Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Ist das ange­foch­te­ne Urteil hin­sicht­lich eines pro­zes­sua­len Anspruchs auf meh­re­re von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, selb­stän­dig tra­gen­de recht­li­che Erwä­gun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung das Urteil frist­ge­recht in allen die­sen Punk­ten angrei­fen und daher für jede der Erwä­gun­gen dar­le­gen, war­um sie die Ent­schei­dung nicht trägt; ande­ren­falls ist das Rechts­mit­tel unzu­läs­sig 1.

Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sah der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier von ihm ent­schie­de­nen Fall als nicht gege­ben an: Das Amts­ge­richt hat­te den Räu­mungs­an­spruch auf eine berech­tig­te außer­or­dent­li­che Kün­di­gung gestützt, die es aus zwei alter­na­ti­ven Grün­den für wirk­sam erach­tet hat. Zum einen hat­te das Amts­ge­richt einen zur außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung berech­ti­gen­den Zah­lungs­ver­zug ange­nom­men. Dane­ben hat es auch das Ver­hal­ten des Beklag­ten, näm­lich mehr­fa­che und nach­hal­ti­ge Belei­di­gun­gen der Klä­ge­rin und ihrer Ver­wand­ten, sowie den Vor­wurf eines straf­ba­ren Ver­hal­tens für "mit­ent­schei­dend" erach­tet. Auch die­ser Umstand las­se erken­nen, dass der Klä­ge­rin eine Fort­set­zung des Pacht­ver­hält­nis­ses nicht wei­ter zumut­bar sei. Dar­in liegt eine Alter­na­tiv­be­grün­dung, die der Beklag­te zwar in sei­ner ver­spä­tet ein­ge­gan­gen Beru­fungs­be­grün­dung, nicht aber bereits in dem recht­zei­tig ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 11. August 2010 ange­grif­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Juni 2011 – XII ZB 572/​10

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 18.10.2005 – VI ZB 81/​04, NJW-RR 2006, 285; und Urteil vom 05.12.2006 – VI ZR 228/​05, NJW-RR 2007, 414 Rn. 10[]