Annah­me­frist für ver­mit­tel­te Haus­bau­ver­trä­ge

Eine Klau­sel in von Ver­kaufs­be­ra­tern ver­mit­tel­ten Ver­trä­gen über den Haus­bau, wonach der Unter­neh­mer einen Antrag des Bestel­lers inner­halb eines Monats nach des­sen Unter­zeich­nung des Ver­trags­for­mu­lars anneh­men kann, ist so zu ver­ste­hen, dass für die Frist­be­rech­nung das im Ver­trags­for­mu­lar ein­ge­tra­ge­ne Datum maß­ge­bend ist. Auf das tat­säch­li­che Datum der Unter­zeich­nung kommt es nicht an.

Annah­me­frist für ver­mit­tel­te Haus­bau­ver­trä­ge

Der Ver­trag ist nur wirk­sam zustan­de gekom­men, wenn dem Bau­herrn die Annah­me­er­klä­rung des Bau­un­ter­neh­mers inner­halb der im Ver­trag vor­ge­se­he­nen Frist von einem Monat nach Unter­zeich­nung zuge­gan­gen ist. Unbe­denk­lich ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on die­se im Ver­trag vor­ge­se­he­ne Annah­me­frist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine vier­wö­chi­ge Bin­de­frist in Ver­kaufs­be­din­gun­gen eines Neu­wa­gen­händ­lers nicht bean­stan­det 1. Die dafür ange­stell­ten Erwä­gun­gen gel­ten teil­wei­se sinn­ge­mäß auch für den Haus­ver­trag. Denn dem Unter­neh­mer muss ein ange­mes­se­ner Zeit­raum zur Prü­fung ein­ge­räumt wer­den, ob in dem vor­ge­se­he­nen Zeit­raum der Haus­bau für ihn mög­lich ist. Dar­über hin­aus wird der Unter­neh­mer in aller Regel auch eine Boni­täts­prü­fung vor­neh­men. Ins­ge­samt ist eine Bin­de­frist von einem Monat auch unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Bestel­lers an mög­lichst schnel­ler Klä­rung, ob der Ver­trag durch­ge­führt wird, nicht unan­ge­mes­sen lang 2

Die­se Bedin­gung in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Bau­un­ter­neh­mers, wonach das Unter­neh­men den Antrag auf Abschluss eines Haus­ver­tra­ges inner­halb eines Monats nach Unter­zeich­nung durch den Bau­herrn anneh­men kann, ist so zu ver­ste­hen, dass für die Berech­nung der Frist das im Ver­trag unter der Rubrik "Ort, Datum" aus­ge­wie­se­ne Datum maß­geb­lich ist, wenn ein sol­ches ein­ge­tra­gen wird.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind aus­ge­hend von den Inter­es­sen, Vor­stel­lun­gen und Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten eines recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­kun­den ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den 3.

Knüpft eine Ver­trags­klau­sel in von Ver­kaufs­be­ra­tern ver­mit­tel­ten Ver­trä­gen über den Haus­bau das Zustan­de­kom­men des Ver­tra­ges an Erklä­run­gen des Unter­neh­mers, die inner­halb einer Frist nach Unter­zeich­nung des Ver­tra­ges durch den Bestel­ler abge­ge­ben wer­den müs­sen, so besteht für bei­de Par­tei­en ein erkenn­ba­res Bedürf­nis, die­se Frist anhand des Ver­trags­for­mu­lars sicher berech­nen zu kön­nen. Sieht das Ver­trags­for­mu­lar eine Datums­an­ga­be für die Erklä­run­gen der Ver­trags­be­tei­lig­ten vor, so wird die­sem Bedürf­nis allein dadurch Rech­nung getra­gen, dass das dar­in ein­ge­tra­ge­ne Datum für die Frist­be­rech­nung maß­ge­bend sein soll. Das ist ins­be­son­de­re im erkenn­ba­ren Inter­es­se des Unter­neh­mers, dem die Ver­trä­ge durch Ver­kaufs­be­ra­ter ver­mit­telt wer­den, dem der Zeit­punkt der tat­säch­li­chen Zeit­punkt regel­mä­ßig unbe­kannt ist, und der kei­ne ande­ren Anhalts­punk­te im Ver­trag für die Berech­nung der Monats­frist fin­det als das Datum der Unter­zeich­nung. Aber auch der Ver­trags­part­ner des Unter­neh­mers hat ein Inter­es­se dar­an, einen ver­läss­li­chen Anhalts­punkt für die Berech­nung der Monats­frist im Ver­trag zu fin­den, der kei­nen Streit dar­über auf­kom­men lässt, wann die Urkun­de tat­säch­lich unter­zeich­net wur­de. Die­sen Inter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en wird eine Aus­le­gung der Klau­sel dahin, dass für die Frist­be­rech­nung das tat­säch­li­che Datum der Unter­zeich­nung des Ver­tra­ges maß­geb­lich sein soll, nicht gerecht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Mai 2011 – VII ZR 181/​10

  1. BGH, Urteil vom 13.12. 1989 – VIII ZR 94/​89, BGHZ 109, 359, 361 f.[]
  2. vgl. auch BGH, Urteil vom 11.06.2010 – V ZR 85/​09, BauR 2010, 1585 = NZBau 2010, 697[]
  3. BGH, Urteil vom 17.02.2011 – III ZR 35/​10, BB 2011, 513; Urteil vom 29.05.2008 – III ZR 330/​07, NJW 2008, 2495 m.w.N.[]