Anfor­de­run­gen an eine Beru­fungs­be­grün­dung

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben.

Anfor­de­run­gen an eine Beru­fungs­be­grün­dung

Dazu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger bekämpft und wel­che tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­de er ihnen im Ein­zel­nen ent­ge­gen­setzt 1.

Der Beru­fungs­klä­ger hat des­halb die­je­ni­gen Punk­te recht­li­cher Art dar­zu­le­gen, die er als unzu­tref­fend ansieht, und dazu die Grün­de anzu­ge­ben, aus denen er die Feh­ler­haf­tig­keit jener Punk­te und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung her­lei­tet 2.

Die Beru­fungs­be­grün­dung muss auf den kon­kre­ten Streit­fall zuge­schnit­ten sein 3. Es reicht nicht aus, die Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit for­mu­lar­mä­ßi­gen Sät­zen oder all­ge­mei­nen Rede­wen­dun­gen zu rügen oder ledig­lich auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz zu ver­wei­sen 4.

Unge­nü­gend sind ins­be­son­de­re Text­bau­stei­ne und Schrift­sät­ze aus ande­ren Ver­fah­ren 5.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te im hier ent­schie­de­nen Streit­fall die Beru­fungs­be­grün­dung der Beklag­ten nicht. Sie setzt sich über die for­mel­haf­te Ein­lei­tung hin­aus, das Land­ge­richt habe falsch ent­schie­den, mit der dif­fe­ren­zier­ten und auf die beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls bezo­ge­nen Argu­men­ta­ti­on des Land­ge­richts zum Rechts­miss­brauch nicht aus­ein­an­der. Statt­des­sen beschränkt sie sich in wört­li­cher Über­nah­me der Aus­füh­run­gen aus der Kla­ge­er­wi­de­rung auf eine kur­so­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Argu­men­ten der Klä­ge­rin in der Kla­ge­schrift. Dar­in liegt ent­ge­gen der Ansicht der Rechts­be­schwer­de kei­ne hin­rei­chend auf das land­ge­richt­li­che Erkennt­nis bezo­ge­ne Bekräf­ti­gung des eige­nen Rechts­stand­punkts. Aus dem Beschluss des I. Zivil­se­nats vom 07.06.2018 6 ergibt sich nichts ande­res. Die­se Ent­schei­dung betraf einen ande­ren Sach­ver­halt. Dass die Beru­fungs­be­grün­dung – das Beru­fungs­ge­richt hat vor­ab ledig­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, sie ver­hal­te „sich inhalt­lich nicht zur Fra­ge des Rechts­miss­brauchs” – schlag­wort­ar­tig den Begriff des Rechts­miss­brauchs nennt, genügt als Befas­sung mit dem ange­grif­fe­nen Urteil nicht. Damit ver­fehlt die Beru­fungs­be­grün­dung die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juli 2019 – XI ZB 10/​18

  1. BGH, Urteil vom 02.04.2019 – XI ZR 466/​17 13; BGH, Beschlüs­se vom 27.05.2008 – XI ZB 41/​06, WM 2008, 1810 Rn. 11; vom 12.05.2009 – XI ZB 21/​08 13; und vom 01.03.2011 – XI ZB 26/​08 11, jeweils mwN
  2. BGH, Urteil vom 02.04.2019, aaO, mwN
  3. BGH, Beschlüs­se vom 27.05.2008, aaO; vom 12.05.2009, aaO; vom 01.03.2011, aaO; und vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 10
  4. BGH, Urteil vom 09.10.2001 – XI ZR 281/​0019; BGH, Beschluss vom 22.01.2019 – XI ZB 9/​18 8
  5. BGH, Beschluss vom 27.05.2008, aaO, Rn. 12; BGH, Beschluss vom 22.05.2014 – IX ZB 46/​12 7
  6. BGH, Beschluss vom 07.06.2018 – I ZB 57/​17, NJW 2018, 2894 Rn. 10
  7. Gesetz vom 17.08.2017, BGBl. I S. 3202
  8. BGH, Beschluss vom 29.06.2010 – VI ZA 3/​09, NJW 2010, 3101 Rn. 3