Anhö­rungs­rü­ge – und die hier­in not­wen­di­gen Aus­füh­run­gen

Eine Anhö­rungs­rü­ge muss Aus­füh­run­gen dazu ent­hal­ten, aus wel­chen Umstän­den sich die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör durch das Gericht erge­ben soll.

Anhö­rungs­rü­ge – und die hier­in not­wen­di­gen Aus­füh­run­gen

Wen­det sich die Anhö­rungs­rü­ge gegen die Zurück­wei­sung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, bedarf es dazu Aus­füh­run­gen in Bezug auf die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on 1.

Die Anhö­rungs­rü­ge ist inso­weit nur zuläs­sig, wenn die Ent­schei­dung, die Revi­si­on nicht zuzu­las­sen, das Ver­fah­rens­grund­recht auf recht­li­ches Gehör neu und eigen­stän­dig ver­letzt 2.

Eine Anhö­rungs­rü­ge muss sich damit aus­ein­an­der­set­zen und in die­sem Zusam­men­hang die Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG dar­le­gen. Hier­für reicht eine schlich­te Behaup­tung einer Gehörs­ver­let­zung nicht aus, son­dern ist es viel­mehr erfor­der­lich, dass die Umstän­de vor­ge­tra­gen wer­den, aus denen sich ergibt, dass der Bun­des­ge­richts­hof bei sei­ner Ent­schei­dung das Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers über­gan­gen haben muss 3.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de die Anhö­rungs­rü­ge des Beklag­ten in dem hier ent­schie­de­nen Fall nicht gerecht:

Soweit der Beklag­te mit der Anhö­rungs­rü­ge sei­nen Vor­trag aus der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wie­der­holt, kann die Anhö­rungs­rü­ge damit nicht begrün­det wer­den, weil damit kei­ne neue und eigen­stän­di­ge Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG durch das Rechts­mit­tel­ge­richt gerügt wird. Das­sel­be gilt, soweit die Anhö­rungs­rü­ge gel­tend macht, die mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de erho­be­nen Rügen und dar­ge­leg­ten Zulas­sungs­grün­de hät­ten zwin­gend zur Zulas­sung der Revi­si­on füh­ren müs­sen; der Umstand, dass die Zulas­sung der Revi­si­on unter­blie­ben sei, las­se daher dar­auf schlie­ßen, dass der Bun­des­ge­richts­hof das Vor­brin­gen des Beklag­ten nicht zur Kennt­nis genom­men oder nicht in Erwä­gung gezo­gen habe. Die Par­tei hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass das Gericht sich in dem von ihr für rich­tig erach­te­ten Sinn mit ihrem Vor­brin­gen befasst 4.

Eine neue und eigen­stän­di­ge Gehörs­ver­let­zung kann auch nicht damit begrün­det wer­den, dass der Bun­des­ge­richts­hof von der vom Gesetz­ge­ber in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se vor­ge­se­he­nen Begrün­dungs­er­leich­te­rung gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halb­satz 2 ZPO Gebrauch gemacht hat 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Febru­ar 2018 – I ZR 216/​16

  1. BGH, Beschluss vom 19.03.2009 – V ZR 142/​08, NJW 2009, 1609 Rn. 4[]
  2. BVerfGE 107, 395, 410; BVerfG, NJW 2008, 2635, 2636; NJW 2011, 1497; BGH, Beschluss vom 13.12 2007 – I ZR 47/​06, GRUR 2008, 932 Rn. 6 = WRP 2008, 956; Beschluss vom 17.12 2015 – I ZR 256/​14 2[]
  3. vgl. BGH, NJW 2009, 1609 Rn. 6 ff. mwN; BGH, Beschluss vom 17.12 2015 – I ZR 256/​14 2[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.07.2011 – I ZB 68/​10, GRUR 2012, 314 Rn. 12 Medicus.log[]
  5. vgl. im Ein­zel­nen BGH, NJW 2009, 1609 Rn. 6; BGH, Beschluss vom 15.08.2013 – I ZR 119/​12 6 ff.[]