Anfor­de­run­gen an die rich­ter­li­che Scha­dens­schät­zung

Mit den Anfor­de­run­gen an eine Scha­dens­schät­zung gemäß § 287 ZPO muss­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof erneut 1 befas­sen:

Anfor­de­run­gen an die rich­ter­li­che Scha­dens­schät­zung

Steht, wie hier revi­si­ons­recht­lich zugrun­de zu legen ist, der gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch dem Grun­de nach fest und bedarf es ledig­lich der Aus­fül­lung zur Höhe, kommt dem Geschä­dig­ten die Beweis­erleich­te­rung des § 287 ZPO zugu­te. Im Unter­schied zu den stren­gen Anfor­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO reicht bei der Ent­schei­dung über die Scha­dens­hö­he eine erheb­li­che, auf gesi­cher­ter Grund­la­ge beru­hen­de Wahr­schein­lich­keit für die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung aus 2.

Zwar ist es Sache des Anspruch­stel­lers, die­je­ni­gen Umstän­de vor­zu­tra­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen, die sei­ne Vor­stel­lun­gen zur Scha­dens­hö­he recht­fer­ti­gen sol­len. Ent­hält der dies­be­züg­li­che Vor­trag Lücken oder Unklar­hei­ten, so ist es in der Regel jedoch nicht gerecht­fer­tigt, dem jeden­falls in irgend­ei­ner Höhe Geschä­dig­ten jeden Ersatz zu ver­sa­gen. Der Tatrich­ter muss viel­mehr nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen beur­tei­len, ob nach § 287 ZPO nicht wenigs­tens die Schät­zung eines Min­dest­scha­dens mög­lich ist, und darf eine sol­che Schät­zung erst dann gänz­lich unter­las­sen, wenn sie man­gels jeg­li­cher kon­kre­ter Anhalts­punk­te völ­lig in der Luft hin­ge und daher will­kür­lich wäre 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Mai 2013 – VIII ZR 174/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 14.07.2010 – VIII ZR 45/​09, NJW 2010, 3434 Rn. 19; vom 24.06.2009 – VIII ZR 332/​07, NJW-RR 2009, 1404 Rn. 16; vom 06.12.2012 – VII ZR 84/​10, NJW 2013, 525 Rn. 23 f.; vom 23.10.1991 – XII ZR 144/​90, WM 1992, 36 unter 3 a[]
  2. BGH, Urteil vom 09.04.1992 – IX ZR 104/​91, NJW-RR 1992, 997 unter II 1[]
  3. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 14.07.2010 – VIII ZR 45/​09, NJW 2010, 3434 Rn.19; vom 24.06.2009 – VIII ZR 332/​07, NJW-RR 2009, 1404 Rn. 16; BGH, Urtei­le vom 06.12.2012 – VII ZR 84/​10, NJW 2013, 525 Rn. 23 f.; vom 23.10.1991 – XII ZR 144/​90, WM 1992, 36 unter 3 a mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 08.05.2012 – VI ZR 37/​11, NJW 2012, 2267 Rn. 9[]