Anfahrt­ver­zö­ge­rung bei Auto­ma­tik-Fahr­zeug

Dass ein PS-star­ker Wagen mit Die­sel­mo­tor und Tur­bo­la­der etwa eine hal­be Sekun­de ver­zö­gert anfährt, ist kein Man­gel des Fahr­zeugs. Die­ses so genann­te “Tur­bo­loch” ent­spricht nach Ansicht des Land­ge­richts Mün­chen I dem Stand der Tech­nik und ist seit 30 Jah­ren eine bekann­te Schwä­che bei Auto­ma­tik­ge­trie­ben.

Anfahrt­ver­zö­ge­rung bei Auto­ma­tik-Fahr­zeug

Das muss­te sich jetzt ein Münchner Rechts­an­walt von sei­nen Rich­ter-Kol­le­gen sagen las­sen, der sich ein deut­sches Pre­mi­um­fahr­zeug mit über 200 Pfer­de­stär­ken geleast hat­te und als­bald fest­stel­len muss­te, dass das gute Stück eine Anfahrts­schwä­che (Tur­bo-Loch) auf­wies, die sich in einer zeit­li­chen Ver­zö­ge­rung von etwa einer hal­ben Sekun­de beim Anfah­ren äußer­te.

Das sei bekannt, aber zu machen sei da nichts, wur­de ihm vom Her­stel­ler beschie­den. Pre­mi­um hat­te sich der Rechts­an­walt anders vor­ge­stellt, als bei Grün sogleich das Gas­pe­dal durch­zu­drü­cken und dann trotz­dem jedes Mal dazu­ste­hen, als hät­te er den Start ver­schla­fen. Nichts war’s also mit der Freu­de am Fah­ren und so woll­te der Rechts­an­walt sein Fahr­zeug zurück­ge­ben. Da sich der Her­stel­ler dem ver­wei­ger­te, focht der Rechts­an­walt den Lea­sing­ver­trag wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung an, da ihm die Mängel ver­schwie­gen wor­den sei­en. Schließ­lich traf man sich vor Gericht.

Das Land­ge­richt München I wies die Kla­ge auf Rück­ab­wick­lung des Lea­sing­ver­tra­ges jetzt ab. Ein vom Gericht bestell­ter Sach­ver­stän­di­ger hat­te die Anga­ben des Her­stel­lers bestä­tigt, wonach die bemän­gel­te Anfahrts­schwä­che bei Fahr­zeu­gen mit Auto­ma­tik­ge­trie­be dem Stand der Tech­nik ent­spricht und fer­ner Die­sel­mo­to­ren mit Tur­bo­la­der – wie auch hier – in das soge­nann­te „Tur­bo-Loch“ fie­len, was seit drei­ßig Jah­ren bekannt und noch immer Stand der Tech­nik sei. Lebens­ge­fähr­lich und bedroh­lich sei die­se Anfahrts­schwä­che nicht. Eine Täu­schung des Klä­gers konn­te das Gericht inso­weit nicht erken­nen.

Soweit der Klä­ger gerügt hat­te, dass die Anfahrts­schwä­che teil­wei­se bis zu 2 Sekun­den betra­ge und sich außer­dem bei jedem 20. oder 30. Anfah­ren am Berg das Lenk­rad ver­ha­ke, kön­ne eine Anfech­tung – so das Gericht – schon des­halb kei­nen Erfolg haben, weil der Klä­ger den Nach­weis schul­dig geblie­ben sei, dass die beklag­te Lea­sing­ge­sell­schaft hier­von Kennt­nis gehabt habe.

Land­ge­richt München I, Urteil vom 9. Mai 2008 – 29 O 6962/​07