Abmah­nung ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens

Für eine Abmah­nung nach § 314 BGB genügt die blo­ße Rüge ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens nicht; dar­über hin­aus muss aus der Erklä­rung des Gläu­bi­gers für den Schuld­ner deut­lich wer­den, dass die wei­te­re ver­trag­li­che Zusam­men­ar­beit auf dem Spiel steht und er für den Fall wei­te­rer Ver­stö­ße mit recht­li­chen Kon­se­quen­zen rech­nen muss.

Abmah­nung ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens

Nach § 314 Abs. 2 BGB ist eine auf eine Ver­let­zung ver­trag­li­cher Pflich­ten gestütz­te Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund grund­sätz­lich erst nach Ablauf einer zur Abhil­fe bestimm­ten Frist oder nach erfolg­lo­ser Abmah­nung zuläs­sig. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­er­wi­de­rung war eine Abmah­nung hier nicht des­halb ent­behr­lich, weil eine sol­che in Zif­fer 18.4 des Fac­to­ring­ver­trags nicht (aus­drück­lich) als Vor­aus­set­zung einer Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund genannt ist. Das Beru­fungs­ge­richt hat die­se Ver­trags­be­stim­mung zutref­fend dahin aus­ge­legt, dass die Par­tei­en damit kei­ne gegen­über § 314 BGB abwei­chen­de Rege­lung getrof­fen haben.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss eine Abmah­nung den Schuld­ner dar­auf hin­wei­sen, dass er ver­trag­li­che Pflich­ten ver­letzt hat und ihm für den Fall eines wei­te­ren Ver­trags­ver­sto­ßes Kon­se­quen­zen dro­hen 1. Dabei ist zwar kei­ne aus­drück­li­che Kün­di­gungs­an­dro­hung erfor­der­lich, jedoch muss aus der Erklä­rung des Gläu­bi­gers für den Schuld­ner deut­lich wer­den, dass die wei­te­re ver­trag­li­che Zusam­men­ar­beit auf dem Spiel steht 2.

Auch setzt eine Abmah­nung nach § 314 BGB die – gege­be­nen­falls kon­klu­den­te – Andro­hung ver­trags­recht­li­cher Kon­se­quen­zen vor­aus. Zwar wird in der Lite­ra­tur teil­wei­se die Auf­fas­sung ver­tre­ten, im Rah­men des § 314 BGB genü­ge für eine Abmah­nung die blo­ße Rüge ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens 3. Zur Begrün­dung wird dar­auf ver­wie­sen, dass die Not­wen­dig­keit einer Andro­hung von Rechts­fol­gen von der Recht­spre­chung vor der Kodi­fi­zie­rung des § 314 BGB aus der Rege­lung des § 326 Abs. 1 BGB aF her­ge­lei­tet wor­den sei, nach der ein Scha­dens­er­satz­an­spruch die Set­zung einer Nach­frist mit Ableh­nungs­an­dro­hung vor­aus­ge­setzt habe; nach dem Weg­fall der Ableh­nungs­an­dro­hung müs­se ent­spre­chend bei der Abmah­nung eine ein­fa­che Ver­hal­tens­rüge – ohne Andro­hung ver­trags­recht­li­cher Kon­se­quen­zen – genü­gen. Die­ser Auf­fas­sung kann indes nicht gefolgt wer­den. Die Funk­ti­on einer Abmah­nung besteht dar­in, dem Schuld­ner die Ver­trags­wid­rig­keit sei­nes Ver­hal­tens vor Augen zu füh­ren und ihn vor den Fol­gen einer Fort­set­zung zu war­nen; erst die Miss­ach­tung die­ser War­nung lässt die wei­te­re Ver­trags­fort­set­zung für den Gläu­bi­ger regel­mä­ßig unzu­mut­bar erschei­nen. Es ist daher auch im Rah­men des § 314 BGB dar­an fest­zu­hal­ten, dass eine Abmah­nung dem Schuld­ner vor Augen füh­ren muss, dass die wei­te­re ver­trag­li­che Zusam­men­ar­beit auf dem Spiel steht und er für den Fall wei­te­rer Ver­stö­ße mit ver­trag­li­chen Kon­se­quen­zen rech­nen muss.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Okto­ber 2011 – VIII ZR 3/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 10.03.1976 – VIII ZR 268/​74, WM 1976, 508 unter III 4; vom 04.07.2002 – I ZR 313/​99, NJW 2002, 3541 unter II 1; vom 02.03.2004 – XI ZR 288/​02, NJW-RR 2004, 873 unter II 2 b; vom 20.02.2008 – VIII ZR 139/​07, NJW 2008, 1303 Rn. 7[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 04.07.2002 – I ZR 313/​99, aaO, sowie vom 20.02.2008 – VIII ZR 139/​07, aaO[]
  3. von Hase, NJW 2002, 2278, 2280, wohl auch Münch­Komm-BGB/Gai­er, 5. Aufl., § 314 Rn. 16[]