Anwalts­wech­sel zwi­schen selb­stän­di­gem Beweis­ver­fah­ren und Haupt­sa­che­ver­fah­ren

Wer­den die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens von der Kos­ten­ent­schei­dung im anschlie­ßen­den Haupt­sa­che­ver­fah­ren mit­um­fasst und sind die Ver­fah­rens­ge­bühr des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens und die Ver­fah­rens­ge­bühr des Haupt­sa­che­ver­fah­rens von ver­schie­de­nen Rechts­an­wäl­ten ver­dient wor­den, schei­det eine Anrech­nung der Ver­fah­rens­ge­bühr des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens auf die Ver­fah­rens­ge­bühr des Haupt­sa­che­ver­fah­rens gemäß Vor­be­mer­kung 3 Abs. 5 VV RVG aus 1.

Anwalts­wech­sel zwi­schen selb­stän­di­gem Beweis­ver­fah­ren und Haupt­sa­che­ver­fah­ren

Die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens wer­den von der Kos­ten­ent­schei­dung des Kos­ten­vor­schuss­kla­ge­ver­fah­rens mit­um­fasst.

Im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren ergeht, außer in den Fäl­len des § 494a Abs. 2 ZPO, grund­sätz­lich kei­ne Kos­ten­ent­schei­dung. Die Kos­ten eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens wer­den viel­mehr von der Kos­ten­ent­schei­dung eines sich anschlie­ßen­den Haupt­sa­che­ver­fah­rens mit­um­fasst, wenn zumin­dest ein Teil der Streit­ge­gen­stän­de und die Par­tei­en der bei­den Ver­fah­ren iden­tisch sind 2.

Aller­dings ist gemäß Vor­be­mer­kung 3 Abs. 5 VV RVG eine Anrech­nung nach § 15a Abs. 2 Fall 3 RVG im Rah­men der Kos­ten­fest­set­zung an sich gebo­ten, da die im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren ent­stan­de­ne Ver­fah­rens­ge­bühr und die im Haupt­sa­che­ver­fah­ren ent­stan­de­ne Ver­fah­rens­ge­bühr in dem­sel­ben Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gegen die Beklag­te gel­tend gemacht wer­den 3.

Die Anrech­nungs­vor­schrift gemäß Vor­be­mer­kung 3 Abs. 5 VV RVG ist im Streit­fall indes nicht ein­schlä­gig, soweit es um die Anrech­nung der auf Antrag­stel­ler­sei­te im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren ent­stan­de­nen Ver­fah­rens­ge­bühr auf die auf Klä­ger­sei­te im Haupt­sa­che­ver­fah­ren ent­stan­de­ne Ver­fah­rens­ge­bühr geht. Eine Anrech­nung gemäß Vor­be­mer­kung 3 Abs. 5 VV RVG schei­det aus, wenn – wie hier auf Klä­ger­sei­te – die Ver­fah­rens­ge­bühr des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens und die Ver­fah­rens­ge­bühr des Haupt­sa­che­ver­fah­rens von ver­schie­de­nen Rechts­an­wäl­ten ver­dient wor­den sind 4.

Auch eine im Rah­men der Kos­ten­fest­set­zung zu berück­sich­ti­gen­de Anrech­nung nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 91 Abs. 2 Satz 2 ZPO schei­det aus.

Aller­dings wird in der Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te ganz über­wie­gend ver­tre­ten, dass die Rege­lung des § 91 Abs. 2 Satz 2 ZPO die Prü­fung erfor­dert, ob ein Anwalts­wech­sel zwi­schen selb­stän­di­gem Beweis­ver­fah­ren und nach­fol­gen­dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren not­wen­dig gewe­sen ist 5. Dem tritt ein Teil der Lite­ra­tur unter Hin­weis dar­auf ent­ge­gen, dass das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren und das Haupt­sa­che­ver­fah­ren gebüh­ren­recht­lich selb­stän­di­ge Ange­le­gen­hei­ten sind 6.

Die­sen Streit muss­te der Bun­des­ge­richts­hof vor­lie­gend frei­lich nicht ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. August 2014 – VII ZB 8/​14

  1. Anschluss an BGH, Beschluss vom 10.12 2009 – VII ZB 41/​09, Jur­Bü­ro 2010, 190, 191[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.09.2013 – VII ZB 4/​13, BauR 2013, 2053 Rn. 11; Beschluss vom 10.01.2007- XII ZB 231/​05, BauR 2007, 747, 748 = NZBau 2007, 248; Beschluss vom 09.02.2006 – VII ZB 59/​05, BauR 2006, 865, 866 = NZBau 2006, 374[]
  3. vgl. Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 21. Aufl., § 15a Rn. 41; Han­sens, RVGre­port 2009, 467, 468; End­ers, Jur­Bü­ro 2013, 113, 116[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 10.12 2009 – VII ZB 41/​09, Jur­Bü­ro 2010, 190, 191, zur Anrech­nungs­vor­schrift gemäß Vor­be­mer­kung 3 Abs. 4 VV RVG; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, aaO, VV Vorb. 3 Rn. 327; Kel­ler in Riedel/​Sußbauer, aaO, VV Teil 3 Vor­bem. 3 Rn. 73; End­ers, Jur­Bü­ro 2013, 113, 114; a.M. OLG Ham­burg, MDR 2007, 559[]
  5. vgl. OLG Köln, Jur­Bü­ro 2013, 590, 591; OLG Hamm, BeckRS 2002 30252713; OLG Koblenz, AGS 2002, 164, 165[]
  6. vgl. Schnei­der, AGS 2013, 571, 572; ders., AGS 2012, 258; vgl. fer­ner Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, aaO, Anhang – III Rn. 75[]