Auf­he­bung eines Ver­wei­sungs­be­schlus­ses

Ein Ver­wei­sungs­be­schluss (§ 281 ZPO) kann durch das ver­wei­sen­de Amts­ge­richt jeden­falls dann wie­der auf­ge­ho­ben wer­den, wenn die Akten noch nicht dem "ange­wie­se­nen" Amts­ge­richt vor­ge­le­gen haben.

Auf­he­bung eines Ver­wei­sungs­be­schlus­ses

Soweit in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur die im Aus­gangs­punkt wohl weit­ge­hend ein­hel­li­ge Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, Ver­wei­sungs­be­schlüs­se sei­en für das ver­wei­sen­de Amts­ge­richt unwi­der­ruf­lich, also unauf­heb­bar 1, fin­det die­se – im Prin­zip sicher rich­ti­ge – Auf­fas­sung ihre Stüt­ze nicht in dem auf Beschlüs­se grund­sätz­lich nicht anzu­wen­den­den § 318 ZPO 2, son­dern – allein – dar­in, dass mit dem auf den Ver­wei­sungs­be­schluss regel­mä­ßig fol­gen­den Ein­gang der Pro­zess­ak­ten bei dem ange­wie­se­nen Amts­ge­richt die dor­ti­ge Anhän­gig­keit ein­tritt (§ 281 Abs. 2 Satz 3 ZPO) und gleich­zei­tig die Anhän­gig­keit beim ver­wei­sen­den Amts­ge­richt endet. Des­halb – also erst mit dem Ein­gang der Akten beim ange­wie­se­nen Amts­ge­richt – endet man­gels wei­te­rer Exis­tenz eines anhän­gi­gen Ver­fah­rens beim anwei­sen­den Amts­ge­richt ab die­sem Zeit­punkt die recht­li­che Zugriffs­mög­lich­keit und Gestal­tungs­macht des anwei­sen­den Amts­ge­richts in Bezug auf das ab die­sem Zeit­punkt aus sei­ner Sicht frem­de Ver­fah­ren und damit letzt­lich auch auf den zu die­sem jetzt frem­den Ver­fah­ren gehö­ren­den "eige­nen" Ver­wei­sungs­be­schluss 3.

Im vor­lie­gen­den Fall aber sind die Akten dem Land­ge­richt noch nicht zuge­lei­tet wor­den, so dass die vor­ste­hend skiz­zier­te Kon­stel­la­ti­on hier nicht ein­schlä­gig ist. In der hier gege­be­nen Situa­ti­on kann der Ver­wei­sungs­be­schluss daher von hier aus auf­ge­ho­ben wer­den und das Ver­fah­ren dar­auf­hin vor dem hie­si­gen Amts­ge­richt – aus ledig­lich EDV-tech­ni­schen Grün­den unter einem neu­en Akten­zei­chen – fort­ge­setzt wer­den.

Amts­ge­richt Stral­sund, Beschluss vom 18. Janu­ar 2019 – 25 C 1/​19

  1. statt aller Zöller/​Greger, ZPO, 32. Aufl.2018, § 281 Rn. 16, m.w.N.[]
  2. vgl. Zöller/​Feskorn, a.a.O., § 318 Rn. 8, m.w.N.[]
  3. vgl. BAG, Beschluss vom 21.12.2015 – 10 AS 9/​15, NZA 2016, 446 [Juris; Tz. 22 ff.], m.w.N.[]