Anhö­rungs­rü­ge – und die Vor­aus­set­zun­gen einer Gehörs­ver­let­zung.

Gemäß § 321a Absatz 1 ZPO ist auf die Rüge der durch die Ent­schei­dung beschwer­ten Par­tei das Ver­fah­ren fort­zu­füh­ren, wenn ein Rechts­mit­tel oder ein ande­rer Rechts­be­helf gegen die Ent­schei­dung nicht gege­ben ist und das Gericht den Anspruch die­ser Par­tei auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt hat.

Anhö­rungs­rü­ge – und die Vor­aus­set­zun­gen einer Gehörs­ver­let­zung.

Das Gebot des recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet die Gerich­te, das Vor­brin­gen der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei der Urteils­fin­dung in Erwä­gung zu zie­hen. Das recht­li­che Gehör soll dem Betrof­fe­nen Gele­gen­heit geben, auf eine bevor­ste­hen­de gericht­li­che Ent­schei­dung Ein­fluss zu neh­men 1.

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass ein Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen der Betei­lig­ten auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat. Die Gerich­te brau­chen ins­be­son­de­re nicht jedes Vor­brin­gen in den Grün­den der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu beschei­den. Ein Ver­stoß gegen Arti­kel 103 Absatz 1 GG kann des­halb nur dann fest­ge­stellt wer­den, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des Fal­les ergibt, dass das Gericht einer hier­aus resul­tie­ren­den Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist 2.

Ob das über­gan­ge­ne Vor­brin­gen ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, rich­tet sich nach den gericht­lich getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und den dar­auf beru­hen­den recht­li­chen Aus­füh­run­gen 3. Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ist nicht schon dann ver­letzt, wenn der Rich­ter zu einer unrich­ti­gen Tat­sa­chen­fest­stel­lung im Zusam­men­hang mit der ihm oblie­gen­den Tätig­keit der Samm­lung, Fest­stel­lung und Bewer­tung der von den Par­tei­en vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen gekom­men ist.

Für den Anspruch auf recht­li­ches Gehör ist es uner­heb­lich, ob das Gericht die aus der Sicht der Par­tei­en rich­ti­gen Schluss­fol­ge­run­gen zieht 4.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 15. Febru­ar 2018 – 2 W 69/​16

  1. BVerfG, Beschluss vom 30.10.1990 – 2 BvR 562/​88 40[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 08.10.2003 – 2 BvR 949/​0220[]
  3. BAG, Beschluss vom 18.11.2008 – 9 AZN 836/​08 5[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 23.06.1993 – 1 BvR 485/​92 9[]