AGB-mäßi­ge Haf­tungs­frei­zei­chung

Eine umfas­sen­de Frei­zeich­nung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (hier: eines Gebraucht­wa­gen­kauf­ver­trags), nach der die Haf­tung des Klau­sel­ver­wen­ders auch für Kör­per- und Gesund­heits­schä­den sowie für sons­ti­ge Schä­den auch bei gro­bem Ver­schul­den aus­ge­schlos­sen ist, hält einer Inhalts­kon­trol­le am Maß­stab des § 309 Nr. 7 Buchst. a und b BGB nicht stand 1.

AGB-mäßi­ge Haf­tungs­frei­zei­chung

Kon­kret ging es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall um einen for­mu­lar­mä­ßi­gen Gewähr­leis­tungs­aus­schluss, wonach das Fahr­zeug "[…] gebraucht, wie aus­gie­big besich­tigt, unter Aus­schluss jeg­li­cher Gewähr­leis­tung im Hin­blick auf sicht­ba­re und unsicht­ba­re Män­gel, ins­be­son­de­re bezüg­lich des Kilo­me­ter­stan­des, frü­he­rer Unfäl­le und etwa auf­tre­ten­der Schä­den infol­ge frü­he­rer Unfäl­le […]." ver­äu­ßert wird. Auf der Rück­sei­te des Kauf­ver­trags­for­mu­lars ist unter der Über­schrift "Gewähr­leis­tung" zusätz­lich bestimmt: "Das Fahr­zeug ist ver­kauft unter Aus­schluss jeder Gewähr­leis­tung. Ansprü­che auf Wand­lung, Min­de­rung oder Scha­dens­er­satz sind, soweit das gesetz­lich zuläs­sig ist, aus­ge­schlos­sen, und zwar sowohl wegen erkenn­ba­rer als auch wegen ver­bor­ge­ner Män­gel […]."

Der Bun­des­ge­richts­hof sah Ansprü­che des Käu­fers auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags gemäß § 346 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 437 Nr. 2 Alt. 1, § 323 Abs. 1 BGB sowie Ersatz ver­geb­li­cher Auf­wen­dun­gen gemäß § 437 Nr. 3 Alt. 2, § 284 BGB hier­durch nicht als aus­ge­schlos­sen an. Zwar hat­te der Käu­fer im vor­lie­gen­den Fall nicht bewie­sen, dass der vom Ver­käu­fer ein­ge­schal­te­te Händ­ler den Sach­man­gel des Fahr­zeugs arg­lis­tig ver­schwie­gen hat (§ 444 Alt. 1 BGB), aller­dings hält der for­mu­lar­mä­ßi­ge Aus­schluss der Sach­män­gel­haf­tung der Inhalts­kon­trol­le All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen am Maß­stab des § 309 Nr. 7 Buchst. a und b BGB nicht stand und ist des­halb unwirk­sam.

Bei dem im hier ent­schie­de­nen Fall ver­wen­de­ten Frei­zeich­nungs­klau­seln han­delt es sich sowohl nach der Erschei­nungs­form des Tex­tes als auch nach des­sen Inhalt um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (§ 305 Abs. 1 BGB). Die­se sind vom Ver­käu­fer ver­wen­det wor­den. Zwar stammt das Ver­trags­for­mu­lar nicht von die­sem, son­dern von dem in sei­nem Auf­trag tätig gewor­de­nen Händ­ler. Die vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen sind jedoch gleich­wohl vom Ver­käu­fer "gestellt" (§ 305 Abs. 1 Satz 1 BGB), weil der Händ­ler kein Drit­ter, son­dern Abschluss­ge­hil­fe des Vekäu­fers war (§ 278 BGB; vgl. BGH, Urteil vom 14.12 2010 – VIII ZR 143/​10, WuM 2011, 96 Rn. 7). Die vom Ver­käu­fer gestell­ten Ver­trags­be­din­gun­gen sind für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen vor­for­mu­liert (§ 305 Abs. 1 Satz 1 BGB). Dies gilt selbst dann, wenn er den Händ­ler nur für ein ein­zel­nes Geschäft ein­ge­schal­tet haben soll­te. Denn All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen lie­gen auch dann vor, wenn sie – wie hier – für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen vor­for­mu­liert sind, selbst wenn die Ver­trags­par­tei, die die Klau­seln stellt, sie nur in einem ein­zi­gen Ver­trag ver­wen­den will 2.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits wie­der­holt ent­schie­den hat, ist eine umfas­sen­de Frei­zeich­nung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, nach der die Haf­tung des Klau­sel­ver­wen­ders – wie im vor­lie­gen­den Gebraucht­wa­gen­kauf­ver­trag – auch für Kör­per- und Gesund­heits­schä­den (§ 309 Nr. 7 Buchst. a BGB) sowie für sons­ti­ge Schä­den auch bei gro­bem Ver­schul­den (§ 309 Nr. 7 Buchst. b BGB) aus­ge­schlos­sen ist, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders unwirk­sam 3. Dies gilt gemäß § 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2 BGB selbst dann, wenn der Klä­ger das Fahr­zeug nicht als Ver­brau­cher, son­dern als Unter­neh­mer erwor­ben haben soll­te 4.

Der Zusatz "soweit das gesetz­lich zuläs­sig ist" besei­tigt die Unwirk­sam­keits­fol­ge der gegen die gesetz­li­chen Rege­lun­gen über All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen ver­sto­ßen­den Klau­seln nicht 5. Der­ar­ti­ge sal­va­to­ri­sche Klau­seln sind ihrer­seits unwirk­sam, weil sie gegen das Ver­ständ­lich­keits­ge­bot ver­sto­ßen 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Febru­ar 2015 – VIII ZR 26/​14

  1. im Anschluss an die BGH, Urtei­le vom 22.11.2006 – VIII ZR 72/​06, BGHZ 170, 67; vom 19.09.2007 – VIII ZR 141/​06, BGHZ 174, 1[]
  2. BGH, Urteil vom 17.02.2010 – VIII ZR 67/​09, BGHZ 184, 259 Rn. 10 mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 22.11.2006 – VIII ZR 72/​06, BGHZ 170, 67 Rn. 10; vom 19.09.2007 – VIII ZR 141/​06, BGHZ 174, 1 Rn. 10 ff.; sie­he auch BGH, Urtei­le vom 29.05.2013 – VIII ZR 174/​12, NJW 2013, 2584 Rn. 15; vom 19.06.2013 – VIII ZR 183/​12, NJW 2014, 211 Rn. 30; jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.09.2007 – VIII ZR 141/​06, aaO Rn. 13 ff.[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.11.1984 – VIII ZR 214/​83, BGHZ 93, 29, 48; vom 26.06.1991 – VIII ZR 231/​90, NJW 1991, 2630 unter – II 5; jeweils mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.11.2012 – VIII ZR 137/​12 3 [Hin­weis­be­schluss]; vom 05.03.2013 – VIII ZR 137/​12, NJW 2013, 1668 Rn. 3 [Zurück­wei­sungs­be­schluss][]