Anwalts­haf­tung – und das Ver­schul­den des Ter­mins­an­walts

Das Ver­schul­den des Ter­mins­an­walts kann der Man­dan­tin im Rah­men der Haf­tung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten nicht als Mit­ver­schul­den nach §§ 254, 278 BGB ange­rech­net wer­den.

Anwalts­haf­tung – und das Ver­schul­den des Ter­mins­an­walts

Meh­re­re in der­sel­ben Sache beauf­trag­te Rechts­an­wäl­te, gleich ob sie nach­ein­an­der oder neben­ein­an­der tätig wer­den, füh­ren recht­lich selb­stän­di­ge Man­da­te aus. Es kann daher kei­ner der Anwäl­te in sei­nem Pflich­ten­kreis als Erfül­lungs­ge­hil­fe des ande­ren ange­se­hen wer­den. Der in Anspruch genom­me­ne „ers­te” Rechts­an­walt kann sich folg­lich auch nicht auf ein der geschä­dig­ten Par­tei nach § 278 BGB anre­chen­ba­res Mit­ver­schul­den des „zwei­ten” Rechts­an­wal­tes beru­fen1.

Sind an einem Scha­dens­fall meh­re­re Anwäl­te betei­ligt, die jeweils ver­schie­de­ne Scha­dens­ur­sa­chen in ihrem eige­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich gesetzt haben, so haf­ten sie grund­sätz­lich als Gesamt­schuld­ner2. Dabei ist eine gleich­stu­fi­ge Haf­tung gege­ben, gleich­gül­tig, ob sie aus Ver­trag, Delikt, Gefähr­dung oder sons­ti­gen Rechts­grün­den haf­ten3. Bei einer Haf­tung aus § 280 BGB stellt § 254 BGB eine ander­wei­ti­ge Bestim­mung im Sin­ne von § 426 Abs.1 dar4, wes­halb die Scha­dens­auf­tei­lung meh­re­rer Ersatz­pflich­ti­ger gemäß § 254 BGB zu beur­tei­len ist5. Die­ser Haf­tungs­maß­stab ändert sich auch nicht durch die Abtre­tung der Ansprü­che der Man­dan­tin an einen der betei­lig­ten Rechts­an­wäl­te6.

Bei der zu tref­fen­den Abwä­gung ist in ers­ter Linie das Maß der Ver­ur­sa­chung und in zwei­ter Linie das Maß des Ver­schul­den maß­ge­bend. Dies kann zu einer Scha­dens­tei­lung, aber auch zur allei­ni­gen Belas­tung eines Ersatz­pflich­ti­gen füh­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 26. Janu­ar 2017 – 11 U 4/​16

  1. Voll­kom­mer /​Greger/​Hei­ne­mann, Anwalts­haf­tungs­recht, 4. Aufl., § 18 RN 16
  2. BGH NJW 1997, 2168, 2170; 1994, 1211, 1212; NJW-RR 2005, 1146, 1147
  3. Palandt /​Grüneberg § 421 RN 11
  4. BGH NJW 1974, 693 RN 22
  5. BGH NJW 2014, 2730; WM 2015, 539
  6. Palandt /​Grüneberg, BGB, 76. Aufl., § 426 RN 14