„8 % über dem Basiszinssatz“

Der in einem Urteil enthaltene Zinsausspruch „8 % Zinsen über dem Basiszinssatz“ ist vom Gerichtsvollzieher regelmäßig dahingehend auszulegen, dass Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz tituliert sind.

„8 % über dem Basiszinssatz“

Ein Vollstreckungstitel muss den im Wege der Zwangsvollstreckung durchzusetzenden Anspruch des Gläubigers ausweisen und Inhalt und Umfang der Leistungspflicht bezeichnen1. Bei einem Zahlungstitel muss der zu vollstreckende Zahlungsanspruch betragsmäßig festgelegt sein oder sich zumindest ohne Weiteres aus dem Titel errechnen lassen2. Ist der Inhalt des Titels zweifelhaft, hat das Vollstreckungsorgan diesen Inhalt gegebenenfalls durch Auslegung festzustellen3.

Entsprechend diesen Grundsätzen obliegt es dem Gerichtsvollzieher, den Titel hinsichtlich des Zinsausspruchs auszulegen.

Die Formulierung „8 % Zinsen über dem Basiszinssatz“ ist mehrdeutig. In Betracht kommt das Verständnis, dass (lediglich) Zinsen in Höhe von 108 % des – gemäß § 247 BGB variablen – Basiszinssatzes ausgeurteilt wurden4. Die Formulierung kann aber auch so zu verstehen sein, dass – entsprechend der Zinsregelung in § 288 Abs. 2 BGB, die an den Basiszinssatz gemäß § 247 BGB als variable Bezugsgröße anknüpft – Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ausgeurteilt wurden. Die Auslegung des Titels ergibt, dass Letzteres zutrifft.

Die Formulierung „5 % Zinsen über dem Basiszinssatz“ wird in der prozessualen Praxis unbeschadet sprachlicher Ungenauigkeit ganz überwiegend gleichbedeutend mit der sich an der Zinsregelung in § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB orientierenden Formulierung „Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz“ verwandt und verstanden5. Für die Formulierung „8 % Zinsen über dem Basiszinssatz“ gilt im Hinblick auf die Zinsregelung in § 288 Abs. 2 BGB Entsprechendes.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 7. Februar 2013 – VII ZB 2/12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.11.1985 IVb ZR 73/84, NJW 1986, 1440[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 177/04, NJW 2008, 153 Rn. 22; Urteil vom 07.12.2005 – XII ZR 94/03, BGHZ 165, 223, 228 m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 177/04, NJW 2008, 153 Rn. 22; Urteil vom 07.12.2005 – XII ZR 94/03, BGHZ 165, 223, 228; Urteil vom 06.11.1985 – IVb ZR 73/84, NJW 1986, 1440; Stein/Jonas/Münzberg, ZPO, 22. Aufl., vor § 704 Rn. 26[]
  4. vgl. Hartmann, NJW 2004, 1358, 1359 Fn.19; zur Gesetzesgeschichte variabler Zinssätze vgl. Coen, NJW 2012, 3329, 3331 f.[]
  5. vgl. OLG Hamm, NJW 2005, 2238, 2239; Weidlich, DNotZ 2004, 820, 823; Führ, JuS 2005, 1095, 1096; a.M. LAG Nürnberg, NZARR 2005, 492; offengelassen von BAG, NZA 2004, 852, 858[]

Bildnachweis:

  • nasal-shield-187327_1920: Pixabay