Abste­hen­de Kro­nen­rän­der

Abste­hen­de Kro­nen­rän­der (eine Stu­fe zwi­schen den natür­li­chen Zäh­nen und der künst­li­chen Kro­ne) ent­spre­chen nicht dem zahn­ärzt­li­chen Stan­dard. Ein Zahn­arzt han­delt grob behand­lungs­feh­ler­haft, wenn er einen Pati­en­ten ohne aus­drück­li­chen Hin­weis dar­auf ent­lässt, dass eine von ihm ein­ge­glie­der­te Brü­cke nach­bes­se­rungs­be­dürf­tig ist.

Abste­hen­de Kro­nen­rän­der

Der Zahn­arzt kann sich nicht dar­auf beru­fen, dass ihm kei­ne aus­rei­chen­de Mög­lich­keit für die Nach­bes­se­rung des Zahn­ersat­zes gege­ben wor­den sei, weil der Pati­en­ten sich erst wie­der Ende des Jah­res 2008 in sei­ner Pra­xis vor­ge­stellt habe. Zwar kam nach der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen die Nach­bes­se­rung der Brü­cken­kon­struk­ti­on durch­aus in Betracht, so dass der Zahn­arzt den feh­ler­haf­ten Kro­nen­rand hät­te noch kor­ri­gie­ren oder ggf. auch eine Neu­her­stel­lung durch­füh­ren kön­nen. Das Ober­lan­des­ge­richt ist jedoch der Auf­fas­sung, dass der Zahn­arzt den Pati­en­ten aus­drück­lich dar­auf hät­te hin­wei­sen müs­sen, dass die Arbei­ten zur pro­the­ti­schen Ver­sor­gung noch nicht abge­schlos­sen waren. Wie der Sach­ver­stän­di­ge nach­voll­zieh­bar erklärt hat, waren die abste­hen­den Kro­nen­rän­der für den Zahn­arzt bei der Vor­nah­me der Ein­glie­de­rung erkenn­bar. Dann hät­te er den Pati­en­ten als­bald wie­der ein­be­stel­len müs­sen, um die­sen Man­gel zu besei­ti­gen. Dar­auf, dass der Pati­en­ten ihn selb­stän­dig wie­der auf­su­chen wür­de, konn­te und durf­te sich der Zahn­arzt nicht ver­las­sen. Die Vor­ge­hens­wei­se des Zahn­arz­tes im Streit­fall hält das Ober­lan­des­ge­richt des­halb für grob feh­ler­haft. Dies ent­spricht auch der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen, der eine Ent­las­sung eines Pati­en­ten ohne den aus­drück­li­chen Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit der Nach­bes­se­rung des Zahn­ersat­zes für medi­zi­nisch nicht in Ord­nung gehal­ten hat.

Die feh­ler­haf­te Behand­lung hat zu einer Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gung bei dem Pati­en­ten geführt. Der Pati­en­ten hat ange­ge­ben, er habe Schmer­zen und Beein­träch­ti­gun­gen beim Essen und Trin­ken gehabt. Die­se Beschwer­den sind nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen im schrift­li­chen Gut­ach­ten als glaub­haft anzu­se­hen. Wie der Sach­ver­stän­di­ge aus­ge­führt hat, sei mit hoher Wahr­schein­lich­keit zu ver­mu­ten und zahn­me­di­zi­nisch plau­si­bel, dass die Brü­cke die geäu­ßer­ten Beschwer­den ver­ur­sacht habe. Im Rah­men der münd­li­chen Erläu­te­rung hat der Sach­ver­stän­di­ge im Ober­lan­des­ge­richts­ter­min dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der abste­hen­de Kro­nen­rand dazu füh­re, dass das Zahn­fleisch gegen die Kan­te des Zahn­ersat­zes sto­ße, was Rei­zun­gen, Blu­tun­gen, Rötun­gen und Schwel­lun­gen her­vor­ru­fe. Dar­aus ergibt sich nach den Fest­stel­lun­gen im Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zwangs­läu­fig die Unfä­hig­keit schmerz­frei und kräf­tig zuzu­bei­ßen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2014 – 26 U 56/​13