Als­bal­di­ge Zustel­lung der Kla­ge – und der PKH-Antrag

Mit der Ein­rei­chung einer unbe­dingt zu erhe­ben­den Kla­ge zusam­men mit einem (voll­stän­di­gen) Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag hat der Klä­ger alles ihm Zumut­ba­re getan, um eine als­bal­di­ge Zustel­lung der Kla­ge­schrift zu ermög­li­chen. Eine Nach­fra­ge wegen einer aus­blei­ben­den Gerichts­kos­ten­an­for­de­rung ist bei die­ser Fall­ge­stal­tung ent­behr­lich, weil der Klä­ger dar­auf ver­trau­en darf, dass vor einer etwai­gen Gerichts­kos­ten­an­for­de­rung über sein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such befun­den wird 1.

Als­bal­di­ge Zustel­lung der Kla­ge – und der PKH-Antrag

Im vor­lie­gen­den Fall ist die Kla­ge nebst Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag am 30.12 bei Gericht ein­ge­gan­gen und hat damit den Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist recht­zei­tig gehemmt. Ob dies der Fall gewe­sen wäre, wenn die Kla­ge unter der Bedin­gung der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ein­ge­reicht wor­den wäre, ist im Hin­blick dar­auf, dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers erst mit Schrift­satz vom 18.01.- und damit nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist – mit­ge­teilt hat, das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such möge unver­züg­lich zuge­stellt wer­den, frag­lich 2, kann jedoch auf sich beru­hen.

Aus der Kla­ge­schrift geht hin­rei­chend deut­lich her­vor, dass die Kla­ge unbe­dingt erho­ben wer­den soll­te. Es wer­den dort nach der Ein­lei­tung "Namens und in Voll­macht des Klä­gers erhe­be ich Kla­ge und wer­de bean­tra­gen:" die Kla­ge­an­trä­ge for­mu­liert.

Im Anschluss hier­an folgt nach der Ein­lei­tung "Wei­ter­hin bean­tra­ge ich, " der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag. Dem ist zu ent­neh­men, dass die­ser kumu­la­tiv zu den Kla­ge­an­trä­gen hin­zu­tre­ten soll­te und jene dem­ge­mäß nicht von der Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe abhän­gig sein soll­ten. Die Zustel­lung der Kla­geeschrift an die Beklag­te am 12.04.war noch "dem­nächst" im Sin­ne von § 167 ZPO. Der Klä­ger hat­te mit Ein­rei­chung der unbe­dingt erho­be­nen Kla­ge und des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trags am 30.12 2011 alles ihm Zumut­ba­re getan, um eine als­bal­di­ge Zustel­lung der Kla­ge­schrift zu ermög­li­chen. Der anschlie­ßen­de Zeit­ab­lauf lag in der Sphä­re des Gerichts und ist ihm nicht zuzu­rech­nen. Zwar obliegt es einem Klä­ger, sofern er – wie hier – den Gerichts­kos­ten­vor­schuss nicht sogleich ent­rich­tet, grund­sätz­lich, spä­tes­tens nach sechs Wochen nach­zu­fra­gen, wenn die Gerichts­kos­ten­rech­nung aus­bleibt 3. Dies war in der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung jedoch ent­behr­lich, weil der Klä­ger dar­auf ver­trau­en durf­te, dass vor einer etwai­gen Gerichts­kos­ten­an­for­de­rung über sein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such befun­den wer­den wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Novem­ber 2014 – III ZR 559/​13

  1. Abgren­zung zu BGH, Urteil vom 01.04.2004 – IX ZR 117/​03, NJW-RR 2004, 1575[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.01.2008 – IX ZR 195/​06, NJW 2008, 1939 Rn. 17; sie­he hier­zu auch BVerfG NJW 2010, 3083 Rn. 15 ff[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 01.04.2004 – IX ZR 117/​03, NJW-RR 2004, 1575, 1576 mwN[]