Aner­kennt­nis vor Ver­jäh­rungs­be­ginn

Zwar beginnt bei einem Aner­kennt­nis nach § 212 BGB die maß­geb­li­che Ver­jäh­rungs­frist am nach­fol­gen­den Tag im Gan­zen neu zu lau­fen 1. Ein sol­cher Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung setzt aber den­knot­wen­dig vor­aus, dass die Ver­jäh­rung schon in Gang gesetzt wor­den ist, und kann damit frü­hes­tens ab dem eigent­li­chen Ver­jäh­rungs­be­ginn ein­set­zen.

Aner­kennt­nis vor Ver­jäh­rungs­be­ginn

Aus die­sem Grund hat der Bun­des­ge­richts­hof für den inhalts­glei­chen Begriff der Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung 2 ent­schie­den, dass es in den Fäl­len bei dem ursprüng­li­chen Ver­jäh­rungs­be­ginn bleibt, in denen eine Unter­bre­chung vor dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist, ein­ge­tre­ten und been­det wor­den ist 3. Die­ser Grund­satz gilt – wie der Bun­des­ge­richts­hof für den Fall eines Aner­kennt­nis­ses im Sin­ne von § 208 BGB aF (heu­te § 212 BGB) – aus­ge­spro­chen hat, auch bei einem vor Ver­jäh­rungs­be­ginn abge­ge­be­nen Aner­kennt­nis 4.

Aus dem Sinn und Zweck des § 212 BGB ergibt sich nichts ande­res. Es han­delt sich bei die­ser Bestim­mung um eine Schutz­vor­schrift zuguns­ten des Gläu­bi­gers. Nach der Geset­zes­be­grün­dung bedarf ein Schuld­ner, der einen Anspruch als bestehend aner­kennt, nicht des Schut­zes der Ver­jäh­rung 5. Der Gläu­bi­ger ist dage­gen des­we­gen schutz­wür­dig, weil er mög­li­cher­wei­se im Ver­trau­en auf das Ver­hal­ten des Schuld­ners davon absieht, den Anspruch gel­tend zu machen 6. Der mit § 212 BGB ver­folg­te Schutz­zweck wür­de in sein Gegen­teil ver­kehrt, wenn ein vor Ver­jäh­rungs­be­ginn abge­ge­be­nes Aner­kennt­nis dazu führ­te, dass der Anspruch frü­her ver­jährt, als dies ohne Aner­kennt­nis der Fall gewe­sen wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Janu­ar 2013 – VIII ZR 344/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 09.07.1998 – IX ZR 272/​96, aaO; vom 15.08.2012 – XII ZR 86/​11, NJW 2012, 3633 Rn. 33[]
  2. vgl. BT-Drucks. 14/​6040, aaO[]
  3. BGH, Urtei­le vom 31.03.1969 – VII ZR 35/​67, aaO; vom 27.09.1995 – VIII ZR 257/​94, aaO unter III 3 b aa; vom 09.07.1998 – IX ZR 272/​96, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 09.07.1998 – IX ZR 272/​96, aaO[]
  5. BT-Drucks. 14/​6040, aaO[]
  6. BT-Drucks. 14/​6040, aaO; vgl. auch BGH, Urteil vom 09.05.2007 – VIII ZR 347/​06, aaO Rn. 12[]