Ast­bruch auf dem öffent­li­chen Park­platz

Das bei bestimm­ten Baum­ar­ten bestehen­de Risi­ko eines natür­li­chen Bruchs gesun­der Äste begrün­det jeden­falls im Bereich von Park­plät­zen kei­ne Amts­pflicht zur Besei­ti­gung des gesam­ten Bau­mes oder wesent­li­cher Tei­le sei­ner Kro­ne.

Ast­bruch auf dem öffent­li­chen Park­platz

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss die stra­ßen­ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ti­ge Gemein­de Bäu­me oder Tei­le von ihnen ent­fer­nen, die den Ver­kehr gefähr­den, ins­be­son­de­re, wenn sie nicht mehr stand­si­cher sind oder her­ab­zu­stür­zen dro­hen. Zwar stellt jeder Baum an einer Stra­ße eine mög­li­che Gefah­ren­quel­le dar, weil durch Natur­er­eig­nis­se sogar gesun­de Bäu­me ent­wur­zelt oder geknickt oder Tei­le von ihnen abge­bro­chen wer­den kön­nen. Ande­rer­seits ist die Erkran­kung oder Ver­mor­schung eines Bau­mes von außen nicht immer erkenn­bar. Das recht­fer­tigt aber nicht die Ent­fer­nung aller Bäu­me aus der Nähe von Stra­ßen; denn der Ver­kehr muss gewis­se Gefah­ren, die nicht durch mensch­li­ches Han­deln ent­ste­hen, son­dern auf Gege­ben­hei­ten oder Gewal­ten der Natur beru­hen, als unver­meid­bar hin­neh­men. Eine schuld­haf­te Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht liegt in sol­chen Fäl­len nur dann vor, wenn Anzei­chen ver­kannt oder über­se­hen wor­den sind, die nach der Erfah­rung auf eine wei­te­re Gefahr durch den Baum hin­wei­sen 1. Aus die­sen Grund­sät­zen folgt die Pflicht zu regel­mä­ßi­gen Kon­trol­len, wobei die Län­ge des Kon­troll­in­ter­valls unter­schied­lich beur­teilt wird 2.

Hin­sicht­lich des Ast­bruchs bei Baum­ar­ten, die gele­gent­lich auch gesun­de Äste abwer­fen (insb. Pap­peln), begrün­det die Aus­wahl der Baum­art allein kei­ne Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht, auch wenn im Ein­zel­fall die Mög­lich­keit einer kon­kre­ten Gefähr­dung bei einer bestimm­ten Baum­art näher als bei ande­ren Baum­ar­ten liegt 3. Aller­dings ist zum Teil über die bestehen­de Baum­kon­troll­pflicht hin­aus ein prä­ven­ti­ves Ent­fer­nen der in den Ver­kehrs­raum hin­ein­ra­gen­den Äste ver­langt wor­den 4. Dies wür­de jedoch dar­auf hin­aus­lau­fen, gesun­de Bäu­me die­ser Arten natur­wid­rig erheb­lich zu stut­zen oder im gesam­ten Ver­kehrs­be­reich zu ent­fer­nen 5. Dabei ist zum einen zu berück­sich­ti­gen, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne unein­ge­schränk­te Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht gefor­dert wer­den kann und folg­lich nicht ver­langt wer­den kann, dass eine Stra­ße völ­lig frei von Män­geln und Gefah­ren ist 6. Zum ande­ren hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he bereits an ande­rer Stel­le dar­auf abge­ho­ben, dass es grund­sätz­lich begrü­ßens­wert ist, wenn eine Stadt im Stadt­kern einen mög­lichst hohen Baum­be­stand unter­hält, und dass im Rah­men der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nur das Zumut­ba­re gefor­dert wer­den kann, so dass nicht jeder her­ab­fal­len­de Ast oder umstür­zen­de Baum zu einer Haf­tung des Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ti­gen führt 7. Inso­fern hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz zutref­fend dar­auf ver­wie­sen, dass gele­gent­li­cher natür­li­cher Ast­bruch, für den vor­her kei­ne beson­de­ren Anzei­chen bestehen, zu den natur­ge­bun­de­nen und daher hin­zu­neh­men­den Lebens­ri­si­ken gehört und dass die Wahr­schein­lich­keit, durch den Ast­bruch gesun­der Bau­mäs­te einen Scha­den zu erlei­den, wesent­lich gerin­ger ist als die Gefahr durch ande­re erlaub­te Risi­ken wie bei­spiels­wei­se den Kfz-Ver­kehr als sol­chen 8. Daher tref­fen die für den öffent­li­chen Park­platz ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ti­ge Gemein­de im vor­lie­gen­den Fall über die Baum­kon­troll­pflicht und die sich hier­aus für den Ein­zel­fall erge­ben­den Maß­nah­men hin­aus kei­ne wei­te­ren Pflich­ten, ins­be­son­de­re kei­ne Pflicht zu einer prä­ven­ti­ven Stut­zung oder Ent­fer­nung eines gesun­den Bau­mes.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 21. Okto­ber 2010 – 12 U 103/​10

  1. BGH, NJW 1965, 815; NJW 2004, 1381[]
  2. vgl. OLG Karls­ru­he, VersR 1994, 358; OLG Koblenz, NJW-RR 1986, 1086 (eine Kon­trol­le im Jahr) einer­seits und OLG Hamm, VersR 1997, 1148; OLG Düs­sel­dorf, VersR 1992, 467 (zwei Sicht­kon­trol­len im Jahr) ande­rer­seits, ein­ge­hend Schnei­der, VersR 2007, 743, 747 ff; Fürs­ten­berg, DAR 2007, 293; Bau­er, DAR 2008, 109[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1995, 726[]
  4. OLG Köln, VersR 1994, 1489[]
  5. vgl. OLG Koblenz, NZV 1998, 378[]
  6. BGH, NJW 1965, 815[]
  7. OLG Karls­ru­he, VersR 1994, 358[]
  8. OLG Koblenz, a.a.O.; Schnei­der, a.a.O.[]