Antrags­ge­mä­ße gericht­li­che Frist­ver­län­ge­rung

Maß­geb­lich für den Umfang einer gericht­li­chen Frist­ver­län­ge­rung ist deren objek­ti­ver Inhalt 1. Mit der "antrags­ge­mä­ßen" Ver­län­ge­rung hat das Beru­fungs­ge­richt den Antrag der Beru­fungs­klä­ge­rin zum Inhalt der Frist­ver­län­ge­rung selbst gemacht 2.

Antrags­ge­mä­ße gericht­li­che Frist­ver­län­ge­rung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Beru­fungs­klä­ge­rin gegen ein ihr am 6. Juli 2015 zuge­stell­tes Urteil des Amts­ge­richts mit am 4. August 2015 beim Land­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz Beru­fung ein­ge­legt und zugleich bean­tragt, die Frist zur Beru­fungs­be­grün­dung "um einen Monat, auf den 6. Oktober.2015 zu ver­län­gern." Der Vor­sit­zen­de der Beru­fungs­kam­mer hat am 12. August 2015 ver­fügt, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist "antrags­ge­mäß ver­län­gert" wer­de. Die Beru­fungs­be­grün­dung ist am 7. Okto­ber 2015 zwi­schen 0.00 und 0.02 Uhr ein­ge­gan­gen. Das Land­ge­richt hat die Beru­fung als unzu­läs­sig ver­wor­fen, der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te dies:

Der Antrag ent­hielt sei­nem objek­ti­ven Inhalt nach eine Frist­ver­län­ge­rung bis zum 6. Okto­ber 2015. Die Anga­be die­ses End­ter­mins für den Ablauf der Frist ist ein­deu­tig. Dem Antrag kann des­halb nicht auf Grund der wei­te­ren Anga­be, dass eine Frist­ver­län­ge­rung um einen Monat bean­tragt wer­de, ein Frist­ver­län­ge­rungs­be­geh­ren bis zum 7. Okto­ber 2015 ent­nom­men wer­den. Bei einer Ver­län­ge­rung der Frist um einen Monat wäre die­se zwar bis 7. Okto­ber 2015 gelau­fen, da die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist zunächst erst am Mon­tag, dem 7. Sep­tem­ber 2015, geen­det und die ver­län­ger­te Frist somit erst nach Ablauf die­ses Tages begon­nen hät­te (§ 187 Abs. 1 BGB i.V.m. § 222 Abs. 1 ZPO). Auf Grund der ein­deu­ti­gen und sogar unter­stri­che­nen Anga­be des End­ter­mins in dem Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag ergibt sich aber trotz der inso­weit wider­sprüch­li­chen Anga­be zu einem Frist­ver­län­ge­rungs­be­geh­ren um einen Monat, dass nur eine Frist­ver­län­ge­rung bis zum 6. Okto­ber 2015 begehrt wor­den ist. Der zusätz­li­che Hin­weis auf eine Frist­ver­län­ge­rung um einen Monat offen­bart nur die feh­ler­haf­te Ermitt­lung des Fris­ten­des durch den Beklag­ten­ver­tre­ter. Ihm kann aber nicht der objek­ti­ve Gehalt einer über das kon­kret ange­ge­be­ne Datum für den Frist­ab­lauf begehr­ten Frist­ver­län­ge­rung ent­nom­men wer­den 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Juni 2016 – III ZB 13/​16

  1. BGH, Beschlüs­se vom 30.04.2008 – III ZB 85/​07, NJW-RR 2008, 1162 Rn. 2; und vom 29.01.2009 – III ZB 61/​08, NJW-RR 2009, 643 Rn. 13; BGH, Beschlüs­se vom 21.01.1999 – V ZB 31/​98, NJW 1999, 1036; und vom 08.04.2015 – VII ZB 62/​14, NJW 2015, 1966 Rn. 12[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 30.04.2008, aaO[]
  3. vgl. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 03.11.2014, 10 U 81/​14 15[]