Anwalts­ver­gü­tung für die Ver­tre­tung von Par­tei und Streit­hel­fer

Ver­tritt der Rechts­an­walt sowohl den Beklag­ten als auch des­sen Streit­hel­fer ist gebüh­ren­recht­lich von der­sel­ben Ange­le­gen­heit aus­zu­ge­hen, wenn ein inne­rer Zusam­men­hang im Sin­ne eines ein­heit­li­chen von dem Rechts­an­walt zu prü­fen­den Lebens­sach­ver­halt aus­zu­ge­hen ist.

Anwalts­ver­gü­tung für die Ver­tre­tung von Par­tei und Streit­hel­fer

Mit Recht hat die Rechts­pfle­ge­rin der Beklag­ten und ihrem Streit­hel­fer daher ledig­lich einen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch gegen den Klä­ger in Höhe einer 1,3 Ver­fah­rens­ge­bühr nach Nr. 3100 VV RVG, einer 0,3 Erhö­hungs­ge­bühr nach Nr. 1008 VV RVG, einer 1,2 Ter­mins­ge­bühr nach Nr. 3104 VV RVG nebst Ter­min­kos­ten nach Nr. 7003 und 7005 VV RVG und Aus­la­gen­pau­scha­le nach Nr. 7002 VV RVG zuer­kannt. Der Beklag­ten und ihrem Streit­hel­fer ste­hen bei­den nicht jeweils die vol­len Rechts­an­walts­ge­büh­ren nebst Aus­la­gen (ohne Mehr­wert­steu­er) zu, weil es sich inso­weit um die­sel­be Ange­le­gen­heit im Sin­ne des § 15 Abs. 1 RVG han­delt.

Soweit der Rechts­an­walt in der­sel­ben Ange­le­gen­heit für meh­re­re Auf­trag­ge­ber tätig wird, erhält er die Gebüh­ren nach § 7 Abs. 1 RVG nur ein­mal und kann ggfs. die Erhö­hungs­ge­bühr nach Nr. 1008 VV RVG for­dern.

Ob von einer oder meh­re­ren Ange­le­gen­hei­ten aus­zu­ge­hen ist, lässt sich nicht all­ge­mein, son­dern nur im Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Umstän­de beant­wor­ten, wobei ins­be­son­de­re der Inhalt des erteil­ten Auf­trags maß­geb­lich ist. Die­sel­be Ange­le­gen­heit liegt in der Regel vor, wenn zwi­schen ihnen ein inhalt­li­cher Zusam­men­hang besteht und sie sowohl inhalt­lich als auch in der Ziel­set­zung so weit­ge­hend über­ein­stim­men, dass von einem ein­heit­li­chen Rah­men der anwalt­li­chen Tätig­keit gespro­chen wer­den kann. Die Annah­me einer Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sinn setzt nicht vor­aus, dass der Anwalt nur eine Prü­fungs­auf­ga­be zu erfül­len hat. Von einem ein­heit­li­chen Rah­men der anwalt­li­chen Tätig­keit kann viel­mehr grund­sätz­lich auch dann noch gespro­chen wer­den, wenn der Anwalt zur Wahr­neh­mung des Rechts des Geschä­dig­ten ver­schie­de­ne, in ihren Vor­aus­set­zun­gen von­ein­an­der abwei­chen­de Anspruchs­grund­la­gen zu prü­fen bzw. meh­re­re getrenn­te Prü­fungs­auf­ga­ben zu erfül­len hat. Denn unter einer Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne ist das gesam­te Geschäft zu ver­ste­hen, dass der Rechts­an­walt für den Auf­trag­ge­ber besor­gen soll. Ihr Inhalt bestimmt den Rah­men, inner­halb des­sen der Rechts­an­walt tätig wird. Die Ange­le­gen­heit ist von dem Gegen­stand der anwalt­li­chen Tätig­keit abzu­gren­zen, der das kon­kre­te Recht oder Rechts­ver­hält­nis bezeich­net, auf das sich die anwalt­li­che Tätig­keit bezieht. Eine Ange­le­gen­heit kann meh­re­re Gegen­stän­de umfas­sen. Für die Annah­me eines ein­heit­li­chen Rah­mens der anwalt­li­chen Tätig­keit ist es grund­sätz­lich aus­rei­chend, wenn die ver­schie­de­nen Gegen­stän­de in dem Sin­ne ein­heit­lich vom Anwalt bear­bei­tet wer­den kön­nen, dass sie ver­fah­rens­recht­lich zusam­men­ge­fasst bzw. in einem ein­heit­li­chen Vor­ge­hen gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Ein inne­rer Zusam­men­hang ist zu beja­hen, wenn die ver­schie­de­nen Gegen­stän­de bei objek­ti­ver Betrach­tung und unter Berück­sich­ti­gung des mit der anwalt­li­chen Tätig­keit nach dem Inhalt des Auf­trags erstreb­ten Erfolgs zusam­men gehö­ren 1. Der Annah­me einer Ange­le­gen­heit steht z.B. nicht ent­ge­gen, dass der Anwalt meh­re­re Geschä­dig­te ver­tre­ten soll. Ein ein­heit­li­cher Auf­trag kann näm­lich auch dann vor­lie­gen, wenn der Anwalt von meh­re­ren Man­dan­ten beauf­tragt wird 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist vor­lie­gend von einer Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne aus­zu­ge­hen. Nach dem Tat­be­stand des Urteils hat der Klä­ger Scha­den­er­satz­an­sprü­che wegen der man­gel­haf­ten Instal­la­ti­on einer Wär­me­pum­pe in sei­nem Haus gegen die Beklag­te gel­tend gemacht. Die Wär­me­pum­pe ist durch den Streit­hel­fer instal­liert wor­den, wobei in ers­ter Linie strei­tig war, ob der Streit­hel­fer inso­weit als Sub­un­ter­neh­mer der Beklag­ten oder mit eige­ner Fir­ma selbst­stän­dig tätig war, ob mit­hin ein ein­heit­li­cher Auf­trag für die Gewer­ke Elek­tro- und Hei­zungs­ar­bei­ten oder aber zwei getrenn­te Auf­trä­ge, näm­lich einer an die Beklag­te (Elek­tro­ar­bei­ten) und einer an den Streit­hel­fer (Hei­zungs­ar­bei­ten) erteilt wur­den. Bei die­ser Sach­la­ge ist von einem ein­heit­li­chen, von dem Anwalt zu prü­fen­den Lebens­sach­ver­halt aus­zu­ge­hen, wel­cher den Rah­men für die anwalt­li­che Tätig­keit bestimmt. Inso­weit besteht näm­lich zwi­schen den ver­schie­de­nen Gegen­stän­den (ein ein­heit­li­cher Auf­trag oder aber zwei getrenn­te Auf­trä­ge) ein inhalt­li­cher Zusam­men­hang.

