Anwalt­li­ches Zeitho­no­rar – und die vor­pro­zes­sua­le Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten

Vor­pro­zes­sua­le Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten in Form anwalt­li­chen Zeitho­no­rars kön­nen als Scha­den grund­sätz­lich bis zur Höhe der gesetz­li­chen Gebüh­ren erstat­tet ver­langt wer­den, wei­ter­ge­hen­de Kos­ten nur in beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len, wenn der Geschä­dig­te dies nach den beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls für erfor­der­lich und zweck­mä­ßig hal­ten durf­te, wofür er dar­le­gungs­pflich­tig ist.

Anwalt­li­ches Zeitho­no­rar – und die vor­pro­zes­sua­le Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten

Zu den ersatz­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen des Geschä­dig­ten zäh­len auch die durch das Scha­dens­er­eig­nis erfor­der­lich gewor­de­nen vor­pro­zes­sua­len Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat der Schä­di­ger aber nicht schlech­ter­dings alle durch das Scha­dens­er­eig­nis adäquat ver­ur­sach­ten Rechts­an­walts­kos­ten zu erset­zen, son­dern nur sol­che, die aus der Sicht des Geschä­dig­ten zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te erfor­der­lich und zweck­mä­ßig waren 1.

Die Ein­schal­tung eines Rechts­an­walts ist in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len nur erfor­der­lich, wenn der Geschä­dig­te geschäft­lich unge­wandt ist oder die Scha­dens­re­ge­lung ver­zö­gert wird 2.

Bei Fäl­len, die nicht ein­fach gela­gert sind, ist jeden­falls das Hono­rar bis zur Höhe der gesetz­li­chen Gebüh­ren erstat­tungs­fä­hig 3.

Hin­sicht­lich des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO gehen die Recht­spre­chung und die Lite­ra­tur fast ganz ein­hel­lig davon aus, dass als erstat­tungs­fä­hi­ge "gesetz­li­che Gebüh­ren und Aus­la­gen" ledig­lich die Regel­sät­ze des Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­set­zes zu erstat­ten sind und nicht ein auf­grund einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit dem Rechts­an­walt über­stei­gen­des Hono­rar 4.

Nicht nur für den Bereich der pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­pflicht, son­dern auch hin­sicht­lich vor­pro­zes­sua­ler Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten geht § 3a Abs. 1 Satz 3 RVG davon aus, dass im Regel­fall der geg­ne­ri­schen Par­tei nicht mehr als die gesetz­li­chen Gebüh­ren zu erstat­ten sind. Ande­ren­falls hät­te der hier­nach in einer Gebüh­ren­ver­ein­ba­rung zwin­gend vor­ge­se­he­ne ent­spre­chen­de Hin­weis an den Man­da­ten kei­nen Sinn 5. Die Geset­zes­be­grün­dung zu § 3a RVG geht inso­weit davon aus, dass der Rechts­su­chen­de die von ihm zu zah­len­de Ver­gü­tung, soweit sie die gesetz­li­chen Gebüh­ren über­steigt, grund­sätz­lich selbst tra­gen muss 6.

Der­je­ni­ge, der sich scha­dens­er­satz­pflich­tig gemacht hat, kann aber in beson­de­ren Fäl­len auch ver­pflich­tet sein, höhe­re Auf­wen­dun­gen aus einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung zu erstat­ten 7, wenn der Geschä­dig­te auch die­se Auf­wen­dun­gen wegen der beson­de­ren Lage des Fal­les für erfor­der­lich und zweck­mä­ßig hal­ten durf­te. Dies kann anzu­neh­men sein, wenn ein zur Ver­tre­tung berei­ter und geeig­ne­ter Rechts­an­walt zu den gesetz­li­chen Gebüh­ren, etwa wegen der Auf­wän­dig­keit des Rechts­streits und des gerin­gen Streit­werts, oder wenn ein erfor­der­li­cher spe­zia­li­sier­ter Anwalt zu den gesetz­li­chen Gebüh­ren nicht gefun­den wer­den kann 8.

Davon kann bei einem Streit­wert von 2, 1 Mio. €, aus dem sich eine Geschäfts­ge­bühr von 11.919 € zuzüg­lich einer Erhö­hungs­ge­bühr von 2.383, 80 € nebst Aus­la­gen und Umsatz­steu­er errech­net, nicht ohne wei­te­res aus­ge­gan­gen wer­den, zumal wenn die Pflicht­ver­let­zung als sol­che in einem Vor­pro­zess weit­ge­hend geklärt ist.

Für die Vor­aus­set­zung eines gleich­wohl wei­ter­ge­hen­den, über den Nor­mal­fall hin­aus­ge­hen­den Erstat­tungs­an­spruch ist der Anspruch­stel­ler, wie für die Erfor­der­lich­keit und Zweck­mä­ßig­keit sei­ner Auf­wen­dun­gen all­ge­mein, dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig. Ent­spre­chen­den über­gan­ge­nen Vor­trag zeigt die Anschluss­re­vi­si­on jedoch nicht auf. Ein Fall der Ver­let­zung der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht nach § 254 BGB, die vom Beklag­ten dar­zu­le­gen und zu bewei­sen wäre, liegt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Anschluss­re­vi­si­on nicht vor.

Eines ent­spre­chen­den Hin­wei­ses durch das Gericht bedurf­te es nicht, nach­dem die Klä­ger schon in der Hono­rar­ver­ein­ba­rung ent­spre­chend § 3a Abs. 1 Satz 3 RVG von ihren Anwäl­ten auf den beschränk­ten Erstat­tungs­an­spruch hin­ge­wie­sen wor­den waren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juli 2015 – IX ZR 197/​14

  1. BGH, Urteil vom 23.10.2003 – IX ZR 249/​02, NJW 2004, 444, 446; vom 10.01.2006 – VI ZR 43/​05, NJW 2006, 1065 Rn. 5; vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 70; vom 23.01.2014 – III ZR 37/​13, BGHZ 200, 20 Rn. 48[]
  2. BGH, Urteil vom 08.11.1994 – VI ZR 3/​94, BGHZ 127, 348, 351 f; vom 10.01.2006, aaO Rn. 8; vom 06.10.2010 – VIII ZR 271/​09, NJW 2011, 296; Beschluss vom 31.01.2012 – VIII ZR 277/​11, NZM 2012, 607 Rn. 8; Palandt/​Grüneberg, BGB, 74. Aufl. § 249 Rn. 57[]
  3. BGH, Urteil vom 23.01.2014, aaO[]
  4. BGH, Beschluss vom 13.11.2014 – VII ZB 46/​12, NJW 2015, 633 Rn. 18 mwN[]
  5. vgl. May­er in Gerold/​Schmidt, RVG, 21. Aufl., § 3a Rn. 17[]
  6. BT-Drs. 16/​8384 S. 10 lin­ke Spal­te Abs. 3 zu Art. 2 Nr. 2 Abs. 1 Satz 3[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 23.10.2003 – III ZR 9/​03, NJW 2003, 3693, 3697 f[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 30.05.2000 – IX ZR 121/​99, BGHZ 144, 343, 346[]