Aus der Ver­wah­rung der Staats­an­walt­schaft ver­schwun­den…

Kann nicht nach­ge­wie­sen wer­den, dass es sich bei einem ver­schwun­de­nen Gemäl­de um ein Ori­gi­nal han­delt und nicht um einen wert­lo­sen Nach­druck, besteht kein Anspruch auf Scha­dens­er­satz.

Aus der Ver­wah­rung der Staats­an­walt­schaft ver­schwun­den…

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm eine Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen das Land Nord­rhein-West­fa­len abge­wie­sen und damit das Urteil des Land­ge­richts Dort­mund bestä­tigt. Der aus Kroa­ti­en stam­men­de Klä­ger hat vom beklag­ten Land 32.000.000 Euro Scha­dens­er­satz für einen ver­schwun­de­nen „Renoir“ ver­langt. Im Janu­ar 2004 reis­te der Klä­ger mit einem Bild, titu­liert als „Enfant man­ge­ant un fruit“ bzw. in Deutsch als „Mäd­chen mit einer Oran­ge“, von Kroa­ti­en nach Deutsch­land. Zu dem Bild behaup­tet der Klä­ger, es stam­me vom Maler Pierre Augus­te Renoir und habe einen Wert von 32.000.000 Euro.

Im Rah­men eines wegen Betrugs­ver­dachts von der Staats­an­walt­schaft Essen gegen den Klä­ger geführ­ten Ermitt­lungs­ver­fah­rens wur­de das Bild am 7. April 2004 beschlag­nahmt und in der Fol­ge­zeit als Asser­vat ver­wahrt. Ein von der Staats­an­walt­schaft beauf­trag­ter Kunst­his­to­ri­ker kam nach einem im April 2005 erstat­te­ten Gut­ach­ten zu dem Ergeb­nis, das Bild sei eine Repro­duk­ti­on und kein Ori­gi­nal­werk von Renoir. Im Juli 2006 stell­te die Staats­an­walt­schaft Essen fest, dass das beschlag­nahm­te Bild nicht mehr auf­find­bar war. Nach dem Abschluss des gegen den Klä­ger geführ­ten Straf­ver­fah­rens gab die Staats­an­walt­schaft das Bild frei, ohne es zurück­ge­ben zu kön­nen. Die Scha­dens­er­satz­kla­ge hat das Land­ge­richt Dort­mund mit Urteil vom 14. Okto­ber 2011 abge­wie­sen mit der Begrün­dung, es kön­ne dahin­ste­hen, ob das Ver­schwin­den des Bil­des dem beklag­ten Land als schuld­haf­te Amts­pflicht­ver­let­zung vor­zu­wer­fen sei. Nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me sei das beschlag­nahm­te Bild ein wert­lo­ser Nach­druck des Wer­kes von Renoir gewe­sen, so dass dem Klä­ger kein Scha­den ent­stan­den sei. Dar­auf­hin hat der Klä­ger Beru­fung ein­ge­legt.

Auch nach der ergän­zen­den Ver­neh­mung von Zeu­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm nicht fest­stel­len kön­nen, dass das kurz nach der Beschlag­nah­me im Mai 2004 von einem Kunst­his­to­ri­ker unter­such­te Bild kei­nen Prä­ge­stem­pel hat­te und des­halb nicht mit dem­je­ni­gen Exem­plar iden­tisch war, wel­ches im April 2005 begut­ach­tet wor­den ist. Nach dem Ergeb­nis die­ses Gut­ach­tens war das unter­such­te Bild ein wert­lo­ser Nach­druck des Wer­kes von Renoir. Es trug den als „Gany­med Tro­ckenstem­pel“ bezeich­ne­ten Prä­ge­stem­pel, der es als einen von der im Jah­re 1916 gegrün­de­ten Marées – Gesell­schaft her­aus­ge­ge­be­nen Nach­druck kenn­zeich­ne­te.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 6. März 2013 – I‑11 U 114/​11