Anschluss­re­vi­si­on – bei nur beschränk­ter Revi­si­ons­zu­las­sung

Da § 554 Abs. 2 Satz 1 ZPO für die Statt­haf­tig­keit der Anschlie­ßung nicht vor­aus­setzt, dass auch für den Anschluss­re­vi­si­ons­klä­ger die Revi­si­on zuge­las­sen wor­den ist, kann eine Anschluss­re­vi­si­on bei beschränk­ter Zulas­sung der Revi­si­on zwar auch dann ein­ge­legt wer­den, wenn die Anschluss­re­vi­si­on nicht den Streit­stoff betrifft, auf den sich die Zulas­sung bezieht 1.

Anschluss­re­vi­si­on – bei nur beschränk­ter Revi­si­ons­zu­las­sung

Aus ihrem Cha­rak­ter als unselb­stän­di­gem Rechts­mit­tel folgt jedoch, dass mit ihr kein Streit­stoff ein­ge­führt wer­den kann, der mit dem Gegen­stand der Haupt­re­vi­si­on weder in einem recht­li­chen noch in einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang steht 2.

Eine unbe­schränk­te Statt­haf­tig­keit der Anschluss­re­vi­si­on wür­de zudem in den Fäl­len, in denen die Haupt­re­vi­si­on zu Guns­ten einer Par­tei nur teil­wei­se zuge­las­sen wur­de, zu einer Benach­tei­li­gung des Revi­si­ons­klä­gers füh­ren und somit über den Geset­zes­zweck der Schaf­fung einer Art Waf­fen­gleich­heit zwi­schen den Par­tei­en hin­aus­ge­hen. Bei einer unein­ge­schränk­ten Statt­haf­tig­keit der Anschluss­re­vi­si­on könn­te der Revi­si­ons­be­klag­te das Urteil soweit er unter­le­gen ist ins­ge­samt anfech­ten, selbst wenn sei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wegen Feh­lens eines Zulas­sungs­grun­des oder man­gels Errei­chens des Beschwer­de­werts gemäß § 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO nicht erfolg­reich gewe­sen wäre. Dage­gen kann bei einer beschränk­ten Zulas­sung der Revi­si­on der Revi­si­ons­klä­ger das Urteil im Revi­si­ons­ver­fah­ren nur zum Teil angrei­fen 3. Eine Benach­tei­li­gung des Revi­si­ons­klä­gers wäre nur dann nicht gege­ben, wenn ihm das Recht zu einer Gegen­an­schlie­ßung gewährt wür­de. Eine der­ar­ti­ge Mög­lich­keit hat der Gesetz­ge­ber indes nicht vor­ge­se­hen. Die inso­weit bestehen­de Ungleich­be­hand­lung ist dann nicht gerecht­fer­tigt, wenn der Gegen­stand der Anschluss­re­vi­si­on in kei­nem recht­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang mit der Haupt­re­vi­si­on steht 4.

So auch im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall: Dort bestand kein hin­rei­chen­der recht­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen der Anschlus­sund der Haupt­re­vi­si­on. Zwar betref­fen bei­de Rechts­mit­tel Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen Män­geln, die am sel­ben Bau­vor­ha­ben ent­stan­den sind. Dem­ge­gen­über ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Revi­si­on wegen Män­geln an der Gar­ten­an­la­ge auf die Höhe der Scha­dens­er­satz­for­de­rung beschränkt wor­den ist und hin­sicht­lich der Scha­dens­po­si­ti­on "Rauch­ab­zug" ledig­lich ein Ver­fah­rens­feh­ler bezüg­lich des Ein­wands durch­ge­führ­ter Nach­bes­se­rung in Rede steht. Dage­gen wird mit der Anschluss­re­vi­si­on zur Über­prü­fung gestellt, ob der Klä­ge­rin der gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen der feh­len­den elek­tri­schen Tür­öff­ner an den Ein­gangs­tü­ren nach der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung dem Grun­de nach zusteht. Hin­sicht­lich der von der Revi­si­on einer­seits und der Anschluss­re­vi­si­on ande­rer­seits betrof­fe­nen Scha­dens­po­si­tio­nen stel­len sich des­halb kei­ne über­grei­fen­den Fra­gen, die mit dem Umstand in Zusam­men­hang ste­hen, dass die Män­gel an dem­sel­ben Bau­vor­ha­ben auf­ge­tre­ten sind.

Etwas ande­res folgt nicht dar­aus, dass bei der Bemes­sung eines wegen der Män­gel an den Ein­gangs­tü­ren unter­stell­ten Scha­den­er­satz­an­spruchs glei­cher­ma­ßen die fik­ti­ven Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten nicht her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen. Denn die­ser Aspekt ist der den Gegen­stand der Anschluss­re­vi­si­on bil­den­den Fra­ge nach einem Anspruch dem Grun­de nach nach­ge­la­gert und kann daher zur Bestim­mung eines wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Zusam­men­hangs nicht her­an­ge­zo­gen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Dezem­ber 2018 – VII ZR 71/​15

  1. BGH, Urteil vom 11.02.2009 – VIII ZR 328/​07 Rn. 31, JZ 2010, 44; Urteil vom 22.11.2007 – I ZR 74/​05 Rn. 39, BGHZ 174, 244; Urteil vom 26.07.2004 – VIII ZR 281/​03, NJW 2004, 3174 26[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.09.2009 – V ZR 75/​08 Rn. 27, NJW 2009, 3787; Urteil vom 11.02.2009 – VIII ZR 328/​07 Rn. 31, JZ 2010, 44; Urteil vom 22.11.2007 – I ZR 74/​05 Rn. 40, BGHZ 174, 244[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2004 – V ZR 244/​03, NJW-RR 2004, 1365 7[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 18.09.2009 – V ZR 75/​08 Rn. 28, NJW 2009, 3787; Urteil vom 22.11.2007 – I ZR 74/​05 Rn. 41, BGHZ 174, 244[]