Ander­wei­ti­ge Rechts­hän­gig­keit – und der Streit­ge­gen­stand

Nach § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO ist eine Kla­ge wegen ander­wei­ti­ger Rechts­hän­gig­keit unzu­läs­sig, wenn der Klä­ger bereits zuvor in der­sel­ben Streit­sa­che gegen die­sel­be Par­tei eine Kla­ge erho­ben hat und die­se ande­re Kla­ge bei der Ent­schei­dung über die spä­te­re Kla­ge noch rechts­hän­gig ist.

Ander­wei­ti­ge Rechts­hän­gig­keit – und der Streit­ge­gen­stand

Die ander­wei­ti­ge Rechts­hän­gig­keit ist ein Pro­zess­hin­der­nis, das grund­sätz­lich von Amts wegen auch noch in der Revi­si­ons­in­stanz zu beach­ten ist 1. Sie liegt vor, wenn die Par­tei­en und die Streit­ge­gen­stän­de bei­der Ver­fah­ren iden­tisch sind 2.

Der Streit­ge­gen­stand wird durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Anspruchs­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet, § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO 3. Zum Anspruchs­grund sind alle Tat­sa­chen zu rech­nen, die bei einer natür­li­chen; vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­den und den Sach­ver­halt sei­nem Wesen nach erfas­sen­den Betrach­tung zu dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehö­ren, den der Klä­ger zur Stüt­zung sei­nes Rechts­schutz­be­geh­rens dem Gericht vor­trägt 4.

Vom Streit­ge­gen­stand wer­den damit alle mate­ri­ell-recht­li­chen Ansprü­che erfasst, die sich im Rah­men des gestell­ten Antrags aus dem zur Ent­schei­dung unter­brei­te­ten Lebens­sach­ver­halt her­lei­ten las­sen. Das gilt unab­hän­gig davon, ob die ein­zel­nen Tat­sa­chen des Lebens­sach­ver­halts von den Par­tei­en vor­ge­tra­gen wor­den sind oder nicht, und auch unab­hän­gig davon, ob die Par­tei­en die im Vor­pro­zess nicht vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen des Lebens­vor­gangs damals bereits kann­ten und hät­ten vor­tra­gen kön­nen 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 30. Novem­ber 2016 – 10 AZR 644/​15

  1. BAG 16.07.2015 – 2 AZR 15/​15, Rn. 23, BAGE 152, 118[]
  2. vgl. BAG 14.12 2010 – 1 ABR 19/​10, Rn. 35, BAGE 136, 302[]
  3. vgl. BAG 23.03.2016 – 5 AZR 758/​13, Rn. 33[]
  4. BGH 22.10.2013 – XI ZR 42/​12, Rn. 15, BGHZ 198, 294[]
  5. BGH 2.12 2014 – XI ZB 17/​13, Rn. 16 mwN[]