Alter­na­ti­ve Urteils­grün­de – und die Rechts­mit­tel­be­grün­dung

Hat das Beru­fungs­ge­richt über meh­re­re Streit­ge­gen­stän­de mit jeweils eigen­stän­di­ger Begrün­dung ent­schie­den, muss die Revi­si­on für jeden Streit­ge­gen­stand begrün­det wer­den.

Alter­na­ti­ve Urteils­grün­de – und die Rechts­mit­tel­be­grün­dung

Zur ord­nungs­ge­mä­ßen Begrün­dung der Revi­si­on gehört gemäß § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO die Anga­be der Revi­si­ons­grün­de.

Bei Sach­rü­gen sind die­je­ni­gen Umstän­de zu bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung erge­ben soll, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO. Die Revi­si­ons­be­grün­dung muss den ange­nom­me­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts dabei in einer Wei­se auf­zei­gen, dass Gegen­stand und Rich­tung des Revi­si­ons­an­griffs erkenn­bar sind [1]. Bei Ver­fah­rens­rü­gen müs­sen nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO die Tat­sa­chen bezeich­net wer­den, die den Man­gel erge­ben, auf den sich die Revi­si­on stüt­zen will. Dazu muss auch die Kau­sa­li­tät zwi­schen Ver­fah­rens­man­gel und Ergeb­nis des Beru­fungs­ur­teils dar­ge­legt wer­den [2].

Nach Ablauf der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist kön­nen mate­ri­ell-recht­li­che Rügen nach­ge­scho­ben wer­den. Das setzt aber vor­aus, dass in der frist­ge­rech­ten Revi­si­ons­be­grün­dung zumin­dest eine ord­nungs­ge­mä­ße Sach- oder Ver­fah­rens­rüge erho­ben war [3].

Das Nach­schie­ben einer Ver­fah­rens­rüge oder ihrer Begrün­dung ist nach Ablauf der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist aus­ge­schlos­sen [4].

Hat das Beru­fungs­ge­richt über meh­re­re Streit­ge­gen­stän­de mit jeweils eigen­stän­di­ger Begrün­dung ent­schie­den, muss die Revi­si­on für jeden Streit­ge­gen­stand begrün­det wer­den. Eine sol­che ist nur ent­behr­lich, wenn mit der Begrün­dung der Revi­si­on über den einen Streit­ge­gen­stand zugleich dar­ge­legt ist, dass die Ent­schei­dung über den ande­ren unrich­tig ist. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch, wenn das Beru­fungs­ge­richt über einen Haupt- und einen (ech­ten) Hilfs­an­trag ent­schie­den hat [5].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Juli 2017 – 1 AZR 546/​15

  1. vgl. BAG 24.01.2017 – 1 AZR 774/​14, Rn. 10[]
  2. vgl. BAG 20.04.2016 – 10 AZR 111/​15, Rn. 14, BAGE 155, 44[]
  3. BAG 6.01.2004 – 9 AZR 680/​02, zu II 1 der Grün­de, BAGE 109, 145[]
  4. BGH 22.05.2014 – IX ZR 95/​13, Rn. 34 mwN[]
  5. vgl. BAG 25.05.2016 – 2 AZR 345/​15, Rn. 17 mwN, BAGE 155, 181[]