Anhö­rungs­rü­ge – und ihre Grenzen

Mit der Anhö­rungs­rü­ge kann allein gel­tend gemacht wer­den, das Gericht habe den Anspruch einer Par­tei auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt (§ 321a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO).

Anhö­rungs­rü­ge – und ihre Grenzen

Eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Vor­schrift auf die Ver­let­zung ande­rer Ver­fah­rens­grund­rech­te schei­det aus, weil kei­ne plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke besteht1.

Auf die­sem Stand­punkt steht auch der I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs in stän­di­ger Recht­spre­chung2. Aus dem Umstand, dass er die Fra­ge in einem älte­ren Beschluss vom 19.01.20063 offen­ge­las­sen hat4, kann mit­hin nichts her­ge­lei­tet werden.

Soweit die Klä­ge­rin eine Ver­let­zung ihres Anspruchs auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs durch den Bun­des­ge­richts­hof rügt, ist die Anhö­rungs­rü­ge jeden­falls unbe­grün­det. Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich mit der Fra­ge, ob ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zu rich­ten sei, befasst und dabei die Argu­men­ta­ti­on der Klä­ge­rin in Gän­ze zur Kennt­nis genom­men, die auch durch die Aus­füh­run­gen in der Anhö­rungs­rü­ge kein zusätz­li­ches Gewicht gewinnt. Dass der Bun­des­ge­richts­hof die Fra­ge, ob ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen ver­an­lasst ist, anders bewer­tet als die Klä­ge­rin, ver­letzt Art. 103 Abs. 1 GG nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2021 – XI ZR 393/​20

  1. BGH, Urteil vom 14.04.2016 – IX ZR 197/​15, WM 2016, 2147 Rn. 22; Beschlüs­se vom 17.07.2008 – V ZR 149/​07, NJW-RR 2009, 144 Rn. 1; und vom 23.08.2016 – VIII ZR 79/​15 2[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 21.01.2021 – I ZR 28/​19 und – XI ZR 29/​19, jeweils 2; vgl. zuvor etwa schon Beschluss vom 27.04.2017 – I ZB 34/​15 5[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.01.2006 – I ZR 151/​02[]
  4. eben­falls für die Zulas­sung eines Rechts­mit­tels nur offen gelas­sen von BGH, Urteil vom 04.03.2011 – V ZR 123/​10[]