Anfech­tung von Zah­lun­gen in der Zwangs­voll­stre­ckung

Leis­tun­gen bzw. Zah­lun­gen, die inner­halb der Zeit­räu­me des § 131 InsO auf hoheit­li­chem Zwang beru­hen, sind stets als inkon­gru­ent anzu­se­hen. Für den Drei­mo­nats­zeit­raum hat dies der Bun­des­ge­richts­hof 1 bereits ent­schie­den. Dar­aus folgt, dass gera­de Zah­lun­gen, die im Rah­men der Zwangs­voll­stre­ckung geleis­tet wur­den, stets zu einer inkon­gru­en­ten Deckung füh­ren, obwohl ein rechts­kräf­ti­ger Titel erlangt wur­de. Damit sind die­se durch Zwangs­voll­stre­ckung erfolg­ten Zah­lun­gen im Rah­men eines spä­te­ren Insol­venz­ver­fah­rens stets anfecht­bar.

Anfech­tung von Zah­lun­gen in der Zwangs­voll­stre­ckung

Im Rah­men des § 131 I Nr. 1 InsO wird allein auf objek­ti­ve, nicht auf sub­jek­ti­ve Kri­te­ri­en abge­stellt; die Tat­sa­che, dass die Beklag­te von der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens nichts wuss­te, steht der Rück­for­de­rung daher nicht ent­ge­gen.

Die ange­zeig­te Mas­seun­zu­läng­lich­keit (§ 208 InsO) steht der Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung nicht ent­ge­gen, denn die Befrie­di­gung der Mas­segläu­bi­ger stellt nur eine Vor­stu­fe zur Befrie­di­gung der Insol­venz­gläu­bi­ger dar, über­dies muss der Grund­satz der Gläu­bi­ger­gleich­be­hand­lung auch dann ver­wirk­licht wer­den, wenn das Schuld­ner­ver­mö­gen zur Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­min­dert wur­de.

Hier führt die Rück­ab­wick­lung der ange­foch­te­nen Zah­lung vor­der­grün­dig zwar ledig­lich zu einer Bes­ser­stel­lung der Mas­segläu­bi­ger, wor­aus gefol­gert wer­den könn­te, eine Benach­tei­li­gung der Insol­venz­gläu­bi­ger schei­de aus, jedoch dient das Ver­fah­ren nach § 208 InsO mit­tel­bar den Inter­es­sen aller Gläu­bi­ger; die vor­ran­gi­ge Befrie­di­gung der Mas­segläu­bi­ger ist hier nur als Vor­stu­fe zur Befrie­di­gung auch der Insol­venz­gläu­bi­ger gedacht; die­se blei­ben wegen eines völ­li­gen Aus­falls erst recht benach­tei­ligt 2. Es wider­spricht dar­über hin­aus auch dem Grund­satz der insol­venz­recht­li­chen Gleich­be­hand­lung und damit dem Anfech­tungs­zweck, eini­ge Insol­venz­gläu­bi­ger allein des­halb bes­ser zu stel­len, weil das Schuld­ner­ver­mö­gen sogar „bis zur Bedeu­tungs­lo­sig­keit“ ver­min­dert wor­den ist 3.

Amts­ge­richt Mann­heim, Urteil vom 9. Juli 2010 – 3 C 587/​09

  1. BGH, Urteil vom 08.12.2005 – IX ZR 182/​01, m.w.N.[]
  2. Mün­che­ner-Kom­men­tar-InsO – Kirch­hof 2. Auf­la­ge 2008 § 129 Rdn. 105a[]
  3. Uhlen­bruck – Hir­te 13. Auf­la­ge 2010 § 129 Rdn. 10 unter Hin­weis auf BGH NJW – RR 2001, 1699, 1701[]