Auf­klä­rungs­pflicht bei Unfal­l­ersatz­ta­ri­fen

Bie­tet der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer dem Unfall­ge­schä­dig­ten einen beson­de­ren für Unfal­l­ersatz­fahr­zeu­ge ent­wi­ckel­ten Tarif an, der über dem Nor­mal­ta­rif auf dem ört­lich rele­van­ten Markt liegt, und besteht daher die Gefahr, dass die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Schä­di­gers nicht den vol­len Tarif erstat­tet, so muss er nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs den Mie­ter dar­über auf­klä­ren (Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 28. Juni 2006 – XII ZR 50/​04NJW 2006, 2618, BGHZ 168, 168 und vom 24. Okto­ber 2007 – XII ZR 155/​05NJW-RR 2008, 470).

Auf­klä­rungs­pflicht bei Unfal­l­ersatz­ta­ri­fen

Nach § 311 Abs. 2 BGB i.V.m. § 241 Abs. 2 BGB trifft den Ver­mie­ter vor Ver­trags­schluss grund­sätz­lich eine Auf­klä­rungs­pflicht gegen­über dem Mie­ter über Umstän­de und Rechts­ver­hält­nis­se mit Bezug auf die Miet­sa­che, die – für den Ver­mie­ter erkenn­bar – von beson­de­rer Bedeu­tung für den Ent­schluss des Mie­ters zur Ein­ge­hung des Ver­tra­ges sind und deren Mit­tei­lung nach Treu und Glau­ben erwar­tet wer­den kann. Das Bestehen der Auf­klä­rungs­pflicht rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re nach der Per­son des Mie­ters und des­sen für den Ver­mie­ter erkenn­ba­re Geschäfts­er­fah­ren­heit oder Uner­fah­ren­heit 1.

Der BGH hat aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen das Bestehen einer Auf­klä­rungs­pflicht des Auto­ver­mie­ters gegen­über dem Miet­in­ter­es­sen­ten über mög­li­che Pro­ble­me bei der Abrech­nung der Miet­wa­gen­kos­ten mit der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­geg­ners aus fol­gen­den Grün­den bejaht:

Der an der Anmie­tung eines Unfal­l­ersatz­fahr­zeugs inter­es­sier­te Unfall­ge­schä­dig­te geht für den Ver­mie­ter erkenn­bar davon aus, dass die Miet­wa­gen­kos­ten von der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung, die ihm gegen­über dem Grun­de nach zu deren Über­nah­me ver­pflich­tet ist, erstat­tet wer­den. Durch das Ange­bot eines Ersatz­fahr­zeugs zu einem spe­zi­el­len "Unfal­l­ersatz­ta­rif" wird der Inter­es­sent, der den in einen "Nor­mal­ta­rif" und einen meist höhe­ren "Unfal­l­ersatz­ta­rif" gespal­te­nen Miet­wa­gen­markt in der Regel nicht kennt, in die­ser Annah­me bestärkt. Dem­ge­gen­über kennt der Auto­ver­mie­ter den gespal­te­nen Miet­wa­gen­markt und weiß spä­tes­tens seit dem Jahr 2002, nach­dem die Instanz­ge­rich­te dazu über­ge­gan­gen waren, die Regu­lie­rungs­pra­xis meh­re­rer Haft­pflicht­ver­si­che­rer zu bil­li­gen, nach der Miet­wa­gen­kos­ten, soweit sie den Nor­mal­ta­rif über­stie­gen, nicht erstat­tet wur­den, dass es bei der Regu­lie­rung sol­cher Miet­wa­gen­kos­ten zu Schwie­rig­kei­ten kom­men kann 2.

Seit der ers­ten neue­ren Ent­schei­dung des BGH zu den Unfal­l­ersatz­ta­ri­fen vom 12. Okto­ber 2004 3 ist Auto­ver­mie­tern und Haft­pflicht­ver­si­che­rern bekannt, dass nun­mehr auch nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ein Unfal­l­ersatz­ta­rif, der den ört­li­chen Nor­mal­ta­rif über­steigt, nur inso­weit einen erfor­der­li­chen und damit von der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung zu erstat­ten­den Auf­wand zur Scha­dens­be­sei­ti­gung gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB dar­stellt, als der höhe­re Preis aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht gerecht­fer­tigt ist, weil er auf Leis­tun­gen des Ver­mie­ters beruht, die durch die beson­de­re Unfall­si­tua­ti­on ver­an­lasst sind.

Eine Auf­klä­rungs­pflicht des Ver­mie­ters über mög­li­che Regu­lie­rungs­schwie­rig­kei­ten mit der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung bei der Abrech­nung von Miet­wa­gen­kos­ten besteht somit seit Ver­öf­fent­li­chung die­ser BGH-Ent­schei­dung 4 grund­sätz­lich bereits dann, wenn der Ver­mie­ter dem Miet­in­ter­es­sen­ten einen von ihm spe­zi­ell für Ersatz­miet­fahr­zeu­ge nach Unfäl­len ent­wi­ckel­ten, den ört­li­chen Nor­mal­ta­rif über­stei­gen­den Tarif anbie­tet. In die­sem Fall kann der Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Unfall­geg­ners die Erstat­tung der Mehr­kos­ten ableh­nen, wenn nicht der Mie­ter dar­legt und beweist, dass die Preis­dif­fe­renz durch zusätz­li­che Leis­tun­gen des Auto­ver­mie­ters gerecht­fer­tigt ist, die durch die beson­de­re Unfall­si­tua­ti­on ver­an­lasst und damit zur Scha­dens­be­sei­ti­gung erfor­der­lich sind. Über die­se zu erwar­ten­den Schwie­rig­kei­ten bei der Abrech­nung der Miet­wa­gen­kos­ten muss der wis­sen­de Ver­mie­ter den unwis­sen­den Mie­ter auf­klä­ren.

Dabei kann – ent­ge­gen der noch vom Land­ge­richt Lübeck in sei­nem Beru­fungs­ur­teil zu die­sem Fall ver­tre­te­nen Ansicht – nicht zu Las­ten des Mie­ters berück­sich­tigt wer­den, dass der Gesamt­heit der Haft­pflicht­ver­si­che­rer die Pro­ble­ma­tik bekannt war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. März 2009 – XII ZR 117/​07

  1. BGHZ 168, 168, 172 f. und BGH, Urteil vom 16. Febru­ar 2000 – XII ZR 279/​97NJW 2000, 1714, 1718 m.w.N.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 28. Juni 2006 – XII ZR 50/​04NJW 2006, 2618 f. = BGHZ 168, 168; vom 10. Janu­ar 2007 – XII ZR 72/​04NJW 2007, 1447 f.; vom 7. Febru­ar 2007 – XII ZR 125/​04NJW 2007, 2181 f.; vom 27. Juni 2007 – XII ZR 53/​05NJW 2007, 2759 f.; vom 24. Okto­ber 2007 – XII ZR 155/​05NJW-RR 2008, 470 f. und vom 21. Novem­ber 2007 – XII ZR 15/​06VersR 2008, 269 f.[]
  3. BGHZ 160, 377[]
  4. Ende des Jah­res 2004, ZIP 2004, 2435[]