Äste in Nach­bars Gar­ten

Wach­sen­de und gedei­hen­de Bäu­me in des Nach­bars Gar­ten sieht nicht jeder mit unge­teil­ter Freu­de. Bedeu­ten Sie doch für den eige­nen Grund und Boden mit­un­ter Schat­ten und ver­streu­te Pflan­zen­tei­le. Wenn dann sogar die Äste über die Grund­stücks­gren­ze hin­über wach­sen, kann man sich in der Regel dage­gen weh­ren und Besei­ti­gung ver­lan­gen. Da die­se Erkennt­nis eini­gen Nach­barn aber immer noch nicht geläu­fig ist, muss­ten es jetzt wie­der ein­mal die Gerich­te in Coburg ent­schei­den und einen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer auf Antrag sei­nes Nach­barn ver­ur­tei­len, sei­nen Bäu­men die auf den Nach­bars­grund ragen­den Äste zu stut­zen. Dass der Über­wuchs dem Grund­stück des Klä­gers Licht ent­zieht und es mit her­ab fal­len­den Nadeln, Ästen und Zap­fen ver­sorgt, muss der Klä­ger nicht hin­neh­men.

Äste in Nach­bars Gar­ten

Ent­lang der gemein­sa­men Grund­stücks­gren­ze stan­den seit mehr als 30 Jah­ren auf Sei­ten des Beklag­ten 18 Fich­ten und eine Bir­ke. Ganz nach Baum­art wuch­sen sie nicht nur bestän­dig gen Him­mel, son­dern streck­ten ihre Äste auch immer wei­ter in Rich­tung Gar­ten des Klä­gers. Nach­dem sie bis zu 4 m in sei­nen "Luft­raum" vor­ge­drun­gen waren, hat­te der genug und ver­lang­te Besei­ti­gung die­ses Über­wuch­ses. Der Beklag­te aber mein­te, der Klä­ger wer­de doch gar nicht spür­bar beein­träch­tigt.

Das sahen die Cobur­ger Gerich­te nach Inaugen­sch­ein­nah­me der Ört­lich­kei­ten aber anders. Sie führ­ten aus, dass der Klä­ger die über­hän­gen­den Äste nur dann dul­den muss, wenn sein Grund­stück durch sie nicht beein­träch­tigt wird. Ange­sichts eines Über­hangs von bis zu 4 m mit dadurch ver­stärk­ter Schat­ten­bil­dung und den Natur­ge­set­zen ent­spre­chend her­ab fal­len­den Nadeln, Zap­fen und abge­stor­be­nen Zwei­gen ist eine Beein­träch­ti­gung jedoch nicht zu bezwei­feln. Der Beklag­te muss dem Wachs­tum sei­ner Bäu­me daher an der Grund­stücks­gren­ze Ein­halt gebie­ten.

Amts­ge­richt Coburg, Urteil vom 14. Febru­ar 2008 – 15 C 1615/​07;
Land­ge­richt Coburg, Beschluss vom 28. Juli 2008 – 33 S 26/​08
(rechts­kräf­tig)