Aner­kennt­nis durch Män­gel­be­sei­ti­gung

Ein Aner­kennt­nis im Sin­ne des § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB liegt nicht vor, wenn ein Unter­neh­mer auf Auf­for­de­rung des Bestel­lers eine Män­gel­be­sei­ti­gung vor­nimmt, dabei jedoch deut­lich zum Aus­druck bringt, dass er nach sei­ner Auf­fas­sung nicht zur Män-gel­be­sei­ti­gung ver­pflich­tet ist.

Aner­kennt­nis durch Män­gel­be­sei­ti­gung

Die Ver­jäh­rung ist gemäß § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB gehemmt, wenn der Ver­pflich­te­te dem Berech­tig­ten gegen­über den Anspruch durch Abschlags­zah­lung, Zins­zah­lung, Sicher­heits­leis­tung oder in ande­rer Wei­se aner­kennt. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung liegt ein Aner­kennt­nis im Sin­ne von § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB vor, wenn sich aus dem tat­säch­li­chen Ver­hal­ten des Schuld­ners gegen­über dem Gläu­bi­ger klar und unzwei­deu­tig ergibt, dass dem Schuld­ner das Bestehen der Schuld bewusst ist und ange­sichts des­sen der Gläu­bi­ger dar­auf ver­trau­en darf, dass sich der Schuld­ner nicht auf den Ablauf der Ver­jäh­rung beru­fen wird. Der Schuld­ner muss dabei sein Wis­sen, zu etwas ver­pflich­tet zu sein, klar zum Aus­druck brin­gen, wobei aller­dings auch ein ein­deu­ti­ges schlüs­si­ges Ver­hal­ten genü­gen kann 1. Das ent­spricht der Recht­spre­chung zu § 208 BGB a.F. 2.

Ob in der Vor­nah­me von nicht nur unwe­sent­li­chen Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten ein Aner­kennt­nis der Gewähr­leis­tungs­pflicht des Auf­trags­neh­mers liegt, ist unter Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu ent­schei­den. Maß­geb­lich ist dabei, ob der Auf­trag­neh­mer aus der Sicht des Auf­trag­ge­bers nicht nur aus Kulanz oder zur güt­li­chen Bei­le­gung eines Streits, son­dern in dem Bewusst­sein han­delt, zur Nach­bes­se­rung ver­pflich­tet zu sein 3.

Hat der Unter­neh­mer deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass er nach sei­ner Auf­fas­sung nicht zur Män­gel­be­sei­ti­gung ver­pflich­tet ist, kann die gleich­wohl auf Bit­te des Kun­den vor­ge­nom­me­ne, mit wenig Auf­wand ver­bun­de­ne Nach­bes­se­rung nicht als eine Maß­nah­me beur­teilt wer­den, die der Unter­neh­mer im Bewusst­sein sei­ner Nach­bes­se­rungs­pflicht vor­ge­nom­men hat. Uner­heb­lich ist, dass die Arbei­ten nicht in Rech­nung gestellt wor­den sind. Das wür­de für eine Kulanz des Unter­neh­mers spre­chen. Uner­heb­lich ist auch, dass der Unter­neh­mer im Pro­zess die offen­bar unzu­tref­fen­de Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, er habe die Arbei­ten auf­grund eines geson­der­ten Auf­trags erle­digt. Die­se feh­ler­haf­te Wür­di­gung ändert nichts dar­an, dass der Unter­neh­mer auf der Grund­la­ge sei­nes Vor­brin­gens durch die vor­ge­nom­me­nen Maß­nah­men den Anspruch des Kun­den nicht aner­kannt hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof weist dar­auf hin, dass die Beweis­last für das Aner­kennt­nis im Sin­ne des § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB die Kun­den tra­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. August 2012 – VII ZR 155/​10

  1. BGH, Urtei­le vom 24.05.2012 – IX ZR 168/​11, BeckRS 2012, 12770 Rn. 29; vom 09.12.2011 – V ZR 131/​11, NJW 2012, 1293 Rn. 10[]
  2. BGH, Urtei­le vom 03.12.1987 – VII ZR 363/​86, BauR 1988, 465 = NJW 1988, 1259, unter II 1; vom 13.01.2005 – VII ZR 15/​04, BauR 2005, 710 = NZBau 2005, 282 = ZfBR 2005, 363, unter II 2[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 05.10.2005 – VIII ZR 16/​05, BGHZ 164, 196, 205; vom 02.06.1999 VIII ZR 322/​98, NJW 1999, 2961, unter II 2 und 3[]