Auf­rech­nung gegen eine durch Urteil titu­lier­te For­de­rung

Die Auf­rech­nung gegen eine durch Urteil titu­lier­te For­de­rung unter­liegt den Ein­schrän­kun­gen, denen sie unter­lä­ge, wenn sie im Wege der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge (§ 767 ZPO) ein­ge­wen­det wor­den wäre. Ist eine zur Auf­rech­nung gestell­te Gegen­for­de­rung des Titel­schuld­ners in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 767 Abs. 2 ZPO prä­k­lu­diert, wird sie so behan­delt, als sei die Auf­rech­nung nie erklärt wor­den.

Auf­rech­nung gegen eine durch Urteil titu­lier­te For­de­rung

Zwar kann auch gegen­über einem Anspruch, der durch rechts­kräf­ti­ges Urteil fest­ge­stellt wor­den ist, grund­sätz­lich auf­ge­rech­net wer­den. Die Auf­rech­nung unter­liegt dann aber den Ein­schrän­kun­gen, denen sie unter­lä­ge, wenn sie im Wege der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge (§ 767 ZPO) ein­ge­wen­det wor­den wäre 1. Die ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 767 Abs. 2 ZPO in einem nach­träg­li­chen Zivil­pro­zess folgt aus der mate­ri­el­len Rechts­kraft der gericht­li­chen Ent­schei­dung 2. Die Prä­k­lu­si­on der Auf­rech­nung hat inso­weit nicht nur ver­fah­rens­recht­li­che Wir­kung; viel­mehr tre­ten auch die mate­ri­ell­recht­li­chen Wir­kun­gen der Auf­rech­nung nicht ein. Die zur Auf­rech­nung gestell­ten Gegen­for­de­run­gen des Titel­schuld­ners wer­den so behan­delt, als sei die Auf­rech­nung nie erklärt wor­den 3.

Soweit die zur Auf­rech­nung gestell­ten Gegen­for­de­run­gen bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung im Vor­pro­zess ent­stan­den sind, sind sie so zu behan­deln, als sei die Auf­rech­nung nie erklärt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 25. Juni 2019 – II ZR 170/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.02.1988 – III ZR 272/​85, NJW-RR 1988, 957, 958; Urteil vom 16.08.2007 – IX ZR 63/​06, NZI 2007, 575 Rn. 23; Urteil vom 05.07.2013 – V ZR 141/​12, NJW 2013, 3243 Rn. 12 ff.; OLG Ros­tock, OLGR 2003, 565; Münch­Komm-ZPO/­Schmid­t/Brink­mann, 5. Aufl., § 767 Rn. 83[]
  2. BGH, Urteil vom 25.02.1988 – III ZR 272/​85, NJW-RR 1988, 957, 958; Münch­Komm-ZPO/­Schmid­t/Brink­mann, 5. Aufl., § 767 Rn. 83[]
  3. BGH, Urteil vom 05.03.2009 – IX ZR 141/​07, NJW 2009, 1671 Rn. 12 mwN; Urteil vom 15.11.2012 – IX ZR 103/​11, NJW-RR 2013, 757 Rn. 10[]