"8 % über dem Basis­zins­satz"

Der in einem Urteil ent­hal­te­ne Zins­aus­spruch "8 % Zin­sen über dem Basis­zins­satz" ist vom Gerichts­voll­zie­her regel­mä­ßig dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass Zin­sen in Höhe von acht Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz titu­liert sind.

<span class="8 % über dem Basis­zins­satz"" title=""8 % über dem Basiszinssatz" " srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/nasal-shield-187327_1920-1.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/nasal-shield-187327_1920-1-300x225.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/nasal-shield-187327_1920-1-768x576.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/nasal-shield-187327_1920-1-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Ein Voll­stre­ckungs­ti­tel muss den im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung durch­zu­set­zen­den Anspruch des Gläu­bi­gers aus­wei­sen und Inhalt und Umfang der Leis­tungs­pflicht bezeich­nen 1. Bei einem Zah­lungs­ti­tel muss der zu voll­stre­cken­de Zah­lungs­an­spruch betrags­mä­ßig fest­ge­legt sein oder sich zumin­dest ohne Wei­te­res aus dem Titel errech­nen las­sen 2. Ist der Inhalt des Titels zwei­fel­haft, hat das Voll­stre­ckungs­or­gan die­sen Inhalt gege­be­nen­falls durch Aus­le­gung fest­zu­stel­len 3.

Ent­spre­chend die­sen Grund­sät­zen obliegt es dem Gerichts­voll­zie­her, den Titel hin­sicht­lich des Zins­aus­spruchs aus­zu­le­gen.

Die For­mu­lie­rung "8 % Zin­sen über dem Basis­zins­satz" ist mehr­deu­tig. In Betracht kommt das Ver­ständ­nis, dass (ledig­lich) Zin­sen in Höhe von 108 % des – gemäß § 247 BGB varia­blen – Basis­zins­sat­zes aus­ge­ur­teilt wur­den 4. Die For­mu­lie­rung kann aber auch so zu ver­ste­hen sein, dass – ent­spre­chend der Zins­re­ge­lung in § 288 Abs. 2 BGB, die an den Basis­zins­satz gemäß § 247 BGB als varia­ble Bezugs­grö­ße anknüpft – Zin­sen in Höhe von acht Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz aus­ge­ur­teilt wur­den. Die Aus­le­gung des Titels ergibt, dass Letz­te­res zutrifft.

Die For­mu­lie­rung "5 % Zin­sen über dem Basis­zins­satz" wird in der pro­zes­sua­len Pra­xis unbe­scha­det sprach­li­cher Unge­nau­ig­keit ganz über­wie­gend gleich­be­deu­tend mit der sich an der Zins­re­ge­lung in § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB ori­en­tie­ren­den For­mu­lie­rung "Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz" ver­wandt und ver­stan­den 5. Für die For­mu­lie­rung "8 % Zin­sen über dem Basis­zins­satz" gilt im Hin­blick auf die Zins­re­ge­lung in § 288 Abs. 2 BGB Ent­spre­chen­des.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2013 – VII ZB 2/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.11.1985 IVb ZR 73/​84, NJW 1986, 1440[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 177/​04, NJW 2008, 153 Rn. 22; Urteil vom 07.12.2005 – XII ZR 94/​03, BGHZ 165, 223, 228 m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 177/​04, NJW 2008, 153 Rn. 22; Urteil vom 07.12.2005 – XII ZR 94/​03, BGHZ 165, 223, 228; Urteil vom 06.11.1985 – IVb ZR 73/​84, NJW 1986, 1440; Stein/​Jonas/​Münzberg, ZPO, 22. Aufl., vor § 704 Rn. 26[]
  4. vgl. Hart­mann, NJW 2004, 1358, 1359 Fn.19; zur Geset­zes­ge­schich­te varia­bler Zins­sät­ze vgl. Coen, NJW 2012, 3329, 3331 f.[]
  5. vgl. OLG Hamm, NJW 2005, 2238, 2239; Weid­lich, DNotZ 2004, 820, 823; Führ, JuS 2005, 1095, 1096; a.M. LAG Nürn­berg, NZARR 2005, 492; offen­ge­las­sen von BAG, NZA 2004, 852, 858[]