All­ge­mei­ne Ver­trags­be­din­gun­gen – und kein Ver­wen­der

Han­deln Päch­ter und Ver­päch­ter gemein­sam gegen­über einem poten­zi­el­len Erwer­ber die Bedin­gun­gen des Pacht­ver­tra­ges aus und schlie­ßen Päch­ter und Ver­päch­ter die­sen Ver­trag dann ab, gilt kei­ner von ihnen als Ver­wen­der i.S.d. §§ 305 ff. BGB.

All­ge­mei­ne Ver­trags­be­din­gun­gen – und kein Ver­wen­der

In einem sol­chen Fall chei­tert die Anwen­dung der §§ 305 ff. BGB dar­an, dass unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des BGH 1 die Erwer­be­rin bzw. die vor­ma­li­ge Ver­päch­te­rin nicht als – allei­ni­ge – Ver­wen­de­rin der Ver­trags­be­din­gun­gen im Sin­ne von § 305 Abs. 1 BGB ange­se­hen wer­den kann.

Es han­del­te sich vor­lie­gend ben nicht um die typi­sche Ver­trags- und Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on zwi­schen Ver­päch­ter und Päch­ter im Zuge des Abschlus­ses eines Ver­tra­ges, son­dern um die Ver­hand­lung von bereits durch einen Pacht­ver­trag ver­bun­de­ner Ver­päch­te­rin und Päch­te­rin gemein­sam mit einem poten­ti­el­len Erwer­ber des Objekts bzw. der Ver­päch­ter­ge­sell­schaft, der die­sen Erwerb mit bestimm­ten Bedin­gun­gen ver­band, unter ande­rem einen bestimm­ten Pacht­ver­trags­text. Jeden­falls hat im vor­lie­gen­den Fall die inso­weit beweis­be­las­te­te Päch­te­rin nicht nach­ge­wie­sen, dass allein die dama­li­ge Ver­päch­te­rin als Ver­wen­de­rin im Sin­ne von § 305 Abs. 1 BGB ange­se­hen wer­den müss­te.

Gegen die Annah­me der Ver­wen­der­ei­gen­schaft allein der vor­ma­li­gen Ver­päch­te­rin und für die vor­ste­hend dar­ge­leg­te anders­ar­ti­ge sei­ner­zei­ti­ge Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on spricht zudem ent­schei­dend, dass die Päch­te­rin damals doch bereits auf­grund eines wirk­sa­men Pacht­ver­tra­ges Päch­te­rin gewe­sen ist. Jener Pacht­ver­trag vom 08.11.1999 war eben­falls bis zum 31.12.2009 befris­tet, ent­hielt nach dem eige­nen Vor­brin­gen der Päch­te­rin alle maß­geb­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und ins­be­son­de­re aus ihrer Sicht aus­ge­wo­ge­ne Rech­te und Pflich­ten der Ver­trags­par­tei­en. Die Päch­te­rin hät­te sich daher auf gar kei­nen neu­en Ver­trag ein­las­sen müs­sen, zumal einen, der ihr mehr Pflich­ten auf­er­leg­te und sie – wie sie meint – unan­ge­mes­sen benach­tei­lig­te, son­dern hät­te risi­ko­los auf den bestehen­den Pacht­ver­trag behar­ren kön­nen. Dass sie sich den­noch zu einen neu­en Ver­trag mit für sie schlech­te­ren Kon­di­tio­nen bereit fand, zeigt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts schon, dass sie im Zusam­men­wir­ken mit der sei­ner­zei­ti­gen Ver­päch­te­rin, ihrer Schwes­ter­fir­ma inner­halb der Z.-Gruppe, bemüht war, die Bedin­gun­gen des poten­ti­el­len Erwer­bers zu erfül­len, und sich nicht – ein­sei­tig – den Ver­trags­be­din­gun­gen der vor­ma­li­gen Ver­päch­te­rin unter­wer­fen woll­te. Die Ver­trags­his­to­rie spricht daher – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Päch­te­rin – nicht für, son­dern gegen die Rechts­an­sicht der Päch­te­rin.

Die Klau­sel­kon­trol­le gem. § 307 BGB kommt folg­lich nicht zur Anwen­dung, da es sich nicht um all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne von § 305 Abs. 1 BGB han­delt.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Urteil vom 19. März 2015 – 3 U 15/​14

  1. vgl. etwa Urteil vom 17.02.2010, VIII ZR 67/​09, BGHZ 184, 259[]