Arg­lis­ti­ge Täu­schung – und der beding­te Vorsatz

Für Arg­list ist kei­ne Absicht erfor­der­lich, son­dern es genügt beding­ter Vor­satz1.

Arg­lis­ti­ge Täu­schung – und der beding­te Vorsatz

Zwar setzt auch der beding­te Vor­satz vor­aus, dass der Erklä­ren­de die Unrich­tig­keit der Tat­sa­chen­be­haup­tung kennt oder zumin­dest für mög­lich hält2, so dass grund­sätz­lich nicht arg­lis­tig han­delt, wer gut­gläu­big unrich­ti­ge Anga­ben macht, mag auch der gute Glau­be auf Fahr­läs­sig­keit oder selbst auf Leicht­fer­tig­keit beru­hen3.

Aller­dings liegt dann ein arg­lis­ti­ges Han­deln vor, wenn Anga­ben ins Blaue hin­ein gemacht wer­den, obwohl eine hin­rei­chen­de tat­säch­li­che Erkennt­nis­grund­la­ge für die Anga­ben fehlt und die­ser Umstand ver­schwie­gen wird4.

So war es auch im hier ent­schie­de­nen Fall: Die Auto­ver­käu­fe­rin hat kon­klu­dent die Erklä­rung abge­ge­ben, das Fahr­zeug sei nicht mehr als zwölf Mona­te vor Ver­trags­schluss her­ge­stellt wor­den, obwohl sie nach ihrem Vor­brin­gen selbst kei­ne Kennt­nis von dem Bau­jahr gehabt und sich inso­weit allein auf die etwa fünf Mona­te zuvor erfolg­te Lie­fe­rung des Fahr­zeugs vom Her­stel­ler ver­las­sen habe, ohne zumin­dest anhand der Fahr­zeug­iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer das Modell­jahr zu ermitteln.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juni 2021 – XI ZR 568/​19

  1. BGH, Urtei­le vom 08.05.1980 IVa ZR 1/​80, WM 1980, 983, 985; vom 07.06.2006 – VIII ZR 209/​05, BGHZ 168, 64 Rn. 13; und vom 13.06.2007 – VIII ZR 236/​06, WM 2007, 2258 Rn. 29[]
  2. BGH, Urtei­le vom 11.05.2001 – V ZR 14/​00, WM 2001, 1420; und vom 13.06.2007, aaO[]
  3. BGH, Urteil vom 08.05.1980, aaO[]
  4. BGH, Urtei­le vom 21.01.1975 – VIII ZR 101/​73, BGHZ 63, 382, 388; vom 08.05.1980, aaO; vom 11.05.2001, aaO S. 1421; und vom 07.06.2006, aaO[]

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