Anhö­rungs­rü­ge, Gegen­vor­stel­lung – und der Befan­gen­heits­an­trag

Nach voll­stän­di­gem Abschluss einer Instanz ist ein Ableh­nungs­ge­such grund­sätz­lich nicht mehr zuläs­sig, weil damit die betei­lig­ten Rich­ter ihre rich­ter­li­che Tätig­keit im kon­kre­ten Ver­fah­ren been­det haben.

Anhö­rungs­rü­ge, Gegen­vor­stel­lung – und der Befan­gen­heits­an­trag

Die getrof­fe­ne Ent­schei­dung kann von dem Gericht, dem die im Anschluss dar­an abge­lehn­ten Rich­ter ange­hö­ren, nicht mehr geän­dert wer­den 1.

Aus die­sen Grün­den führt eine von vorn­her­ein unzu­läs­si­ge Anhö­rungs­rü­ge (§ 321a ZPO) nicht dazu, dass das durch eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung unter­ge­gan­ge­ne Ableh­nungs­recht wie­der auf­lebt. Bei einem unzu­läs­si­gen Rechts­be­helf schei­det ein Ein­tritt in eine erneu­te Sach­prü­fung aus 2.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten ent­spre­chend im Hin­blick auf die von den Beschwer­de­füh­rern erho­be­ne Gegen­vor­stel­lung. Auch eine gesetz­lich nicht gere­gel­te Gegen­vor­stel­lung lässt das durch eine ver­fah­rens­ab­schlie­ßen­de Ent­schei­dung bereits unter­ge­gan­ge­ne Ableh­nungs­recht nicht wie­der auf­le­ben 3.

Das durch die ver­fah­rens­ab­schlie­ßen­de Ent­schei­dung unter­ge­gan­ge­ne Ableh­nungs­recht lebt fer­ner nicht durch die gegen die Fest­set­zung des Beschwer­de­wer­tes erho­be­ne Streit­wert­be­schwer­de wie­der auf. Die­se – hier: beim Bun­des­ge­richts­hof erho­be­ne – Beschwer­de ist als Gegen­vor­stel­lung gegen die Streit­wert­fest­set­zung im BGH, Beschluss vom 08.10.2015 aus­zu­le­gen, weil nach § 68 Abs. 1 Satz 5, § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG eine Streit­wert­be­schwer­de an einen obers­ten Gerichts­hof des Bun­des nicht statt­fin­det 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. August 2016 – I ZB 10/​15

  1. BGH, Beschluss vom 11.07.2007 – IV ZB 38/​06, NJW-RR 2007, 1653 Rn. 5; Beschluss vom 29.05.2013 – IX ZB 7/​13 3[]
  2. BGH, Beschluss vom 29.05.2013 – IX ZB 7/​13 3, 5[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.08.1993 – 3 StR 277/​93, NStZ 1993, 600[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 30.07.2015 – I ZR 171/​10, WRP 2015, 1237 Rn. 1[]