Arg­lis­ti­ge Täu­schung – und die Fra­ge der Beweis­last

Behaup­tet der Ver­käu­fer, den Käu­fer vor Ver­trags­schluss über einen offen­ba­rungs­pflich­ti­gen Umstand auf­ge­klärt zu haben, muss der Käu­fer bewei­sen, dass die Auf­klä­rung nicht erfolgt ist. Das gilt auch dann, wenn der Ver­käu­fer behaup­tet, einen durch vor­he­ri­ges akti­ves Tun bei dem Käu­fer her­vor­ge­ru­fe­nen Irr­tum durch spä­te­re Auf­klä­rung besei­tigt zu haben 1.

Arg­lis­ti­ge Täu­schung – und die Fra­ge der Beweis­last

Zwar ist es Sache der Klä­ger, sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen der Arg­list zu bewei­sen. Hier­zu gehört bei einer Täu­schung durch Ver­schwei­gen auch die unter­blie­be­ne Offen­ba­rung. Den Schwie­rig­kei­ten bei dem Beweis einer nega­ti­ven Tat­sa­che ist nach den Grund­sät­zen über die sekun­dä­re Dar­le­gungs­last Rech­nung zu tra­gen. Danach müs­sen die Käu­fer nur die zunächst von dem Ver­käu­fer sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen­de Auf­klä­rung aus­räu­men; gelingt dies, ist der Beweis der nega­ti­ven Tat­sa­che erbracht 2.

Dabei recht­fer­tigt die Beson­der­heit, dass die Fehl­vor­stel­lung der Klä­ger nicht erst durch die behaup­te­te unter­las­se­ne Auf­klä­rung her­vor­ge­ru­fen wur­de, son­dern bereits durch das unrich­ti­ge Expo­sé und die fal­schen Anga­ben in der über­sand­ten E‑Mail, kei­ne ande­re recht­li­che Bewer­tung. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass die Beweis­last hin­sicht­lich der Auf­klä­rung nicht umge­kehrt wird, wenn es dar­um geht, ob ein durch vor­he­ri­ges akti­ves Tun her­vor­ge­ru­fe­ner Irr­tum durch spä­te­re Auf­klä­rung wie­der besei­tigt wor­den ist 3. Anders als hin­sicht­lich des Fort­be­stan­des eines ein­mal ent­stan­de­nen Rechts besteht auch kei­ne Ver­mu­tung für die Fort­dau­er eines ein­mal ein­ge­tre­te­nen Irr­tums 4.

Eine ande­re – zu beja­hen­de – Fra­ge ist es, ob dem Getäusch­ten in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen Erleich­te­run­gen hin­sicht­lich des Beweis­ma­ßes zuzu­bil­li­gen sind. Denn auch wenn der Käu­fer "nur" die in zeit­li­cher, räum­li­cher und inhalt­li­cher Wei­se kon­kre­ti­sier­te Behaup­tung aus­räu­men muss, es sei (nach­träg­lich) auf­ge­klärt wor­den 5, bleibt es dabei, dass die Füh­rung eines sol­chen "Nega­tiv­be­wei­ses" regel­mä­ßig mit erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den bleibt und des­halb kei­ne über­spann­ten Anfor­de­run­gen an die Beweis­füh­rung gestellt wer­den dür­fen 6. Vor die­sem Hin­ter­grund ist bei der Beweis­wür­di­gung der Umstand zu berück­sich­ti­gen, dass der­je­ni­ge, der einen ande­ren durch arg­lis­ti­ges (posi­ti­ves) Tun zum Ver­trags­schluss bewe­gen möch­te, hier­von in der Regel nicht zeit­nah durch Offen­ba­rung der wah­ren Ver­hält­nis­se wie­der abrü­cken wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Juni 2014 – V ZR 55/​13

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 22.10.1976 – V ZR 247/​75, LM § 123 BGB Nr. 47[]
  2. vgl. zum Gan­zen nur BGH, Urteil vom 12.11.2010 – V ZR 181/​09, BGHZ 188, 43 Rn. 12 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 22.10.1976 – V ZR 247/​75, LM § 123 BGB Nr. 47; aA OLG Köln, VersR 1996, 631, 632; Palandt/​Ellenberger, BGB, 73. Aufl., § 123 BGB Rn. 30; vgl. auch OLG Schles­wig, SchlHA 2002, 112[]
  4. BGH, aaO[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 12.11.2010 – – V ZR 181/​09, BGHZ 188, 43 Rn. 12[]
  6. vgl. auch BGH, Urteil vom 27.04.1966 – – VIII ZR 74/​65, VRS 31 [1966] 321, 324[]