Abschluss­erklä­rung und wei­te­rer Unter­las­sungs­an­spruch

Gibt der Schuld­ner auf eine Unter­las­sungs­ver­fü­gung, durch die ihm unter­schied­li­che, in einem ers­ten Schrei­ben ent­hal­te­ne Äuße­run­gen unter­sagt wor-den sind, eine Abschluss­erklä­rung ab, so besteht für eine auf die Unter­sa­gung eines zwei­ten Schrei­bens gerich­te­te wei­te­re Unter­las­sungs­kla­ge, die sich auf kern­glei­che Äuße­run­gen bezieht, kein Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn zwar mit die­ser Kla­ge neben den als kern­gleich bereits ver­bo­te­nen Äuße­run­gen wei­te­re dort ent­hal­te­ne Äuße­run­gen bean­stan­det wer­den, die iso­lier­te Unter­sa­gung die­ser Äuße­run­gen aber nicht begehrt wird.

Abschluss­erklä­rung und wei­te­rer Unter­las­sungs­an­spruch

Erkennt der Unter­las­sungs­schuld­ner durch eine Abschluss­erklä­rung eine gegen ihn ergan­ge­ne Unter­las­sungs­ver­fü­gung als nach Bestands­kraft und Wir­kung einem ent­spre­chen­den Haupt­sa­che­ti­tel gleich­wer­tig an, wird dadurch das Rechts­schutz­in­ter­es­se für eine Haupt­sa­che­kla­ge besei­tigt, weil sie einen dem Unter­las­sungs­ti­tel gleich­wer­ti­gen Voll­stre­ckungs­ti­tel ent­ste­hen lässt 1.

Die­se Wir­kung der Abschluss­erklä­rung reicht so weit wie der Ver­bots­um­fang der Unter­las­sungs­ver­fü­gung, die der Schuld­ner als end­gül­ti­ge Rege­lung aner­kannt hat. Das Ver­bot eines Unter­las­sungs­ti­tels umfasst über die mit der ver­bo­te­nen Form iden­ti­schen Hand­lun­gen hin­aus auch im Kern gleich­ar­ti­ge Abwand­lun­gen, in denen das Cha­rak­te­ris­ti­sche der kon­kre­ten Ver­let­zungs­form zum Aus­druck kommt 2. Die Reich­wei­te eines Unter­las­sungs­ti­tels ist durch Aus­le­gung unter Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Ent­schei­dung, gege­be­nen­falls auch unter Her­an­zie­hung der Kla­ge- oder Antrags­be­grün­dung, zu ermit­teln 3. Bei einem Unter­las­sungs­te­nor, der auf die kon­kre­te Ver­let­zungs­form beschränkt ist, haben die neben der in Bezug genom­me­nen kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung abs­trakt for­mu­lier­ten Merk­ma­le die Funk­ti­on, den Kreis der Vari­an­ten näher zu bestim­men, die von dem Ver­bot als kern­glei­che Ver­let­zungs­for­men erfasst sein sol­len 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Mai 2010 – I ZR 177/​07

  1. vgl. BGHZ 181, 373 Tz. 14 – Mescher weis, m.w.N.; Fezer/​Büscher, UWG, 2. Aufl, § 12 Rdn. 170; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 28. Aufl., § 12 Rdn. 2.16; Ret­zer in Harte/​Henning, UWG, 2. Aufl., § 12 Rdn. 647; Teplitz­ky, Wett­be-werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 9. Aufl., Kap. 51 Rdn. 58[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 10.12.2009 – I ZR 46/​07, GRUR 2010, 253 Tz. 30 = WRP 2010, 241 – Fisch­do­sen­de­ckel, m.w.N.; Teplitz­ky aaO Kap. 57 Rdn. 12 m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 30.04.2008 – I ZR 73/​05, GRUR 2008, 702 Tz. 37 = WRP 2008, 1104Inter­net-Ver­stei­ge­rung III; Fezer/​Büscher aaO § 12 Rdn. 365; Teplitz­ky aaO Kap. 57 Rdn. 5[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 02.06.2005 – I ZR 252/​02, GRUR 2006, 165 Tz. 14 = WRP 2006, 84 – Akti­vie­rungs­kos­ten II[]