Archi­tek­ten­haf­tung für Bau­män­gel – und das Grund­ur­teil

Nimmt ein Auf­trag­ge­ber einen Inge­nieur auf Scha­dens­er­satz wegen Män­geln des Inge­nieur­werks in Anspruch, so darf ein Grund­ur­teil nur erge­hen, wenn grund­sätz­lich alle Fra­gen, die zum Grund des Anspruchs gehö­ren, erle­digt sind. An die­ser Vor­aus­set­zung für den Erlass eines Grund­ur­teils fehlt es, wenn das Gericht über­haupt kei­ne Fest­stel­lun­gen zu Män­geln des Inge­nieur­werks, die zu vom Auf­trag­ge­ber gel­tend gemach­ten Män­geln der am Bau­werk instal­lier­ten Anla­gen geführt haben, getrof­fen hat.

Archi­tek­ten­haf­tung für Bau­män­gel – und das Grund­ur­teil

Ein Grund­ur­teil (§ 304 Abs. 1 ZPO) darf nur erge­hen, wenn ein Anspruch nach Grund und Höhe strei­tig ist, grund­sätz­lich alle Fra­gen, die zum Grund des Anspruchs gehö­ren, erle­digt sind, und wenn nach dem Sach- und Streit­stand zumin­dest wahr­schein­lich ist, dass der Anspruch in irgend­ei­ner Höhe besteht1.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze war der Erlass des Grund­ur­teils im vor­lie­gen­den Fall auf der Grund­la­ge der vom Beru­fungs­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen rechts­feh­ler­haft. Zwar ist der mit dem Kla­ge­an­trag gel­tend gemach­te Anspruch nach Grund und Höhe strei­tig. Vor­lie­gend waren indes nicht alle Fra­gen erle­digt, die zum Grund gehö­ren: Der Bau­herr hat­te in der Kla­ge­schrift unter Bezug­nah­me auf die Aus­füh­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen gel­tend gemacht, für die ange­führ­ten Män­gel der am Bau­werk instal­lier­ten Anla­gen (Lüf­tung und Elek­tro­in­stal­la­ti­on) sei der beklag­te Inge­nieur sowohl unter dem Gesichts­punkt von Pla­nungs­män­geln als auch unter dem Gesichts­punkt von Män­geln in der Bau­auf­sicht ver­ant­wort­lich. Das Beru­fungs­ge­richt hat inso­weit über­haupt kei­ne Fest­stel­lun­gen zu Män­geln des Inge­nieur­werks, die zu den vom Bau­her ange­führ­ten Män­geln der am Bau­werk instal­lier­ten Anla­gen geführt haben, getrof­fen. Dem Beru­fungs­ur­teil lässt sich des­halb nicht ent­neh­men, ob der beklag­te Inge­nieur dem Grun­de nach wegen der­ar­ti­ger Män­gel des Inge­nieur­werks haf­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2016 – VII ZR 168/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 25.10.2013 – V ZR 230/​12, BGHZ 198, 327 Rn. 26 m.w.N.; Urteil vom 13.08.2015 – VII ZR 90/​14, BGHZ 206, 332 Rn. 44 []