Auf­he­bung eines gemein­schaft­li­chen Grund­ei­gen­tums in der Fami­lie

Ist durch einen nota­ri­el­len Ver­trag die Mög­lich­keit zur Auf­he­bung einer Grund­stücks­ge­mein­schaft zwi­schen Fami­li­en­mit­glie­dern aus­ge­schlos­sen, muss bei Dif­fe­ren­zen in der Fami­lie vor einer Zwangs­ver­stei­ge­rung ver­sucht wer­den, das Anwe­sen ander­wei­tig zu nut­zen. Außer­dem bedarf es bei einem umfas­sen­den Aus­schluss der Auf­he­bung der Gemein­schaft eines ganz beson­ders wich­ti­gen Grun­des.

Auf­he­bung eines gemein­schaft­li­chen Grund­ei­gen­tums in der Fami­lie

So hat das Land­ge­richt Fran­ken­thal in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und die Kla­ge einer Toch­ter auf Zustim­mung zur Zwangs­ver­stei­ge­rung eines im gemein­sa­men Eigen­tum mit den Eltern sich befin­den­den Anwe­sens abge­wie­sen. Nach­dem die Beru­fung gegen das Urteil vom Pfäl­zi­schen Ober­lan­des­ge­richt in Zwei­brü­cken [1] zurück­ge­wie­sen und die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on vor dem Bun­des­ge­richts­hof eben­falls kei­nen Erfolg [2] hat­te, ist das Urteil des Land­ge­richts Fran­ken­thal damit rechts­kräf­tig gewor­den.

Im Jahr 2012 hat­ten Eltern und Toch­ter in Fran­ken­thal gemein­sam neben dem Eltern­haus ein Anwe­sen erwor­ben. Die Toch­ter woll­te sich hier­mit ihren Jugend­traum erfül­len und Tür an Tür mit ihren Eltern in einer Art Mehr­ge­nera­tio­nen­haus woh­nen. In dem nota­ri­el­len Ver­trag hat­te die Fami­lie ver­ein­bart, dass bis zum Tod der Eltern kei­ner die Auf­he­bung der Gemein­schaft ver­lan­gen kann. Jah­re spä­ter kam es in der Fami­lie zu erheb­li­chen Strei­tig­kei­ten bis hin zu kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die Toch­ter sah damit die Grund­la­ge für ein gemein­sa­mes Zusam­men­le­ben als erschüt­tert an. Sie woll­te das Grund­stück ver­stei­gern las­sen. Mit ihrer Kla­ge woll­te sie errei­chen, dass die Eltern die hier­für not­wen­di­ge Zustim­mung ertei­len.

In der Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Fran­ken­thal aus­ge­führt, dass zwar grund­sätz­lich jeder Mit­ei­gen­tü­mer das Recht hat, die Auf­he­bung der Gemein­schaft zu ver­lan­gen. Wenn aber – wie hier – durch den nota­ri­el­len Ver­trag ein umfas­sen­der Aus­schluss ver­ein­bart sei, bedür­fe es dazu eines ganz beson­ders wich­ti­gen Grun­des. Nach Mei­nung des Land­ge­richts Fran­ken­thal müs­se zunächst – bevor eine Zwangs­ver­stei­ge­rung erfol­gen kön­ne – trotz aller Dif­fe­ren­zen ver­sucht wer­den, das Anwe­sen ander­wei­tig zu nut­zen. So kön­ne es etwa gemein­sam ver­mie­tet und durch einen neu­tra­len Drit­ten ver­wal­tet wer­den. Die­ses mil­de­re Mit­tel sei vor­lie­gend noch nicht erwo­gen wor­den.

Land­ge­richt Fran­ken­thal, Urteil vom 16. Mai 2018 – 4 O 366/​17

  1. Pf. OLG Zwei­brü­cken, Beschluss vom 26.08.2019 – 4 U 69/​18[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.05.2020 – II ZR 221/​19[]