Abbre­chen­de Äste im Sturm

Für Schä­den durch von Gemein­de­bäu­men fal­len­de Äste, die allein wegen eines Gewit­ter­sturms abbre­chen, muss die Kom­mu­ne nicht ein­ste­hen. Nur wenn sie das Abbre­chen durch regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len hät­te ver­hin­dern kön­nen, haf­tet sie. Das ent­schied das Land­ge­richt Coburg in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil und wies die Kla­ge einer Pkw-Eigen­tü­me­rin auf Scha­dens­er­satz von knapp 5.400 € ab. Der frag­li­che Baum sei nicht vor­ge­schä­digt gewe­sen, so dass auch bei noch so häu­fi­gen und genau­en Kon­trol­len eine Gefahr nicht hät­te erkannt wer­den kön­nen.

Abbre­chen­de Äste im Sturm

In einer Juli­nacht 2005 feg­te ein Gewit­ter­sturm über das Cobur­ger Land hin­weg. Am nächs­ten Mor­gen gab es für die Klä­ge­rin ein böses Erwa­chen: Auf ihr ord­nungs­ge­mäß gepark­tes Auto war der Ast einer auf städ­ti­schem Grund ste­hen­den Kas­ta­nie gestürzt. Scha­den: Knapp 5.400 €. Den woll­te die Klä­ge­rin von der Stadt ersetzt haben, weil Baum und Kom­mu­ne zu faul gewe­sen sei­en. Die Stadt habe näm­lich die erfor­der­li­chen Kon­trol­len unter­las­sen.

Das Land­ge­richt Coburg konn­te aber eine Ver­ant­wort­lich­keit der Beklag­ten nicht erken­nen. Zwar müs­se eine Gemein­de grund­sätz­lich Bäu­me oder Tei­le von ihnen ent­fer­nen, wenn sie nicht mehr stand­si­cher sind oder her­ab­zu­fal­len dro­hen. Aller­dings fol­ge dar­aus nicht, dass sämt­li­che Bäu­me in der Nähe von Stra­ßen besei­tigt wer­den müss­ten. Denn der Ver­kehr habe gewis­se Gefah­ren, die nicht durch mensch­li­ches Han­deln ent­ste­hen, son­dern auf Gege­ben­hei­ten und Gewal­ten der Natur beru­hen, als unver­meid­bar hin­zu­neh­men. Und nach Beweis­auf­nah­me war das Gericht davon über­zeugt, dass der Baum kern­ge­sund war. Als Ursa­che für das Abbre­chen des Astes kom­me allein der unge­wöhn­lich star­ke Gewit­ter­sturm in Betracht, durch den außer­dem im Stadt­ge­biet nicht nur Weich­höl­zer wie die Kas­ta­nie, son­dern auch Hart­höl­zer umfäng­lich geschä­digt wor­den sei­en.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 21. Febru­ar 2007 – 11 O 348/​06 (rechts­kräf­tig)