Abtre­tung einer Gesamt­grund­schuld – und die Gebüh­ren

Bei der Abtre­tung einer Gesamt­grund­schuld von hohem Nenn­wert, die eine Viel­zahl (mög­li­cher­wei­se gering­wer­ti­ge­rer) Grund­stü­cke in Haft nimmt, die sämt­lich in den Grund­bü­chern unter­schied­li­cher Grund­äm­ter ein­ge­tra­gen sind, ent­steht für die Ein­tra­gung der Ver­än­de­rung des Gesamt­rechts eine 0,5-Gebühr (Nr. 14130 GNot­KG-KV), die sich um jeweils 0,1 erhöht ab dem zwei­ten für jedes wei­te­re betei­lig­te Grund­buch­amt.

Abtre­tung einer Gesamt­grund­schuld – und die Gebüh­ren

Die­se Ermä­ßi­gung statt des Ansat­zes einer 0,5‑Gebühr bei jedem ein­zel­nen Grund­buch­amt aus dem vol­len Nenn­be­trag der Belas­tung (§ 53 As. 1 GNot­KG) setzt vor­aus, dass der Antrag für meh­re­re Grund­buch­äm­ter gleich­zei­tig bei einem Grund­buch­amt gestellt wird oder dass bei geson­der­ter Antrag­stel­lung die Anträ­ge inner­halb eines Monats bei den betei­lig­ten Grund­buch­äm­tern ein­ge­hen (Nr. 14141 GNot­KG-KV ana­log).

Dabei wird die Gebühr gemäß § 18 Abs. 3 GNot­KG ana­log bei dem Gericht ange­setzt, bei des­sen Grund­buch­amt der Antrag zuerst ein­ge­gan­gen ist.

Damit schließt sich das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart nicht der vom Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt 1; und vom Amts­ge­richt Böb­lin­gen ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung kann, son­dern viel­mehr der des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den 2, sowie der von Wilsch 3 und Böh­rin­ger 4.

Der Gesetz­ge­ber hat sowohl für die Ein­tra­gung von Belas­tun­gen (Nrn. 14120 und 14121 GNot­KG) als auch für deren Löschung (Nr. 14140 GNot­KG) Ermä­ßi­gungs­tat­be­stän­de ein­ge­führt, wenn es um die Ein­tra­gung oder Löschung eines Gesamt­rechts bei ver­schie­de­nen Grund­buch­äm­tern geht (Nrn. 14122 und 14141 GNot­KG).

Eine ent­spre­chen­de Rege­lung wur­de aber offen­sicht­lich bei der Ein­tra­gung der Ände­rung einer Belas­tung (Nr. 14130 GNot­KG) ver­ges­sen, da sich eine Anders­be­hand­lung im Ver­gleich zur Ein­tra­gung oder Löschung durch nichts recht­fer­ti­gen lässt und auch nicht durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en begrün­det wird 5.

Es muss danach von einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke aus­ge­gan­gen wer­den, die bis zu einem Tätig­wer­den des Gesetz­ge­bers durch eine Ana­lo­gie zu Nr. 14140 und 14141 GNot­KG zu schlie­ßen ist, nach­dem die Gebüh­ren für die Ein­tra­gung 1,3 (Nr. 14120 GNot­KG) bzw. 1 0 (Nr. 14121 GNot­KG) betra­gen, für die Löschung wie auch für die Ver­än­de­rung jeweils nur 0,5 (Nrn. 14140 und 14130 GNot­KG) und der Gesetz­ge­ber dar­über hin­aus die zuvor bestan­de­ne Gebüh­ren­er­he­bung begrenzt durch den Wert des jeweils betrof­fe­nen Grund­stücks (§ 63 Kos­tO) wegen der oft­mals kom­pli­zier­ten Wert­ermitt­lun­gen ver­mei­den woll­te 6.

Es ent­steht des­halb für die Ein­tra­gung der Ver­än­de­rung von Belas­tun­gen eine 0,5‑Gebühr (Nr. 14130 GNot­KG), die sich bei der Betei­li­gung ver­schie­de­ner Grund­buch­äm­ter um jeweils 0,1 erhöht ab dem zwei­ten für jedes wei­te­re betei­lig­te Grund­buch­amt. Die­se Ermä­ßi­gung statt des Ansat­zes einer 0,5‑Gebühr bei jedem ein­zel­nen Grund­buch­amt aus dem vol­len Nenn­be­trag der Belas­tung (§ 53 Abs. 1 GNot­KG) setzt aller­dings vor­aus, dass der Antrag für meh­re­re Grund­buch­äm­ter gleich­zei­tig bei einem Grund­buch­amt gestellt wird oder bei geson­der­ter Antrag­stel­lung, wenn die Anträ­ge inner­halb eines Monats bei den betei­lig­ten Grund­buch­äm­tern ein­ge­hen (Nr. 14141 GNot­KG ana­log). Dabei wird die Gebühr gemäß § 18 Abs. 3 GNot­KG ana­log bei dem Gericht ange­setzt, bei des­sen Grund­buch­amt der Antrag zuerst ein­ge­gan­gen ist.

Allein die­se Ana­lo­gie kann der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers gerecht wer­den. Es ist nicht erkenn­bar, dass er abwei­chend von der Ein­tra­gung und Löschung von Belas­tun­gen für deren Ver­än­de­rung zulas­ten des Berech­tig­ten eine Kos­ten­ex­plo­si­on beab­sich­tig­te, die vor­lie­gend zu Ansät­zen einer (29 x 0,5 =) 14,5‑fachen Gebühr füh­ren wür­de statt einer (28 x 0,1 = 2,8 + 0,5 = ) 3,3‑Gebühr.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – 8 W 333/​14

  1. KG, ZfIR 2014, 203[]
  2. OLG Dres­den, Beschluss vom 13.08.2014 – 17 W 748/​14[]
  3. Wilsch, Anm. zur Ent­schei­dung des KG Ber­lin, ZfIR 2014, 206[]
  4. Böh­rin­ger, BWNotZ 2014, 17 ff., 23/​24[]
  5. BT-Drs. 17/​11471 [neu], S. 157, 207 – 209[]
  6. BT-Drs. 17/​11471 [neu], S.207[]