Auf der Pfer­de­auk­ti­on gibt es kei­ne Ver­brauchs­gü­ter

Eine von einem Pfer­de­zucht­ver­band ver­an­stal­te­te Pfer­de­auk­ti­on, die von einem öffent­lich bestell­ten Ver­stei­ge­rer durch­ge­führt wird, ist nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs als öffent­li­che Ver­stei­ge­rung anzu­se­hen, auf die die Vor­schrif­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kauf­rechts nicht anzu­wen­den sind.

Auf der Pfer­de­auk­ti­on gibt es kei­ne Ver­brauchs­gü­ter

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­lang­te die Klä­ge­rin, die hob­by­mä­ßig ein Gestüt betreibt, die Rück­erstat­tung des Kauf­prei­ses für eine im Janu­ar 2005 in einer Auk­ti­on des Beklag­ten erstei­ger­te Stu­te. Der Beklag­te ist ein aner­kann­ter Pfer­de­zucht­ver­band. Er orga­ni­siert jähr­lich meh­re­re Auk­tio­nen, in deren Rah­men Pfer­de der Mit­glie­der des Beklag­ten ver­stei­gert wer­den. So auch bei der im Janu­ar 2005 durch­ge­führ­ten Auk­ti­on, die von einem nach § 34b GewO öffent­lich bestell­ten Ver­stei­ge­rer gelei­tet wur­de. Aus den all­ge­mei­nen Auk­ti­ons­be­din­gun­gen des Ver­ban­des ergibt sich unter ande­rem, dass die Ver­stei­ge­run­gen vom Ver­band ver­an­stal­tet wer­den und dass die im Rah­men der Auk­ti­on geschlos­se­nen Ver­trä­ge zwi­schen dem Erstei­ge­rer und dem Ver­band zustan­de kom­men. Im März 2005 stell­te die Klä­ge­rin fest, dass die im Janu­ar erstei­ger­te Stu­te die Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit des "Frei­koppens" auf­weist, die den Zucht- und Wie­der­ver­kaufs­wert eines Pfer­des min­dert. Mit der Kla­ge hat sie des­halb unter ande­rem die Rück­erstat­tung des Kauf­prei­ses von rund 160.000 € begehrt.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Köln hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Die gegen das kal­ge­ab­wei­sen­de Urteil von der Klä­ge­rin ein­ge­leg­te Beru­fung wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Köln zurück­ge­wie­sen 2

Die hie­re­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te heu­te vor dem Bun­des­ge­richts­hof im Ergeb­nis Erfolg. Aller­dings ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof, dass die Klä­ge­rin sich nicht auf die Vor­schrif­ten über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf beru­fen kann, weil der in § 474 Abs. 1 Satz 2 BGB gere­gel­te Aus­nah­me­tat­be­stand des Ver­kaufs gebrauch­ter Sachen in einer öffent­li­chen Ver­stei­ge­rung erfüllt ist. Die Aus­nah­me von der Anwend­bar­keit der Ver­brauchs­gü­ter­kauf­vor­schrif­ten ist zwar nur dann hin­nehm­bar, wenn der Ver­stei­ge­rer auf­grund sei­ner Per­son eine gestei­ger­te Gewähr für die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Ver­stei­ge­rung ein­schließ­lich einer zutref­fen­den Beschrei­bung der ange­bo­te­nen Gegen­stän­de bie­tet. Das ist jedoch – wie hier – bei einem öffent­lich bestell­ten Ver­stei­ge­rer der Fall. Hin­ge­gen ist es nicht erfor­der­lich, dass der Ver­stei­ge­rer selbst Ver­an­stal­ter der Auk­ti­on ist.

Die Sache ist gleich­wohl vom BGH an das OLG Köln zurück­ver­wie­sen wor­den, weil wei­te­re Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen wer­den müs­sen, ob die Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit des "Frei­koppens" bereits bei Über­ga­be des Pfer­des vor­han­den war. Da die in § 476 BGB für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf gere­gel­te Beweis­last­um­kehr nicht zur Anwen­dung kommt, ist das von der Klä­ge­rin zu bewei­sen. Die­se hat dazu aber, anders als es das Ober­lan­des­ge­richt ange­nom­men hat, hin­rei­chen­de Anknüp­fungs­tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, zu denen ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­zu­ho­len sein wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Febru­ar 2010 – VIII ZR 71/​09

  1. LG Köln, Urteil vom 14.03.2007 – 4 O 40/​06[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 17.02.2009 – 3 U 66/​07[]