Anfor­de­run­gen an eine Beru­fungs­be­grün­dung – bei meh­re­ren selb­stän­dig tra­gen­den Urteils­be­grün­dun­gen

Eine Beru­fungs­be­grün­dung muss gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung durch das ange­foch­te­ne Urteil und deren Erheb­lich­keit für das Ergeb­nis der Ent­schei­dung erge­ben.

Anfor­de­run­gen an eine Beru­fungs­be­grün­dung – bei meh­re­ren selb­stän­dig tra­gen­den Urteils­be­grün­dun­gen

Die Beru­fungs­be­grün­dung muss auf den zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fall zuge­schnit­ten sein und sich mit den recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Argu­men­ten des ange­foch­te­nen Urteils befas­sen, wenn sie die­se bekämp­fen will. Eine schlüs­si­ge, recht­lich halt­ba­re Begrün­dung kann zwar nicht ver­langt wer­den 1. Für die erfor­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es aber nicht aus, die tat­säch­li­che oder recht­li­che Wür­di­gung durch das Arbeits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und ledig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len 2.

Hat das erst­in­stanz­li­che Gericht sei­ne Ent­schei­dung hin­sicht­lich eines Streit­ge­gen­stands auf meh­re­re selb­stän­dig tra­gen­de Begrün­dun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung das Urteil in allen die­sen Punk­ten angrei­fen. Es ist des­halb für jede der recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Erwä­gun­gen dar­zu­le­gen, war­um sie nach Auf­fas­sung des Beru­fungs­füh­rers die Ent­schei­dung nicht recht­fer­tigt. Andern­falls ist das Rechts­mit­tel ins­ge­samt unzu­läs­sig, da der Angriff gegen eine der Begrün­dun­gen nicht aus­reicht, um die Ent­schei­dung ins­ge­samt in Fra­ge zu stel­len 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Juli 2016 – 2 AZR 637/​15

  1. BAG 15.08.2002 – 2 AZR 473/​01, zu 2 der Grün­de[]
  2. BAG 17.02.2016 – 2 AZR 613/​14, Rn. 13[]
  3. BAG 19.10.2010 – 6 AZR 118/​10, Rn. 8[]