Rest­schuld­be­frei­ung trotz unvoll­stän­di­ger Schuld­ner­aus­kunft

Die Ertei­lung einer unvoll­stän­di­gen Aus­kunft durch den Schuld­ner in sei­nem Insol­venz­ver­fah­ren kann – mit der Fol­ge einer Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung – als grob fahr­läs­sig zu bewer­ten sein, wenn bei all­ge­mei­ner Fra­ge­stel­lung wesent­li­che Ver­mö­gens­ver­än­de­run­gen mit­zu­tei­len sind oder wenn das Aus­kunfts­ver­lan­gen durch eine geziel­te Fra­ge­stel­lung in einer Wei­se kon­kre­ti­siert ist, die bei dem Schuld­ner kei­ne Unklar­heit über die von ihm zu machen­den Anga­ben auf­kom­men las­sen kann.

Rest­schuld­be­frei­ung trotz unvoll­stän­di­ger Schuld­ner­aus­kunft

Die Recht­spre­chung ver­steht unter gro­ber Fahr­läs­sig­keit ein Han­deln, bei dem die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt in unge­wöhn­lich hohem Maße ver­letzt wur­de, wenn ganz nahe lie­gen­de Über­le­gun­gen nicht ange­stellt oder bei­sei­te gescho­ben wur­den und das­je­ni­ge unbe­ach­tet geblie­ben ist, was im gege­be­nen Fall sich jedem auf­ge­drängt hät­te. Bei der gro­ben Fahr­läs­sig­keit han­delt es sich um eine auch sub­jek­tiv schlecht­hin unent­schuld­ba­re Pflicht­ver­let­zung 1.

Dabei kann schon im Ansatz der im Schrift­tum 2 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung nicht gefolgt wer­den, dass eine Ver­let­zung der Aus­kunfts­pflicht im Zwei­fel min­des­tens als grob fahr­läs­sig zu gewich­ten ist. Eine sol­che Beur­tei­lung kann aller­dings durch­grei­fen, wenn bei all­ge­mei­ner Fra­ge­stel­lung wesent­li­che Ver­mö­gens­ver­än­de­run­gen mit­zu­tei­len sind oder wenn das Aus­kunfts­ver­lan­gen durch eine geziel­te Fra­ge­stel­lung in einer Wei­se kon­kre­ti­siert ist, die bei dem Schuld­ner kei­ne Unklar­heit über die von ihm zu ertei­len­den Anga­ben auf­kom­men las­sen kann 3.

Soweit der Schuld­ner annimmt, das Aus­kunfts­be­geh­ren zutref­fend erfasst zu haben, ist er, wie der BGH für den Fall eines mehr­deu­ti­gen gericht­li­chen Merk­blatts ent­schie­den hat 4, nicht gehal­ten, sich bei dem Insol­venz­ver­wal­ter über den genaue­ren Inhalt des Aus­kunfts­ver­lan­gens zu erkun­di­gen.

Beruht beruht die unvoll­stän­di­ge Aus­kunft des Schuld­ners mög­li­cher­wei­se auch auf einer unprä­zi­sen Anfra­ge des Ver­wal­ters, führt dies dazu, dass der Pflicht­ver­stoß der Schuld­ners in einem mil­de­ren Licht erscheint 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. März 2009 – IX ZB 212/​08

  1. BGH, Beschlüs­se vom 9. Febru­ar 2006 – IX ZB 218/​04, WM 2006, 1438 Rn. 10; vom 27. Sep­tem­ber 2007 – IX ZB 243/​06, NZI 2007, 733, 734[]
  2. Wen­zel in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO § 290 Rn. 20a; Hmb­Komm-InsO/S­treck, 2. Aufl. § 290 Rn. 36[]
  3. AG Ham­burg ZIn­sO 2001, 330, 332; Münch­Komm-InsO/S­te­phan, 2. Aufl. § 290 Rn. 76; Römer­mann in Nerlich/​Römermann, InsO § 290 Rn. 98[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 9. Febru­ar 2006, aaO[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 20. März 2003 – IX ZB 388/​02, ZVI 2003, 170, 171 f; vom 23. Juli 2004 – IX ZB 174/​03, WM 2004, 1840, 1841 f; vom 17. März 2005 – IX ZB 260/​03, NZI 2005, 461; vom 7. Dezem­ber 2006 – IX ZB 11/​06, ZIn­sO 2007, 96, 97 Rn. 8[]