Das Fra­ge­recht des Gläu­bi­gers bei Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung

Dem Gläu­bi­ger steht bei der Abnah­me der Eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ein Fra­ge­recht zu, aus dem sich auch das Recht des Gläu­bi­gers ablei­tet, Fra­gen – ins­be­son­de­re auch sol­che, die über das amt­li­che For­mu­lar hin­aus­ge­hen – schrift­lich ein­zu­rei­chen, damit der Schuld­ner die­se zur Ver­voll­stän­di­gung des Ver­mö­gens­bil­des beant­wor­tet 1.

Das Fra­ge­recht des Gläu­bi­gers bei Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung

Die­ses Fra­ge­recht unter­liegt engen Gren­zen, die sich aus dem Zweck der Offen­ba­rungs­pflicht erge­ben und ent­hält kein umfas­sen­des Aus­for­schungs­recht. Erfor­der­lich ist, dass die Fra­gen in Zusam­men­hang mit dem kon­kre­ten Ein­zel­fall ste­hen. Das ist ins­be­son­de­re anzu­neh­men, wenn der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass es kon­kre­te Anhalts­punk­te für wei­te­re Ver­mö­gens­wer­te des Schuld­ners gibt 2.

Es ent­spricht herr­schen­der Recht­spre­chung, dass ein Gläu­bi­ger dann vom Schuld­ner die Nach­bes­se­rung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses zur aus­ge­üb­ten Tätig­keit nach Art und Umfang der Tätig­keit und Arbeits­zeit bei einem Dritt­schuld­ner ver­lan­gen kann, wenn es nach den Gesamt­um­stän­den jeden­falls nicht völ­lig fern liegt, dass im Ver­hält­nis zwi­schen dem Schuld­ner und sei­nem Arbeit­ge­ber ein Teil des Ein­kom­mens des Schuld­ners im Sin­ne von § 850 h ZPO ver­schlei­ert wer­den könn­te 3 Die­ser nicht völ­lig fern­lie­gen­de Ver­dacht ergibt sich hier dar­aus, dass der Schuld­ner bei einer von sei­ner Ehe­frau geführ­ten Fir­ma beschäf­tigt ist und dort ein unge­wöhn­lich nied­ri­ges Ein­kom­men erzielt. Bereits der Umstand, dass der Schuld­ner im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ein unge­wöhn­lich gerin­ges Arbeits­ent­gelt angibt, begrün­det nach der Recht­spre­chung näm­lich eine Anfangs­wahr­schein­lich­keit, dass hier ein ver­schlei­er­tes Arbeits­ein­kom­men vor­lie­gen könn­te 4. Dies gilt umso mehr, wenn wie hier ein per­sön­li­ches Nähe­ver­hält­nis zu dem Arbeit­ge­ber bzw. des­sen Geschäfts­füh­re­rin besteht.

Dass die Gläu­bi­ge­rin aus einem Zivil­rechts­streit bereits Infor­ma­tio­nen über die Tätig­keit des Schuld­ners erhal­ten hat, ändert hier­an nichts. Der Gläu­bi­ger hat einen Anspruch dar­auf, dass die erfor­der­li­chen Anga­ben zu Pro­to­koll der Gerichts­voll­zie­he­rin erklärt wer­den und der Schuld­ner die Rich­tig­keit der Anga­ben an Eides statt ver­si­chert. Eine ander­wei­ti­ge Erlan­gung die­ser Infor­ma­tio­nen steht dem nicht gleich 5.

Land­ge­richt Walds­hut-Tien­gen Beschluß vom 11. Jun­li 2012 – 1 T 62/​12

  1. vgl. LG Essen, Beschluss vom 29.08.2008 – 16a T 69/​08 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2012 – I ZB 2/​11; LG Müns­ter, Beschluss vom 25.08.2009 – 5 T 376/​09; AG Lahr, Beschluss vom 10.06.2011 – M 1636/​10;[]
  3. vgl. AG Nür­tin­gen, Beschluss vom 05.12.2008 – 1 M 2460/​08; LG Ingol­stadt, Beschluss vom 13.03.2010 – 13 T 1908/​09; LG Des­sau-Roß­lau, Beschluss vom 11.07.2008 – 5 T 48/​08 m.w.N.[]
  4. LG Ingol­stadt, a.a.O.[]
  5. vgl. LG Ingol­stadt, a.a.O.[]