Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Geschä­dig­ten nach Teil­zah­lun­gen sei­nes Kas­ko­ver­si­che­rers

Mit einer (Teil-)Zah­lung des Kas­ko­ver­si­che­rers geht gemäß § 86 Abs. 1 VVG kraft Geset­zes der – kon­gru­en­te – Scha­dens­er­satz­an­spruch des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen den Unfall­ver­ur­sa­cher auf die Kas­ko­ver­si­che­rung über (so gen. ces­sio legis), so dass die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on (Sach­be­rech­ti­gung) des Ver­si­che­rungs­neh­mers ent­fällt und sei­ne unver­än­der­te, d.h. wei­ter­hin auf Zah­lung an sich gerich­te­te Kla­ge in ent­spre­chen­der Höhe nach­fol­gend eigent­lich als unbe­grün­det abzu­wei­sen wäre.

Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Geschä­dig­ten nach Teil­zah­lun­gen sei­nes Kas­ko­ver­si­che­rers

§ 265 ZPO, der hier ein­schlä­gig ist, sieht jedoch u.a. für den Fall einer Abtre­tung nach Rechts­hän­gig­keit, und dabei aner­kann­ter­ma­ßen auch für eine sol­che kraft Geset­zes wie hier 1, nament­lich etwa die nach § 86 VVG 2, vor, dass die­sel­be aus Grün­den der Pro­zess­öko­no­mie auf den Ablauf des Pro­zes­ses grund­sätz­lich kei­nen Ein­fluss haben soll. Kei­ne Par­tei soll sich durch Ver­fü­gun­gen ihrer Sach­le­gi­ti­ma­ti­on bege­ben und damit den Geg­ner zu einem neu­en Pro­zess gegen den Rechts­nach­fol­ger nöti­gen dür­fen. Daher zwingt § 265 Abs. 2 ZPO für den Fall, dass die sub­jek­ti­ve Rechts­kraft des Urteils sich gemäß § 325 ZPO auf den Rechts­nach­fol­ger erstreckt, den Rechts­vor­gän­ger zur Fort­füh­rung des Pro­zes­ses in gesetz­li­cher Pro­zess­stand­schaft, d.h. zur Gel­tend­ma­chung frem­den Rechts im eige­nen Namen, falls nicht der Rechts­nach­fol­ger mit Zustim­mung des Geg­ners die Par­tei­rol­le sei­nes Vor­gän­gers über­nimmt 3.

Außer­dem liegt in die­sem Fall auch gemäß § 86 Abs. 1 VVG eine Rechts­nach­fol­ge kraft Geset­zes vor, mit der Fol­ge einer Rechts­kraf­ter­stre­ckung gemäß § 325 ZPO 4.

Die Kla­ge des Ver­si­che­rungs­neh­mers wur­de in Höhe der nach Rechts­hän­gig­keit erfolg­ten Zah­lung des Kas­ko­ver­si­che­rers mit­hin nicht etwa infol­ge eines Ent­falls sei­ner Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis unzu­läs­sig oder wegen Weg­falls der Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on unbe­grün­det 5. Viel­mehr war der Klä­ger berech­tigt und – gemäß Vor­ste­hen­dem – auch ver­pflich­tet, sei­ne Zah­lungs­kla­ge wei­ter­zu­füh­ren, jedoch auf eine Zah­lung an den Ver­si­che­rer umzu­stel­len 6.

§ 265 ZPO ist aller­dings bei einer am Tag der Kla­ge­ein­rei­chung beim Klä­ger ein­ge­gan­ge­nen Teil­zah­lung der Kas­ko­ver­si­che­rung nicht ein­schlä­gig, weil die­se Vor­schrift eine Rechts­hän­gig­keit vor­aus­setzt 7, wor­an es aber bei der hier in Rede ste­hen­den, schon am Tag der Kla­ge­ein­rei­chung beim Klä­ger ein­ge­gan­ge­nen Teil­zah­lung gera­de fehlt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he – Urteil vom 13. Dezem­ber 2013 – 1 U 51/​13

  1. vgl. BGH, NJW 2012, 3642; Musielak-Foers­te, ZPO, 10. Aufl.2013, § 265, Rn. 9; Zöl­ler-Gre­ger, ZPO, a.a.O., § 265, Rn. 5 m.w.N.[]
  2. Münch­KommZ­PO-Becker-Eber­hard, 4. Aufl.2013, § 265, Rn. 49[]
  3. Gre­ger, a.a.O.[]
  4. vgl. Beck­OK-ZPO-Gru­ber, Stand: 15.07.2013, § 325 ZPO, Rn. 4[]
  5. vgl. zur Dif­fe­ren­zie­rung: Musielak-Weth, ZPO, § 51 ZPO, Rn. 15[]
  6. vgl. BGH, NJW 2012, 3642, Rn. 8; KG, NZV 2009, 240; OLG Bran­den­burg, Urteil vom 01.07.2010 – 12 U 15/​10, BeckRS 2010, 19827; Bur­man­n/He­ß/Jahn­ke/Jan­ker-Jahn­ke, StVR, 22. Aufl.2012, § 86 VVG, Rn. 54[]
  7. vgl. Beck­OK-ZPO-Bacher, Stand: 15.07.2013, § 265, Rn. 12 m.w.N.[]