Hin­zu kommt, dass der Streithelfer/​Neben­in­ter­ve­ni­ent nicht Ver­tre­ter der von ihm unter­stütz­ten Par­tei ist. Er betei­ligt sich viel­mehr nur an einem frem­den Pro­zess und han­delt inso­weit neben der Haupt­par­tei. Inso­weit ist aner­kannt, dass einem Rechts­an­walt nicht ein­mal die Erhö­hungs­ge­bühr nach Nr. 1008 VV RVG zusteht, wenn er in einem Pro­zess sowohl die Par­tei und zugleich die­sel­be als Streit­hel­fer eines Drit­ten ver­tritt 3. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in die­ser Ent­schei­dung aber auch aus­ge­führt, dass es nach dem Sinn und Zweck von Nr. 1008 VV RVG grund­sätz­lich mög­lich sei, dass der Rechts­an­walt eine erhöh­te Gebühr erhal­te, wenn er eine Par­tei und zugleich einen Streit­hel­fer ver­tre­te. Es sei näm­lich uner­heb­lich, in wel­cher Rol­le die meh­re­ren Auf­trag­ge­ber an einer Ange­le­gen­heit betei­ligt sei­en, solan­ge der Anwalt dabei für ver­schie­de­ne Per­so­nen tätig wer­de. Aus die­sen Fest­stel­lun­gen des BGH lässt sich jedoch auch ent­neh­men, dass dann, wenn der Rechts­an­walt sowohl die Par­tei als auch ihren Streit­hel­fer ver­tritt, nicht allein des­halb von ver­schie­de­nen Ange­le­gen­hei­ten im Sin­ne des Gebüh­ren­rechts aus­zu­ge­hen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 26. Novem­ber 2013 – 2 W 256/​13

  1. vgl. BGH MDR 2011, 949-950 Rn. 10 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH a.a.O. m.w.N.[]
  3. vgl. BGH MDR 2010, 354-355, Rn. 8; OLG Braun­schweig OLGR 2001, 181, 182; OLG Koblenz Jur­Bü­ro 2004, 484[]