­ber 2003 3 steht schließ­lich nicht ent­ge­gen. In die­ser Ent­schei­dung ist zwar eine Wie­der­vor­la­ge­an­wei­sung als mög­li­che Sicher­heits­vor­keh­rung ange­spro­chen, zugleich aber dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dazu selbst­ver­ständ­lich auch deren Ver­merk gehö­re. Ent­spre­chen­des ist hier nicht glaub­haft gemacht wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2012 – XII ZB 277/​11

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.04.2010 – XII ZB 64/​09, Fam­RZ 2010, 1067 und vom 09.12.2009 – XII ZB 154/​09MDR 2010, 400 jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.03.2009 – XII ZB 150/​08, Fam­RZ 2009, 1132 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 04.11.2003 – VI ZB 50/​03, NJW 2004, 688, 689[]